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Stängelälchen

Ditylenchus dipsaci

Changed on: 05.06.2019
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Schadbild an Zwiebel
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Schadbild an Zwiebel

Das Stängelälchen ist in Anhang II/A/2 des Pflanzenschutzgesetzes als Quarantäneorganismus aufgelistet. Es wurde in der Vergangenheit in Österreich gelegentlich gefunden und ist hier auch an Nichtkulturpflanzen heimisch. Zusätzliche Einschleppungen könnten durch Sämereien (Zwiebel, Ackerbohne, ...), Steckzwiebeln, Knoblauchknollen sowie durch verschiedenste Jungpflanzen erfolgen.

Schadorganismus

Das Stängelälchen ist sehr gut an die Lebensweise in seiner Wirtspflanze angepasst und kann hier seinen Entwicklungszyklus vollständig durchlaufen. In den Boden begeben sich die Älchen nur noch, um neue Wirtspflanzen aufzusuchen. Stängelälchen behalten ihre wurmförmige Gestalt in beiden Geschlechtern ihr ganzes Leben lang bei. Erwachsene Älchen werden bis zu 1,5 mm lang und erreichen dabei einen Durchmesser von 0,025 mm. Sie besitzen nur Längsmuskulatur, sodass sie sich schlängelnd fortbewegen – also keine peristaltischen Bewegungen wie Regenwürmer durchführen. Wie alle pflanzenfressenden Nematoden besitzen sie am Vorderende einen Mundstachel, der an seinem Hinterende in so genannte Stachelknöpfen vorgewölbt ist, an denen Muskeln ansetzen, die diesen Mundstachel in die Wirtszelle vortreiben. Dies geschieht durch eine rasche Folge von Muskelkontraktionen wie mit einem Presslufthammer. Das Hinterende des von einem Längskanal durchzogenen Stachels geht in die Schlundröhre über, sodass angestochene Pflanzenzellen gleichsam wie mit einem Strohhalm ausgesaugt werden.
Durch ihren Mundstachel geben sie aber Verdauungsenzyme in ihre Umgebung ab, wodurch die Mittellamellen zwischen den Pflanzenzellen aufgelöst werden. Diese bilden gleichsam den Kitt, mit dem die einzelnen Zellen miteinander verbunden sind. So sind sie imstande, sich durch die zwischen den Zellen entstehenden Hohlräume durchzuzwängen. Sicherlich kommt ihnen dabei ihre schlanke Wurmgestalt zustatten. Im Gegensatz zu ihrem Namen siedeln sie nicht nur in Stängeln, sondern auch in Blättern und sogar in Samen. Während sie in "reinem" Wurzelwerk fast nicht vorkommen, können sie in verschiedenen wurzelähnlichen Pflanzenteilen wie Rhizomen, Rüben oder Knollen doch gefunden werden. Wenn die Wirtspflanzen erschöpft sind und absterben, werden sie von den Älchen verlassen. Stängelälchen können im 4. Larvenstadium in eine Trockenstarre eintreten, in der sie in der Lage sind, widrige Lebensumstände über Jahrzehnte zu überdauern. So wurden beispielsweise in einem Herbarium befallene Pflanzenteile entdeckt, deren Verursacher noch nach 23 Jahren wieder zum Leben erweckt werden konnten! Zur Besiedelung einer neuen Wirtspflanze dringen die Älchen an oberirdischen Pflanzenteilen durch Spaltöffnungen in das Innere des Wirtes ein und können nun ihren gesamten Entwicklungszyklus gut geschützt im Inneren durchlaufen. Während einer Lebensdauer von 45-73 Tagen werden insgesamt etwa 200 - 500 Eier abgelegt. Die Eiablage findet bereits bei niedrigen Temperaturen ab 5°C statt. Die optimale Entwicklungstemperatur liegt bei etwa 16°C. Die Gesamtentwicklungsdauer bei 15°C beträgt 19-23 Tage, sodass sich in jeder Saison zahlreiche Generationen entwickeln können. Diese Nematodenart ist gut an feuchtes, kühles Klima angepasst und kommt bei uns vor allem in schwereren Böden vor. In der heißen Jahreszeit ist die Entwicklungsmöglichkeit eingeschränkt, sodass die stärksten Schäden im Frühjahr und dem Herbst beschrieben wurden. Wenn an einem Feld einmal Schäden zu beobachten waren, so ist dies auch in Zukunft zu befürchten, da der Schädling in der Lage ist, widrige Umstände lange zu überdauern. Die natürliche Ausbreitung im Erdboden geht nur sehr langsam vor sich und ist an größere Bodenfeuchtigkeit gebunden. Für Österreich liegen bislang nur wenige Meldungen über Schäden vor, diese wurden vor allem an Feldgemüse beobachtet: hierbei waren vor allem Zwiebel, Knoblauch in einem Fall auch Rote Rüben betroffen.

