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Campylobacter

Changed on: 01.09.2020
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Disease categories:

Steckbrief

Campylobacter sind gramnegative, nicht sporenbildende spiralförmig gebogene Bakterien. Sie wachsen unter mikroaeroben Bedingungen (erhöhter CO2-Bedarf sowie höhere O2-Empfindlichkeit), reagieren empfindlich auf saure und basische pH-Werte, werden durch Pasteurisieren sicher abgetötet. Die häufigsten Arten sind C. jejuni, die etwa 90 % der humanen Erkrankungsfälle (Campylobacteriose) verursachen, und C. coli.

Vorkommen

Infektionen durch Campylobacter sind weltweit verbreitet und treten gehäuft in der warmen Jahreszeit auf. Sie stellen neben den Salmonellen die bedeutendsten Erreger bakterieller Darmerkrankungen beim Menschen dar. In Österreich liegt auch im Jahr 2018 die Campylobacteriose an erster Stelle der gemeldeten lebensmittelbedingten bakteriellen Infektionskrankheiten.

Erregerreservoir

Geflügel, Schweine, Rinder, Haustiere wie Hunde und Katzen sowie Vögel können Träger von Campylobacter sein. Es handelt sich bei diesen Keimen um mögliche Darmbewohner dieser Tiere, bei denen sie nur selten Erkrankungen hervorrufen.

Infektionsweg

Die Campylobacteriose des Menschen gilt hauptsächlich als nahrungsmittelbedingte Infektion. Hauptinfektionsquellen stellen in erster Linie unzureichend erhitztes Geflügelfleisch, damit kontaminierte nicht erhitzte Speisen (z. B. nach Verwendung desselben Schneidbrettes ohne gründliche Reinigung nach Zerlegen des Geflügels) und Rohmilch dar. Spezielles Augenmerk muss auf strengste Hygiene bei der Speisenzubereitung gelegt werden, um Kreuzkontaminationen zwischen rohem Fleisch und anderen Lebensmitteln zu vermeiden. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch (fäkal-oral) ist selten.

Inkubationszeit

Meist 2 bis 5 Tage, abhängig von der aufgenommenen Keimzahl. Bereits etwa 500 Keime reichen für das Angehen der Krankheit beim Menschen aus; auf einem Gramm Geflügelhaut können mehr als 10.000 Kolonie-bildende Einheiten (KBE) gefunden werden.

Symptomatik

Erkrankungen können sich durch hohes Fieber, wässrige bis blutige Durchfälle, Bauchschmerzen, Kopfweh und Müdigkeit für ein bis sieben Tage äußern. Die Campylobacteriose kann aber auch zu Autoimmunerkrankungen führen, die erst mehrere Wochen nach Abklingen der akuten Symptome auftreten. Dabei können Spätfolgen wie Reizdarmsyndrom, reaktive Arthritis (inkl. Morbus Reiter-Arthritis (Gelenkentzündung), Urethritis (Harnröhrenentzündung) und Konjunktivitis (Bindehautentzündung)) und das Guillain-Barré-Syndrom, bei dem es zu Lähmungserscheinungen der peripheren Nerven kommt, auftreten.

Therapie

In der Regel ist eine Erkrankung selbstlimitierend und als Therapie der Ausgleich des Wasser- und Elektrolythaushaltes ausreichend. Kleinkinder sowie Patientinnen und Patienten, die hohes Fieber entwickeln oder immungeschwächt sind, können zusätzlich mit Antibiotika behandelt werden.

Situation in Österreich

Mensch

Das saisonale Auftreten von Campylobacteriosen zeigte in den vergangenen Jahren ein gleichartiges Muster: die wenigsten Erkrankungsfälle zwischen November und April, die meisten Fälle von Juni bis September. Ein annähernd gleiches Bild liefern die Isolationsraten thermotoleranter Campylobacter aus geschlachteten Masthühnerherden, mit den höchsten Werten in den Sommermonaten, die in der Folge im Sommer auf höhere Kontaminationsraten von frischem Hühnerfleisch im Einzelhandel schließen lassen und somit auf dieses Lebensmittel als bedeutendstes Erregervehikel für Campylobacter hinweisen.

Abbildung 1: Campylobacter-Fälle in Österreich


Legende

    Abbildung 2: Vergleich Inzidenz Salmonellosen/Campylobacteriosen

    Lebensmittel

    Im Jahr 2018 war thermotoleranter Campylobacter in 67 von 110 untersuchten Proben von frischem Geflügelfleisch (61 %) nachweisbar, davon in frischem Hühnerfleisch in 44 von 59 Proben (75 %; 2017: 67 %), in 3 von 11 Proben von frischem Putenfleisch und in 20 von 40 Proben von nicht genauer spezifiziertem frischen Geflügelfleisch (50 %).

