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Umweltüberwachung: Radioaktivität in der Luft

Changed on: 08.10.2021

Umweltüberwachung: Radioaktivität in der Luft – 2020

Im Rahmen der laborgestützten Überwachung von Österreich bestimmen die Labors der AGES regelmäßig den Radioaktivitätsgehalt in der Luft, im Niederschlag und in Oberflächengewässern sowie in Lebensmitteln und im Trinkwasser.

Bei der Luft handelt es sich um einen der wichtigsten Wege, auf denen sich Radioaktivität in der Umwelt verteilen kann. Denn durch Luftströmungen können radioaktive Partikel über weite Strecken transportiert werden. Daher ist die Messung von Radioaktivität in der Luft eine der bedeutendsten Aufgaben, die die AGES im Rahmen der Umweltüberwachung durchführt. Radioaktive Partikel in der Luft werden österreichweit an zehn Standorten gesammelt (siehe Grafik).

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Standorte der Luftsammler in Österreich
Karte mit allen Luftsammler Standorten in Österreich: Wien, Alt-Prerau, Retz, Linz, Graz, Klagenfurt, Sonnblick, Salzburg, Innsbruck, Bregenz

Die meisten radioaktiven Stoffe in der Luft sind an Tröpfchen oder Partikel (Aerosole) gebunden. Bei der Probenahme wird Luft durch einen Filter gesaugt. Die Tröpfchen und Partikel bleiben dabei auf dem Filter hängen und werden gesammelt. An einigen Standorten werden zusätzlich spezielle Sammelgeräte betrieben (Wien, Linz und Innsbruck), um auch gasförmige Radionuklide, wie etwa radioaktives Iod, nachweisen zu können.

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Luftsammelanlagen Wien
Luftsammelanlagen in Wien
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Beheizter Luftsammler Wien
Beheizter Luftsammler Wien
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Luftsammelanlage Sonnblick
Luftsammelanlage am Berg Sonnblick

Die Besaugung der Luftfilter findet über einen Zeitraum von einer Woche statt. Danach werden die Luftfilter getauscht und an unsere Radioaktivitäts-Messlabore übersendet. Die Filter werden in entsprechende Messbehälter gepresst und es folgt eine Messung auf hochempfindlichen Detektoren. Unsere Expertinnen und Experten werten die Messergebisse aus und berichten bei außergewöhnlichen Messwerten sofort an die zuständigen Bundesministerien. Im Jahr 2020 wurden insgesamt 782 Proben für die Luftüberwachung gesammelt und analysiert.

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Luftfilter mit Staub
Luftfilter mit Staub
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Probenbehälter
Luftfilter in Probenbehälter
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Messung der Probe
Messung der Probe
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Daten-Auswertung am Computer
Daten-Auswertung am Computer

Radionuklide

Nuklide sind eine Art beziehungsweise Sorte von Atomen. Radioaktive Nuklide werden auch Radionuklid genannt. In der Luft werden vor allem natürliche Radionuklide nachgewiesen. Diese entstehen aus dem radioaktiven Edelgas Radon oder werden in der Atmosphäre durch Strahlung aus dem Weltall erzeugt (kosmogene Radionuklide).

Radionuklide – Klagenfurt: Beryllium-7

Das bedeutendste kosmogene Radionuklid ist Beryllium-7. Die folgende Abbildung zeigt beispielhaft den Verlauf des Beryllium-7-Gehalts in der Luft in Klagenfurt über die letzten Jahre. Die Schwankung zu den verschiedenen Jahreszeiten hängt vor allem mit dem Wetter zusammen. 

Schwankender Verlauf der Beryllium-Werte in Aerosolen in Klagenfurt

Radionuklide – Klagenfurt: Cäsium-137

Neben den natürlichen Radionukliden wird regelmäßig auch das künstliche Radionuklid Cäsium-137 in der Luft nachgewiesen. Cäsium-137 wurde 1986 beim Reaktorunfall von Tschernobyl freigesetzt und ist heute noch nachweisbar. Die folgende Abbildung zeigt exemplarisch den Verlauf des Cäsium-137-Gehalts in der Luft für Klagenfurt. Der Verlauf zeigt neben einer stetigen Abnahme auch eine jahreszeitliche Schwankung. Die höheren Werte in den Wintermonaten entstehen wetterbedingt, aufgrund eines geringeren Austausches zwischen den Luftschichten.

Schwankung der Cäsium-137 Werte in Aerosolen in Klagenfurt

Radionuklide – Klagenfurt: Beryllium -7 und Cäsium -137 im Vergleich

Im direkten Vergleich liegt die Menge von künstlicher Radioaktivität weit unter der natürlichen. So ist zum Beispiel die Aktivität von Cäsium-137 (künstlich) im Vergleich zu Beryllium-7 (natürlich) je nach Jahreszeit um das Hundert- bis Zehntausendfache niedriger (siehe Grafik unten).

Vergleich der Messwerte von Beryllium-7 (höher) und Cäsium-137 (niedriger)

Radioaktivität in der Luft – Überwachung und Zusammenarbeit

Neben diesen regelmäßig in der Luft vorkommenden Radionukliden wurden im Jahr 2020 keine außergewöhnlichen Radionuklide festgestellt. Die Messwerte der nachgewiesenen Radionuklide bewegten sich im üblichen Bereich. Es wurden keine gesundheitlich relevanten Werte festgestellt.
Durch die Überwachung der Luft können wir auch geringfügige Erhöhungen der Radioaktivität feststellen und diese sofort dem zuständigen Bundesministerium melden. Treten auffällige Messwerte auf, so werden diese im europäischen und internationalem Rahmen über die EU und die IAEA ausgetauscht und die Bevölkerung informiert. Zusätzlich stehen die Radioaktivitätslabore weltweit auch in direktem Kontakt zueinander und tauschen sich aus.
Nähere Details zur Umwelt- und Lebensmittelüberwachung in Österreich aus den Jahren 2017 bis 2019 sind im gemeinsamen Bericht der AGES mit den Ministerien für Klimaschutz und Gesundheit zu finden.

 

 


Download: Radioaktivität und Strahlung in Österreich 2017 bis 2019

Deckblatt des Berichts Radioaktivität und Strahlung in Österreich 2017 bis 2019
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