Symptome

Durch die Auflösung der Mittellamellen (siehe oben) verliert das Pflanzengewebe seinen inneren Zusammenhalt und es kommt es zu Triebstauchungen (dieses Krankheitsbild wird als Stockkrankheit bezeichnet), Verkrümmung und Verkrüppelung von Blättern, Stängeln und Trieben. Bei Zwiebel und Knoblauch wird der Zwiebelboden morsch, sodass solche Pflanzen abreißen, wenn man versucht, sie aus dem Boden zu ziehen. Bei Rüben entstehen zunächst oberflächliche Pusteln, später innere Nekrosen: diese gehen oft in Fäulnis über, während die Rübe äußerlich fast unversehrt erscheint.

Verbreitung und Wirtspflanzen

Das Stängelälchen ist weltweit in den gemäßigten Zonen verbreitet und auch bei uns heimisch.
Das Stängelälchen hat etwa 400 verschiedene Wirtspflanzenarten und kann sich an außerordentlich vielen Kulturpflanzen, wie Beta-Rüben, Allium-Arten, Roggen, Mais, Klee, Luzerne, Sellerie, Möhre, Ackerbohne, Erbse, Raps, Kartoffel, verschiedensten Blumenzwiebeln sowie an zahlreichen Wildpflanzen entwickeln. Unter diesen sind insbesondere Taubnessel-Arten, Vogelmiere, Knötericharten und Klettenlabkraut gute Wirtspflanzen. Seit langem ist bekannt, dass das Stängelälchen in zahlreichen Rassen vorkommt, welche sich zwar nicht in ihrer Gestalt, wohl aber durch die von ihnen genutzten Wirtspflanzen unterscheiden. So unterscheidet man seit alters her z.B. eine Rübenrasse (Rübenkopfälchen), eine Zwiebelrasse, eine Roggenrasse, eine Ackerbohnenrasse u.s.w., die aber genetisch nicht homogen sind. Man ist heute der Ansicht, dass es sich bei Ditylenchus dipsaci um eine Sammelart handelt, bei der einzelne Populationen gerade im Begriff sind, sich als neue Arten abzuspalten: so unterscheiden sich solche Populationen beispielsweise auch durch ihre Chromosomenanzahl. Aus diesem Grunde ist der Rassenbegriff hier nur wenig zutreffend.

Vorbeugung und Bekämpfung

• Durch Verwendung von zertifiziertem Saatgut wird die Einschleppung auf bisher befallsfreie Flächen verhindert. Dies ist insbesondere bei Zwiebel und Ackerbohnen wichtig – besondere Gefährdung besteht beim Anbau von Steckzwiebeln und Knoblauch.
• Vermeidung des Vertragens durch verschmutzte Landmaschinen, Traktorreifen, Gummistiefel, .... durch Reinigung der Maschinen auf dem Feld.
• Befallsflächen sind bei Anbau gefährdeter Kulturen langfristig zu meiden.
• Fruchtfolge: bei Befall von Rüben werden in Deutschland Weizen und Gerste für die Fruchtfolge angeraten, da diese keine Wirtspflanzen darstellen, ebenso ist Ölrettich als Zwischenfrucht günstig. Als ungünstig hingegen wird u. a. Senf betrachtet, da er eine Wirtspflanze darstellt. Nach älteren Angaben wird nach einem Befall von Lauchgewächsen der Nachbau von Weizen, Gerste, Mais, Raps, Rot-, Weißklee, Luzerne und Salat empfohlen. Die Einhaltung einer gesunden Fruchtfolge setzt aber voraus, dass die Kulturen krautfrei sind, da sich Stängelälchen unter Umständen an diesen vermehren könnten.
• Die Verwendung resistenter Sorten von Kulturpflanzen scheiterte bisher an der großen genetischen Vielfalt dieses Schädlings, es werden jedoch immer wieder diesbezügliche Versuche unternommen.

