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Wurzelgallenälchen

Wurzelgallenälchen

Changed on: 23.05.2019
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Wurzelgallenälchen, Meloidogyne spp.
(M. hapla, M. incognita, M. javanica, M. arenaria, M. chitwoodi, M. fallax)
Wurzelgallenälchen nennt man die Vertreter der Gattung Meloidogyne aus der Familie der Meloidogynidae: dies sind hoch spezialisierte Nematoden, deren Weibchen in den Wurzeln ihrer Wirtspflanzen leben und diese zur Ausbildung kugeliger Anschwellungen, den so genannten Wurzelgallen, veranlassen. Wurzelgallenälchen sind vor allem in den Tropen und Subtropen sehr weit verbreitet. Einige wenige Arten können auch in den gemäßigten Breiten leben, wie das bei auch uns lebende nördliche Wurzelgallenälchen Meloidogyne hapla. 3 Arten von tropischen Wurzelgallenälchen (M. incognita, M. javanica, M. arenaria) kommen bei uns in Gewächshäusern vor. 2 Quarantäneorganismen, nämlich M. chitwoodi und M. fallax werden bei uns nicht gefunden. Da alle diese Arten eine sehr ähnliche Lebensweise zeigen, gelten für sie im Wesentlichen auch die Grundlagen der im Folgenden genauer beschriebenen Meloidogyne hapla.


Wurzelgallenälchen, Meloidogyne spp.
(M. hapla, M. incognita, M. javanica, M. arenaria, M. chitwoodi, M. fallax)
Wurzelgallenälchen nennt man die Vertreter der Gattung Meloidogyne aus der Familie der Meloidogynidae: dies sind hoch spezialisierte Nematoden, deren Weibchen in den Wurzeln ihrer Wirtspflanzen leben und diese zur Ausbildung kugeliger Anschwellungen, den so genannten Wurzelgallen, veranlassen. Wurzelgallenälchen sind vor allem in den Tropen und Subtropen sehr weit verbreitet. Einige wenige Arten können auch in den gemäßigten Breiten leben, wie das bei auch uns lebende nördliche Wurzelgallenälchen Meloidogyne hapla. 3 Arten von tropischen Wurzelgallenälchen (M. incognita, M. javanica, M. arenaria) kommen bei uns in Gewächshäusern vor. 2 Quarantäneorganismen, nämlich M. chitwoodi und M. fallax werden bei uns nicht gefunden. Da alle diese Arten eine sehr ähnliche Lebensweise zeigen, gelten für sie im Wesentlichen auch die Grundlagen der im Folgenden genauer beschriebenen Meloidogyne hapla.


Schadorganismus

Die nur 0,5 mm messenden birnenförmig angeschwollenen Weibchen leben im Inneren von Seitenwurzeln und veranlassen das umgebende Gewebe zu einer Anschwellung welches den Nematoden gallenartig umhüllt. Nach Außen ragt lediglich das Hinterende, welches ein Eipaket in Form eines Geleepfropfens von sich gibt. Darin finden sich 300 – 500 durchsichtige, ovale Eier von etwa 0,07 mm Länge in großen Mengen. Noch in der Eihülle häutet sich die Nematodenlarve zum 2.Stadium, welches dann schließlich ins Freie gelangt. Dieser Schlupf wird aber nicht – wie bei Wurzelzystenälchen - von Wurzelausscheidungen ausgelöst, sondern von der Umgebungstemperatur gesteuert: das Optimum liegt bei 21°C. Ab einer Temperatur von etwa 10°C werden die etwa 0,4 mm langen Larven aktiv und suchen nach neuen Wurzeln - sie können dabei im Boden bis zu 1m weit wandern. Knapp hinter der Wurzelspitze in der so genannten Wachstumszone dringen sie in die Wurzel ein und bewegen sich im Inneren noch ein wenig fort. Zur Nahrungsaufnahme stechen sie mit Hilfe ihres innen hohlen Mundstachels das Pflanzengewebe an und saugen den Zellinhalt aus. Dabei wird auch Speichel abgesondert, welcher zur Bildung so genannter Riesenzellen führt: dies sind große Zellen, die "umfunktioniert" wurden und nun ganz der Ernährung der schmarotzenden Nematoden dienen. Sie bilden die Grundlage dafür, dass sich die Nematodenlarven nun nicht mehr fortbewegen müssen – bzw. können. Ob sich aus einer Larve ein Männchen oder ein Weibchen entwickelt, wird nicht nur von den Erbanlagen, sondern auch von der Umwelt beeinflusst: unter schlechten Bedingungen, wie Hunger, Überbevölkerung, schlechten Wirtspflanzen usw. entstehen bevorzugt Männchen. Es gibt aber auch Populationen von Wurzelgallenälchen, die sich durch so genannte Jungfernzeugung, also einer Fortpflanzung ohne vorhergehende Paarung, vermehren können. Bei der Entwicklung zum Weibchen schwillt der Larvenkörper nach mehreren Häutungen birnenförmig an und misst dann etwa 0,5 mm in der Länge. Es ragt dann nur noch das Schwanzende nach außen. Die fadenförmigen Männchen hingegen werden bis 1,4 mm lang und müssen die Wirtspflanze verlassen, um frei im Boden zu leben.
Diese Entwicklung läuft oberhalb einer Temperaturschwelle von 8°C ab und benötigt für das Durchlaufen des gesamten Zyklus etwa 330-360 Gradtage. Wurzelgallenälchen benötigen sandige Böden zum Leben. Nach Befall bleiben infektionsfähige Stadien bis zu 2 Jahre in der Erde. Die Verbreitung findet hauptsächlich durch das Vertragen von Erde oder Ernteprodukten, durch verschmutzte Arbeitsgeräte, Traktorreifen (auch Stiefel) statt. Die Verbreitung findet durch Jungpflanzen oder das Vertragen von Erde statt.

