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Vorsicht bei der Verwendung von „Bambusgeschirr“

Changed on: 18.12.2020
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Becher to go mit Bambusanteil
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Geschirr mit Bambusanteil

„Bambus-Geschirr" wie z. B. Kinder-Teller und Kinder-Becher, Coffee-to-go-Becher und Ähnliches werden oft als umweltfreundliche Alternative zu Plastik angepriesen: Geworben wird mit Aussagen, die sich auf Bambus als nachwachsenden, kompostierbaren und natürlichen Rohstoff beziehen.

Tatsächlich besteht aber nur ein Teil dieses Geschirrs aus Bambusfasern. Denn um dem Becher oder dem Teller Form und Stabilität zu geben, wird Kunststoff verwendet: Etwa 30 Prozent des Materials sind Kunststoffe wie Melamin-Formaldehydharze (MF). Die Oberfläche ist matt und oftmals bunt dekoriert, eine Maserung ist jedoch im Gegensatz zu Gegenständen, die ausschließlich aus Bambus bestehen, nicht zu erkennen.

Weil Bambus Feuchtigkeit anzieht und quellen kann, kann „Bambus-Geschirr“ spröde werden. Dadurch entstehen feinste Risse, insbesondere dann, wenn es höheren Temperaturen über 70°C ausgesetzt ist. Melamin und Formaldehyd können so in größeren Mengen aus dem Geschirr in das Lebensmittel gelangen. EU-weit werden immer wieder derartige gesundheitsschädliche Gebrauchsgegenstände aus dem Verkehr gezogen.

Zur Verwendung von Bambusfasen in Gegenständen, die mit Lebensmittel in Kontakt kommen, wurde seitens der Expertengruppe für Lebensmittelkontaktmaterialien der europäischen Kommission festgestellt, dass Bambusfasern nicht für den Gebrauch in Lebensmittelkontaktmaterialien aus Kunststoff zugelassen sind. Diese Produkte entsprechen daher nicht den gesetzlichen Anforderungen der dafür gültigen „Kunststoffverordnung“ (EU) Nr. 10/2011.

Demzufolge durften und dürfen diese Produkte weder importiert noch auf dem europäischen Markt in Verkehr gebracht werden. Produkte, die derzeit noch auf dem Markt angeboten werden, dürfen auch nicht mehr abverkauft werden.

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Schale aus reinem Bambus

NICHT von diesen Maßnahmen betroffen sind in Verkehr befindliche Produkte, die ausschließlich aus Bambus bestehen. Bei diesen gibt es derzeit keinerlei Sicherheitsbedenken. Erkennbar sind diese Produkte durch eine deutlich erkennbare Maserung.

Was ist Melamin?

Melamin ist eine chemische Verbindung, die zur Herstellung von Harzen, Kunststoffen und Klebstoffen verwendet wird. Es handelt sich um ein weißes, geruchloses und geschmackloses Pulver, das in heißem Wasser gut löslich ist. Melamin kann zu Blasen- und Nierenschäden führen.

In Europa ist Melamin zur Herstellung von Materialien und Gegenständen aus Kunststoff zugelassen, der Zusatz von Melamin zu Lebensmitteln und Tierfutter ist jedoch verboten. In Verbindung mit Formaldehyd entsteht ein bruchfester Werkstoff – das Melaminharz. Reines Melaminharz gilt bis 70 °C als stabil. Kunststoffprodukte, die in Kontakt mit Lebensmitteln kommen, dürfen maximal 2,5 mg Melamin in ein Kilo Lebensmittel abgeben.

Was ist Formaldehyd?

Formaldehyd ist ein Ausgangsstoff für viele chemische Verbindungen. Obwohl es auch in der Natur vorkommt, sind Grenzwerte für das leicht flüchtige Formaldehyd festgelegt. Formaldehyd ist haut- und schleimhautreizend und kann beim Einatmen krebserzeugend wirken. Für Kunststoffprodukte, die in Kontakt mit Lebensmitteln kommen, ist ein Grenzwert von 15 mg/kg Lebensmittel festgelegt.

Worauf sollen Konsumentinnen und Konsumenten achten?

Untersuchungen zeigen, dass bei einigen als Bambusgeschirr beworbenen Produkten höhere Mengen an Melamin und Formaldehyd freigesetzt werden, als gesetzlich zulässig ist.

Die AGES empfiehlt daher im Auftrag des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK), derartiges Geschirr nicht für heiße oder saure Getränke und Speisen über 70 °C zu benutzen, vor allem, wenn es schon länger in Verwendung ist: Durch die Abnutzung kann mehr Melamin und Formaldehyd ins Lebensmittel gelangen.

Herstellerangaben, dass diese Produkte nicht für die Mikrowelle geeignet sind, müssen dringend befolgt werden. Ebenso wird dringend dazu geraten, diese Produkte NICHT im Geschirrspüler zu reinigen, da dies die Freisetzung von Melamin und Formaldehyd fördern kann.

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