Schadbild an Zwiebel
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Schadbild an Zwiebel

Das Stängelälchen ist in Anhang II/A/2 des Pflanzenschutzgesetzes als Quarantäneorganismus aufgelistet. Es wurde in der Vergangenheit in Österreich gelegentlich gefunden und ist hier auch an Nichtkulturpflanzen heimisch. Zusätzliche Einschleppungen könnten durch Sämereien (Zwiebel, Ackerbohne, ...), Steckzwiebeln, Knoblauchknollen sowie durch verschiedenste Jungpflanzen erfolgen.

Schadorganismus

Das Stängelälchen ist sehr gut an die Lebensweise in seiner Wirtspflanze angepasst und kann hier seinen Entwicklungszyklus vollständig durchlaufen. In den Boden begeben sich die Älchen nur noch, um neue Wirtspflanzen aufzusuchen. Stängelälchen behalten ihre wurmförmige Gestalt in beiden Geschlechtern ihr ganzes Leben lang bei. Erwachsene Älchen werden bis zu 1,5 mm lang und erreichen dabei einen Durchmesser von 0,025 mm. Sie besitzen nur Längsmuskulatur, sodass sie sich schlängelnd fortbewegen – also keine peristaltischen Bewegungen wie Regenwürmer durchführen. Wie alle pflanzenfressenden Nematoden besitzen sie am Vorderende einen Mundstachel, der an seinem Hinterende in so genannte Stachelknöpfen vorgewölbt ist, an denen Muskeln ansetzen, die diesen Mundstachel in die Wirtszelle vortreiben. Dies geschieht durch eine rasche Folge von Muskelkontraktionen wie mit einem Presslufthammer. Das Hinterende des von einem Längskanal durchzogenen Stachels geht in die Schlundröhre über, sodass angestochene Pflanzenzellen gleichsam wie mit einem Strohhalm ausgesaugt werden.
Durch ihren Mundstachel geben sie aber Verdauungsenzyme in ihre Umgebung ab, wodurch die Mittellamellen zwischen den Pflanzenzellen aufgelöst werden. Diese bilden gleichsam den Kitt, mit dem die einzelnen Zellen miteinander verbunden sind. So sind sie imstande, sich durch die zwischen den Zellen entstehenden Hohlräume durchzuzwängen. Sicherlich kommt ihnen dabei ihre schlanke Wurmgestalt zustatten. Im Gegensatz zu ihrem Namen siedeln sie nicht nur in Stängeln, sondern auch in Blättern und sogar in Samen. Während sie in "reinem" Wurzelwerk fast nicht vorkommen, können sie in verschiedenen wurzelähnlichen Pflanzenteilen wie Rhizomen, Rüben oder Knollen doch gefunden werden. Wenn die Wirtspflanzen erschöpft sind und absterben, werden sie von den Älchen verlassen. Stängelälchen können im 4. Larvenstadium in eine Trockenstarre eintreten, in der sie in der Lage sind, widrige Lebensumstände über Jahrzehnte zu überdauern. So wurden beispielsweise in einem Herbarium befallene Pflanzenteile entdeckt, deren Verursacher noch nach 23 Jahren wieder zum Leben erweckt werden konnten! Zur Besiedelung einer neuen Wirtspflanze dringen die Älchen an oberirdischen Pflanzenteilen durch Spaltöffnungen in das Innere des Wirtes ein und können nun ihren gesamten Entwicklungszyklus gut geschützt im Inneren durchlaufen. Während einer Lebensdauer von 45-73 Tagen werden insgesamt etwa 200 - 500 Eier abgelegt. Die Eiablage findet bereits bei niedrigen Temperaturen ab 5°C statt. Die optimale Entwicklungstemperatur liegt bei etwa 16°C. Die Gesamtentwicklungsdauer bei 15°C beträgt 19-23 Tage, sodass sich in jeder Saison zahlreiche Generationen entwickeln können. Diese Nematodenart ist gut an feuchtes, kühles Klima angepasst und kommt bei uns vor allem in schwereren Böden vor. In der heißen Jahreszeit ist die Entwicklungsmöglichkeit eingeschränkt, sodass die stärksten Schäden im Frühjahr und dem Herbst beschrieben wurden. Wenn an einem Feld einmal Schäden zu beobachten waren, so ist dies auch in Zukunft zu befürchten, da der Schädling in der Lage ist, widrige Umstände lange zu überdauern. Die natürliche Ausbreitung im Erdboden geht nur sehr langsam vor sich und ist an größere Bodenfeuchtigkeit gebunden. Für Österreich liegen bislang nur wenige Meldungen über Schäden vor, diese wurden vor allem an Feldgemüse beobachtet: hierbei waren vor allem Zwiebel, Knoblauch in einem Fall auch Rote Rüben betroffen.