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Weibchen von Meloidogyne hapla: das Vorderende ist durch den Mundstachel zugespitzt
Weibchen von Meloidogyne hapla: das Vorderende ist durch den Mundstachel zugespitzt
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Karottenwurzel mit Wurzelgalle von M.hapla. Durch die Öffnung ragt das Hinterende in den Boden
Karottenwurzel mit Wurzelgalle von M.hapla. Durch die Öffnung ragt das Hinterende in den Boden

Schadbild

Die Wurzelgallen entstehen als Reaktion der Pflanze auf das Saugen der Wurzelgallenälchen. Es entstehen mm- bis erbsengroße Wurzelgallen, diese können bei starkem Befall auch miteinander verschmelzen – wodurch es dann zu unregelmäßigen Wurzelverdickungen kommt. An Karotten werden sie nur Millimetergroß und sind meist an Verzweigungsstellen der Wurzeln gelegen (Abb. 1). Die Größe der Gallen ist von Wirtspflanze und Umweltfaktoren abhängig und nicht für eine Artdiagnose geeignet. Schäden treten meist herdweise auf. Befallene Pflanzen zeigen zunächst eine Wachstumsminderung - in der Folge kommt es dann zu Kümmerwuchs. Bei starkem Befall bleiben die Wirtspflanzen klein und liefern nur geringe Erträge.

Wirtspflanzen:

Das nördliche Wurzelgallenälchen kann an mehr als 550 Wirtspflanzen leben, darunter zahlreichen Kulturpflanzen, wie Kartoffeln, Zuckerrüben, Klee, Luzerne, Kohlgemüse, Erbsen, Ackerbohnen, Karotte, Sellerie, Zwiebel, Salat, Tomaten und Erdbeeren. Sehr auffällig sind die Schäden an Wurzelgemüse, wie Karotte. Getreide hingegen ist keine Wirtspflanze. Besonders empfindlich reagiert Wurzelgemüse, wie Karotte, bei der die Ausbildung der Rübe behindert wird: solche Karotten bleiben nur kurz (Abb. 2), oft sind sie auch verzweigt (beinig; Abb. 3), wodurch ihr Marktwert stark beeinträchtigt ist.

Tropische Wurzelgallenälchen:

Neben der oben besprochenen Art, welche heimische Feldkulturen an Standorten .mit sandigem Boden schädigt, können in unseren Gewächshäusern weitere eingeschleppte tropische Wurzelgallenälchen, wie Meloidogyne incognita, M. javanica und M. arenaria schädigen. Diese erzeugen oft bis erbsengroße Gallen, die von zahlreichen Individuen besiedelt werden (Abb. 4). Ihre Biologie ähnelt der von M. hapla stark, sie sind je¬ doch wärmebedürftiger. Die optimale Entwicklungstemperatur liegt hier bei etwa 25 bis 30 °C. Gefährdet sind alle Kulturen unter Glas, insbesondere Gurken, Tomaten und Kopfsalat: Befallene Pflanzen zeigen zunächst eine Wachstumsminderung, in der Folge kommt es dann zu Kümmerwuchs bzw. aus¬ bleibender Kopfbildung bei Kopfsalat. Bei hohen Temperaturen entwickeln sich in jeder Saison zahlreiche Generationen dieser Nematodenart.

