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Clostridium botulinum

Clostridium botulinum

Changed on: 28.01.2021
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Animal disease categories:

Steckbrief

Botulismus („Wurstvergiftung“) ist eine durch das Bakterium Clostridium botulinum verursachte Vergiftung: Die von diesem Bakterium gebildeten Nervengifte, so genannte Neurotoxine, zählen zu den stärksten Giften, die man kennt.

Vorkommen

Weltweit im Erdboden und in küstennahen Gewässern

Erregerreservoir

Clostridium botulinum ist ein Umweltkeim, der in Erdreich, Meeres- und Flussböden, Staub, Wasser und im Verdauungstrakt von Mensch und Tier vorkommen kann. Lebensmittel, die mit diesen Materialien in Berührung kommen, z. B. Erdreich oder Gewässer, können daher damit kontaminiert sein.

Infektionsweg

Botulismus kommt beim Menschen in drei Formen vor: Nahrungsmittelbotulismus, Säuglingsbotulismus und Wundbotulismus, je nach Eintrittspforte des durch das Bakterium gebildeten Toxins. Das Bakterium wächst nur unter sauerstoff-freien Bedingungen. Es bildet hitzebeständige Sporen, die erst bei Temperaturen über 100 °C abgetötet werden.

Inkubationszeit

12 bis 36 Stunden

Symptomatik

Die von den Bakterien gebildeten Toxine sind extrem giftig: Bereits 10 Nanogramm (zehn Milliardstel Gramm) gelten für den Menschen als tödliche Dosis. Die Gifte schädigen das Nervengewebe und verursachen dadurch "schlaffe Lähmungen". Nach zwölf bis 36 Stunden treten Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung auf. Typisch sind in der Folge Sehstörungen (Doppelbilder, Verschwommensehen, Lichtscheu), Schluckstörungen sowie eine schnell fortschreitende schlaffe Lähmung, die auch die Atemmuskulatur betrifft.

Therapie

Patienten/-innen mit Botulismus-Symptomen gehören umgehend in ärztliche Behandlung. Seit Einführung der künstlichen Beatmung wurde in Österreich kein labordiagnostisch bestätigter Botulismus-Todesfall mehr dokumentiert.

Vorbeugung/Prophylaxe

Lebensmitteln sieht man nicht an, ob sie Keime, Sporen oder Toxine von Clostridium botulinum enthalten. Einen Hinweis darauf können aber so genannte "Bombagen" geben, das sind Konserven, die durch Gas bildende Clostridien aufgebläht wurden. Hat man derartig aufgetriebene Konserven zu Hause, sollten sie keinesfalls geöffnet werden, sondern entsorgt oder der amtlichen Lebensmittelüberwachung zur Untersuchung übergeben werden.

Da die Botulinum-Toxine hitzeempfindlich sind, werden sie beim Kochen nach Erreichen einer Innentemperatur von 100 °C im Lebensmittel in wenigen Sekunden inaktiviert.

Früher kam es immer wieder vor, dass Sporen von Clostridium botulinum das "Konservieren" der Konserven überlebten und während der Lagerung auskeimten. Heute wird daher bei der Sterilisation in der industriellen Lebensmittelherstellung bei kritischen Produkten der sogenannte "Botulinum-Cook" durchgeführt: Dabei werden die Lebensmittel bei 121 °C für drei Minuten erhitzt. Damit werden alle Sporen zuverlässig abgetötet.

Vorsicht ist geboten, wenn man zu Hause selbst Obst oder Gemüse in Einmachgläsern einlegt: Ohne spezielle Technologie kann aus physikalischen Gründen eine Temperatur von 100 °C (kochendes Wasser) nicht überschritten werden. Beim Einlegen von Obst und Gemüse sollten die Lebensmittel daher zwei Mal – im Abstand von mindestens 24 Stunden – auf 100 °C erhitzt werden, um auch eventuell ausgekeimte Sporen abzutöten.

Da auch Bienenhonig Sporen von Clostridium botulinum enthalten kann, wird in einigen Ländern abgeraten, Säuglingen Honig zu verabreichen (um ihnen beispielsweise bei Saughemmungen den Schnuller oder die Mutterbrust schmackhafter zu machen): Der Säuglingsdarm verfügt noch nicht über eine stabile Darmflora, die Sporen können im Darm des Säuglings auskeimen, Toxine bilden und zum so genannten "Säuglingsbotulismus" führen.

Situation in Österreich

Botulismus-Erkrankungen sind sehr selten: Seit dem Jahr 2000 wurden in Österreich 35 Erkrankungsfälle gemeldet.

Kritisch werden die Bakterien nur bei Vermehrung und Toxinbildung. In erster Linie sind Lebensmittel gefährdet, die unter sauerstofffreien Bedingungen gelagert werden und deren Milieu nur schwach sauer oder neutral ist, z. B. selbst eingelegtes Gemüse/Obst oder selbst hergestellte Konserven. In den westlichen Industriestaaten ist eine Belastung von Lebensmitteln mit Botulinum-Toxinen extrem selten.

Abbildung 1: Gemeldete Botulismus-Fälle, Österreich, 2000-2019


Legende

    Kontakt, Formulare

    Nationale Referenzzentrale für Botulismus
    Beethovenstraße 6
    8010 Graz
    Dr. Christian Kornschober
    Tel: +43 50 555-61201
    E-Mail: christian.kornschoberno@Spam@agesno.Spam.at

    Seit 1.1.2008 besteht die Nationale Referenzzentrale für Botulismus am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene Graz. Es wird bei humanen Proben (z. B. Serum, Blut, Stuhl, Wundmaterial oder Erbrochenes) sowie Lebensmittelproben mittels Mäuse-Bioassay der Toxinnachweis und teils der kulturelle Nachweis von Clostridium botulinum durchgeführt.

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