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Vorsicht bei der Verwendung von „Bambusgeschirr“

Changed on: 23.07.2019
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Schale aus reinem Bambus
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Becher to go mit Bambusanteil

"Bambus-Geschirr" wie z. B. Kinder-Teller und Kinder-Becher, Coffee-to-go-Becher und Ähnliches werden oft als umweltfreundliche Alternative zu Plastik angepriesen: Geworben wird mit Aussagen, die sich auf Bambus als nachwachsenden, kompostierbaren und natürlichen Rohstoff beziehen.
Tatsächlich besteht aber nur ein Teil dieses Geschirrs aus Bambusfasern. Denn um dem Becher oder dem Teller Form und Stabilität zu geben, wird Kunststoff verwendet: Etwa 30 Prozent des Materials sind Kunststoffe wie Melamin-Formaldehydharze (MF). Die Oberfläche ist matt und oftmals bunt dekoriert, eine Maserung ist jedoch im Gegensatz zu Gegenständen, die ausschließlich aus Bambus bestehen, nicht zu erkennen.
                                      
Da Bambus Feuchtigkeit anzieht und quellen kann, kann das Geschirr spröde werden und feinste Risse entstehen, insbesondere dann wenn es höheren Temperaturen über 70°C ausgesetzt ist. Melamin und Formaldehyd können so in größeren Mengen aus dem Geschirr in das Lebensmittel gelangen. EU-weit werden immer wieder derartige gesundheitsschädliche Gebrauchsgegenstände aus dem Verkehr gezogen. Darüber hinaus entsprechen solche Produkte nicht den Anforderungen der Kunststoffverordnung.

Was ist Melamin?

Melamin ist eine chemische Verbindung, die zur Herstellung von Harzen, Kunststoffen und Klebstoffen verwendet wird. Es handelt sich um ein weißes, geruchloses und geschmackloses Pulver, das in heißem Wasser gut löslich ist. Melamin kann zu Nierenschäden führen.
In Europa ist Melamin zur Herstellung von Materialien und Gegenständen aus Kunststoff zugelassen, der Zusatz von Melamin zu Lebensmitteln und Tierfutter ist jedoch verboten
In Verbindung mit Formaldehyd entsteht ein bruchfester Werkstoff – das Melaminharz. Reines Melaminharz gilt bis 70 °C als stabil. Kunststoffprodukte, die in Kontakt mit Lebensmitteln kommen, dürfen maximal 2,5 mg Melamin in ein Kilo Lebensmittel abgeben.

Was ist Formaldehyd?

Formaldehyd ist ein Ausgangsstoff für viele chemische Verbindungen. Obwohl es auch in der Natur vorkommt, sind Grenzwerte für das leicht flüchtige Formaldehyd festgelegt. Formaldehyd gilt bei chronischer Aufnahme als krebserregend; akut kann es Allergien, Haut-, Atemwegs- oder Augenreizungen verursachen. Für Kunststoffprodukte, die in Kontakt mit Lebensmitteln kommen, ist ein Grenzwert von 15 mg/kg Lebensmittel festgelegt.

Worauf sollen Konsumentinnen und Konsumenten achten

Untersuchungen zeigen, dass bei einigen als Bambusgeschirr beworbenen Produkten höhere Mengen an Melamin und Formaldehyd freigesetzt werden, als gesetzlich zulässig ist. Die AGES empfiehlt daher im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK), derartiges Geschirr nicht für heiße oder saure Getränke und Speisen über 70 °C zu benutzen, vor allem, wenn es schon länger in Verwendung ist: Durch die Abnutzung können mehr Melamin und Formaldehyd ins Lebensmittel gelangen. Herstellerangaben, dass diese Produkte nicht für die Mikrowelle geeignet sind, müssen dringend befolgt werden.

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