Arten mit Quarantänestatus:

Daneben besteht auch noch die Gefahr, dass eine weitere Art, nämlich Meloidogyne chitwoodi, und M. fallax, die beide auf der Quarantäneliste angeführt sind und in Holland, Belgien und lokal in Nordfrankreich und Norddeutschland an Kartoffeln, Gemüse- und anderen Freilandkulturen im Freiland schädigen, auch bei uns eingeschleppt werden: Österreich ist jedoch bislang frei von diesen Schadorganismen.

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Wurzelgallen an Tomatenwurzeln durch Meloidogyne sp.
Wurzelgallen an Tomatenwurzeln durch Meloidogyne sp.
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Salatwurzel mit Wurzelgallen durch Meloidogyne sp.
Salatwurzel mit Wurzelgallen durch Meloidogyne sp.
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Wurzelgalle von M.hapla an einer Wurzelverzweigung
Wurzelgalle von M.hapla an einer Wurzelverzweigung
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Wurzeldeformation durch M.hapla
Wurzeldeformation durch M.hapla
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Kartoffelknolle mit stakem Befall durch M.fallax
Kartoffelknolle mit stakem Befall durch M.fallax
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Meloidogyneweibchen werden beim Durchschneiden der Wurzelknolle als ein feines Pünktchen sichtbar
Meloidogyneweibchen werden beim Durchschneiden der Wurzelknolle als ein feines Pünktchen sichtbar

Bekämpfung

Bekämpfung

Maßnahmen im Freiland (gegen M. hapla):

  • Verwendung gesunder Jungpflanzen – falls es sich um eine „Pflanzkultur“ handelt.
  • Vermeidung des Vertragens durch Bodenbearbeitungsgeräte, Traktorreifen, Schuhe, Stiefel, ….
  • Anbau Getreide 2 Jahre lang samt Freihalten der Kultur von Unkraut
  • Anbau der Ölrettichsorte Contra als Zwischenfrucht, welche eine sehr schlechte Wirtspflanze darstellt. Verbessert wird die Wirkung dadurch, dass die Kultur nach etwa 6 Wochen umgebrochen wird (Hallmann et al. 2007)
  • Anbau von Tagetes patula
  • Biofumigation: „natürliche“ Bodendesinfektion durch Anbau und Einarbeiten von Senfsorten. Anschließend wird das Feld mit Plastik abgedeckt.
  • Schwarzbrache während des Winters
  • Maßnahmen unter Glas (gegen M. incognita, M. javanica, M. arenaria)
  • Verwendung befallsfreier Jungpflanzen bzw. Zierpflanzenstecklinge
  • Vermeidung des Vertragens durch Bodenbearbeitungsgeräte, Traktorreifen, Schuhe, Stiefel, ….
  • Anbau auf Substraten wie Steinwolle, Schaumstoff und Torfsäcken
  • Bodengesundung durch Einbringung von Komposterde.
  • Zwischenkultur mit Tagetes patula
  • Anbau von Tagetes patula als Bodendecker zwischen den Reihen.
  • Verwendung von Tomaten¬ oder Gurkensorten, die resistent gegenüber Nematodenbefall sind oder das Veredeln auf Pflanzenunterlagen, die unempfindlicher gegenüber diesen Schädlingen ist.
  • Bodendämpfungs- und/oder Bodenentseuchungsmaßnahmen bietet Schutz für ca. 1,5 Kulturperioden.
  • Chemische Bekämpfung mit dem Wirkstoff Dazomet ist nur bei kleinen Flächen wirtschaftlich.
  • Vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung der Einschleppung von Quarantänearten (gegen M.chitwoodi, M.fallax):
  • Verwendung von befallsfreiem Pflanzgut (zertifiziert) – eine Einschleppung könnte jedoch nicht nur durch importierte Kartoffeln erfolgen, sondern auch durch möglicherweise befallene Zierpflanzen.

Bildnachweis: 1,2,3,4,5,6 © Kahrer/AGES 7,8 © EPPO /CSL York (GB)

Weitere Internet-Informationsquellen:

progemuese.eu

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