Symptome

Durch die Auflösung der Mittellamellen (siehe oben) verliert das Pflanzengewebe seinen inneren Zusammenhalt und es kommt es zu Triebstauchungen (dieses Krankheitsbild wird als Stockkrankheit bezeichnet), Verkrümmung und Verkrüppelung von Blättern, Stängeln und Trieben. Bei Zwiebel und Knoblauch wird der Zwiebelboden morsch, sodass solche Pflanzen abreißen, wenn man versucht, sie aus dem Boden zu ziehen. Bei Rüben entstehen zunächst oberflächliche Pusteln, später innere Nekrosen: diese gehen oft in Fäulnis über, während die Rübe äußerlich fast unversehrt erscheint.

Verbreitung und Wirtspflanzen

Das Stängelälchen ist weltweit in den gemäßigten Zonen verbreitet und auch bei uns heimisch.
Das Stängelälchen hat etwa 400 verschiedene Wirtspflanzenarten und kann sich an außerordentlich vielen Kulturpflanzen, wie Beta-Rüben, Allium-Arten, Roggen, Mais, Klee, Luzerne, Sellerie, Möhre, Ackerbohne, Erbse, Raps, Kartoffel, verschiedensten Blumenzwiebeln sowie an zahlreichen Wildpflanzen entwickeln. Unter diesen sind insbesondere Taubnessel-Arten, Vogelmiere, Knötericharten und Klettenlabkraut gute Wirtspflanzen. Seit langem ist bekannt, dass das Stängelälchen in zahlreichen Rassen vorkommt, welche sich zwar nicht in ihrer Gestalt, wohl aber durch die von ihnen genutzten Wirtspflanzen unterscheiden. So unterscheidet man seit alters her z.B. eine Rübenrasse (Rübenkopfälchen), eine Zwiebelrasse, eine Roggenrasse, eine Ackerbohnenrasse u.s.w., die aber genetisch nicht homogen sind. Man ist heute der Ansicht, dass es sich bei Ditylenchus dipsaci um eine Sammelart handelt, bei der einzelne Populationen gerade im Begriff sind, sich als neue Arten abzuspalten: so unterscheiden sich solche Populationen beispielsweise auch durch ihre Chromosomenanzahl. Aus diesem Grunde ist der Rassenbegriff hier nur wenig zutreffend.

Vorbeugung und Bekämpfung

• Durch Verwendung von zertifiziertem Saatgut wird die Einschleppung auf bisher befallsfreie Flächen verhindert. Dies ist insbesondere bei Zwiebel und Ackerbohnen wichtig – besondere Gefährdung besteht beim Anbau von Steckzwiebeln und Knoblauch.
• Vermeidung des Vertragens durch verschmutzte Landmaschinen, Traktorreifen, Gummistiefel, .... durch Reinigung der Maschinen auf dem Feld.
• Befallsflächen sind bei Anbau gefährdeter Kulturen langfristig zu meiden.
• Fruchtfolge: bei Befall von Rüben werden in Deutschland Weizen und Gerste für die Fruchtfolge angeraten, da diese keine Wirtspflanzen darstellen, ebenso ist Ölrettich als Zwischenfrucht günstig. Als ungünstig hingegen wird u. a. Senf betrachtet, da er eine Wirtspflanze darstellt. Nach älteren Angaben wird nach einem Befall von Lauchgewächsen der Nachbau von Weizen, Gerste, Mais, Raps, Rot-, Weißklee, Luzerne und Salat empfohlen. Die Einhaltung einer gesunden Fruchtfolge setzt aber voraus, dass die Kulturen krautfrei sind, da sich Stängelälchen unter Umständen an diesen vermehren könnten.
• Die Verwendung resistenter Sorten von Kulturpflanzen scheiterte bisher an der großen genetischen Vielfalt dieses Schädlings, es werden jedoch immer wieder diesbezügliche Versuche unternommen.

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Schadbild an Knoblauch
Schadbild an Knoblauch
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Schadbild an Roter Rübe
Schadbild an Roter Rübe
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