    Nicht nachweisbar waren Campylobacter in allen anderen untersuchten Lebensmitteln, z. B. in 21 Rohmilchproben, in 77 Proben von Früchten und Gemüse oder in 45 Proben von anderen Speisen, davon 9 Fleischproben (kein Geflügel). Rind- und Schweinefleisch wird nur selten untersucht, weil Campylobacter durch die Produktionsbedingungen (dieses Fleisch wird gereift, die Fleischoberfläche trocknet ein) im Allgemeinen nicht überlebt und daher diesen Lebensmitteln als Infektionsquelle für den Menschen nur eine geringe Rolle zukommt.

    Proben 2019 Untersuchungen positiv
    Hühnerfleisch frisch 131 81
    Putenfleisch frisch 56 11
    Geflügelfleisch roh 48 18
    Fleisch, nicht spezifiziert 3 1
    Fleischzubereitungen roh 1 1

    Tier

    Seit 2004 sind vom Bund, gemeinsam mit beauftragten Tierärztinnen, Tierärzten und der AGES, alljährlich Monitoring-Programme in Österreich gemäß der Überwachungsprogramme-Verordnung hinsichtlich ausgewählter Erreger bei Rindern, Schafen, Schweinen und Hühnern durchgeführt worden. Im Jahr 2014 trat ein neuer EU-Durchführungsbeschluss in Kraft, der vorsieht, im 2-Jahresrhythmus Masthühner- und Putenherden auf das Vorkommen von thermotolerantem Campylobacter zu untersuchen und die isolierten C. jejuni auf ihre Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika auszutesten. 2015 und 2017 musste Geflügel nicht auf Campylobacter untersucht werden, im Jahr 2018 lag die Prävalenz von thermotoleranten Campylobacter in Masthühnerherden bei 55,5 %, in Putenherden bei 54,9 %.

    Fachinformation

    Humanmedizin

    Diagnostik

    Der Nachweis des Erregers erfolgt meist durch Anzucht aus dem Stuhl.

    Nationale Referenzzentrale für Campylobacter

    • Spezies-/Genusdifferenzierung von Campylobacter und verwandten Genera (biochemisch, MALDI-TOF, PCR, Sequenzierung)
    • Antibiotikaresistenztestung: Ermittlung der Resistenz von Isolaten aus Mensch, Tier, Lebensmittel und Umwelt gegenüber klinisch relevanten bzw. epidemiologisch wichtigen Antibiotika auf Basis der minimalen Hemmkonzentration
    • Wahrnehmung der Aufgaben im Rahmen der Zoonosen-Überwachungsrichtlinie 2003/99/EG
    • Molekularbiologische Feintypisierung (mittels PFGE, MLST) von Isolaten im Rahmen der laborgestützten infektionsepidemiologischen Aufklärung von Infektionsquellen und -wegen
    • Qualitativer und quantitativer Nachweis von Campylobacter in Lebensmitteln
    • Stammsammlung (Human-, Veterinär-, Futtermittel- und Lebensmittelisolate)
    • Durchführung von Ringversuchen
    • Beratung

    Für den Versand der Stämme eignen sich am besten frische Kulturen in Amies-Transportmedium mit Aktivkohle. Es sollten unbedingt Reinkulturen eingesandt werden. Einsendungen sollten stets mit der Angabe zur Herkunft der Isolate sowie mit den notwendigen klinischen und epidemiologischen Daten versehen sein. Bitte hierzu das entsprechende Einsendeformular verwenden.

      Nationale Referenzzentrale für Campylobacter - Jahresbericht 2018 (608 K)
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      Campylobacter Jahresbericht 2017 (1.74 M)
      Bericht der Nationalen Referenzzentrale für Campylobacter
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      Campylobacter Jahresbericht 2016 (653 K)
      Bericht der Nationalen Referenzzentrale für Campylobacter
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    Kontakt, Formulare

    Nationale Referenzzentrale für Campylobacter / Nationales Referenzlabor für Campylobacter in Lebensmitteln und Futtermitteln:
    AGES Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene/Zentrum für lebensmittelbedingte Infektionskrankheiten in Graz
    Beethovenstraße 6
    8010 Graz

    Mag. Dr. Sandra Köberl-Jelovcan
    Telefon: +43 50 555-61262
    E-mail: sandra-birgitta.koeberl-jelovcan@ages.at

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