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Maulbeerschildlaus

Pseudaulacaspis pentagona

Changed on: 13.05.2019
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Die Maulbeerschildlaus (wissenschaftlich Pseudaulacaspis pentagona; manchmal auch als Mandel-Schildlaus bezeichnet) ist ein bedeutender tierischer Schaderreger an vielen Kultur- und Zierpflanzen. Diese werden durch die Saugtätigkeit der in Massen auftretenden Tiere in der Entwicklung gehindert, verkümmern und können schließlich absterben.

Schadorganismus

Die Maulbeerschildlaus gehört innerhalb der Ordnung der Schnabelkerfe (Hemiptera) zur Familie der Deckelschildläuse (Diaspididae). Charakteristisch ist das Rückschildchen der erwachsenen Tiere, welches zur Namensgebung der Tiere beiträgt.

Die ausgewachsenen Schildläuse sind weniger als 1 mm groß. Sowohl bei den Larvenstadien wie auch bei den erwachsenen Tieren zeigt sich ein ausgeprägter Sexualdimorphismus. Die männlichen Tiere leben als Adulte nur einen Tag, sind hier jedoch mit Flügeln (Spannweite 1,3-1,5 mm) ausgestattet und werden durch Sexuallockstoffe der weiblichen Tiere zur Paarung angelockt. Davor zeichnen sind die juvenilen männlichen Tiere durch ein auffälliges weiß gefärbtes längs-ovales Schildchen aus. Dieses ist meist gut erkennbar, vorwiegend auch weil die Tiere sich in Massen an den befallenen Pflanzenteilen aufhalten (vergleiche Abbildung). Die weiblichen Tiere sind weniger auffällig, da sich die blasenförmigen Tiere unter ihrem rundlich-ovalen Schildchen (weiß/beige mit gelb/braunem Zentrum) von der Rinde ihrer Wirtspflanzen wenig unterscheiden. Sie sitzen vorwiegend an der Rinde, seltener an anderen Pflanzenteilen. Mit ihrem schützenden Schildchen erreichen die Tiere eine Größe von etwa 1 bis 3 mm.

Die Überwinterung der Maulbeerschildlaus erfolgt als am Holz festsitzendes, befruchtetes Weibchen welches im Extremfall auch Temperaturen von -18°C überstehen kann. Etwa ab Mai legt jedes weibliche Tier, abhängig von ihrer Wirtspflanze, etwa 100 - 150 Eier unter dem Schildchen ab. Die Eier unterscheiden sich farblich aufgrund des Geschlechtes der daraus schlüpfenden Tiere, wobei die orange färbigen (♀) vor den weißen (♂) Eiern abgelegt werden. Der Larvenschlupf erfolgt bereits nach wenigen Tagen, ist jedoch wie die nachfolgende Larvenentwicklung und alle weiteren Entwicklungsschritte temperaturabhängig. Entwicklung findet dabei nur oberhalb einer Temperaturschwelle von ca. 10°C statt. Die 0,2 mm langen Larven (‚Crawler‘ genannt) sind, ebenso wie die Eier zuvor, empfindlich gegen Temperaturrückschläge im Frühjahr. Sie durchlaufen (geschlechtsabhängig) 2 bzw. 5 Larvenstadien wobei sich die Männchen in dieser Zeit kaum vom mütterlichen Schild entfernen. Im Gegensatz dazu sind die weiblichen Larvenstadien, in den ersten Stunden nach dem Schlupf sehr mobil und suchen aktiv neue Befallsstellen an der Pflanze auf, wo sie sich nachfolgend festsaugen. Diese Phase des sogenannten ‚Larvenlaufes‘ findet in unseren Breiten etwa in der ersten Junihälfte statt. Ab etwa Anfang Juli wird die erste Generation geschlechtsreif. Im optimalen Temperaturbereich, bei etwa 25° bis 30°, benötigt die Maulbeerschildlaus weniger als 2 Monate für die Entwicklung einer Generation. Nach Paarung und Eiablage entwickeln sich die Larven der 2. Generation, so dass etwa ab Anfang September erneut der Paarungsflug einsetzt. Hierzulande überwintern dann die begatteten Weibchen wogegen anderen Ortes noch weitere Generationen gebildet werden können. Ebenso kann sich unter kühleren klimatischen Bedingungen nur eine Generation entwickeln.

Symptome

Bei massenhaftem Auftreten der Maulbeerschildlaus wirken die befallenen Pflanzenteile, - häufig der Stammansatz oder die Leitäste - wie weiß eingefärbt/gekalkt (siehe Abbildung). Die Schildchen bleiben auch nach dem Absterben der Tiere zurück. Es können sich auch mehrere Lagen der Schildchen übereinander bilden, die zu krustenartigen Strukturen führen. Manchmal kommt es auch zum Aufbrechen der Rinde.

Andere Befalls Symptome können etwa das Absterben von Pflanzenteilen oder der ganzen Pflanze sein.

Verbreitung und Wirtspflanzen

Die aus dem östlichen Asien stammende Art ist mittlerweile auf allen Kontinenten und in diversen Klimazonen (tropisch, sub-tropisch, gemäßigt) anzutreffen. Sie wurde bereits im 19. Jahrhundert nach Europa eingeschleppt. Mittlerweile wurde sie in den meisten Ländern Süd- und Mitteleuropas gefunden, unter anderem ab 1997 in Österreich. 2008 wurde sie als häufigste Art bei Schildlauserhebungen in diversen Wiener Parkanlagen festgestellt. Sie stellt vor allem in Südeuropa einen schwer zu bekämpfenden Schädling an Pfirsich, Nektarine, Marille, Zitruspflanzen, Mandel, Johannisbeere und Kiwi dar. International, etwa in der Türkei oder im Süden der USA gilt sie beispielsweise als einer der wichtigsten tierischen Schaderreger an Pfirsich.

Die kleinräumige Verbreitung erfolgt vorwiegend durch die beweglichen Larvenstadien (Crawler; aktiv oder passiv durch Windverbreitung). Bedeutender für die großräumige Verbreitung ist jedoch die Verschleppung mit befallenem Pflanzenmaterial (etwa Baumschulware), wie Beispiele aus Deutschland zeigten.

Die Maulbeerschildlaus ist sehr polyphag und kann sich von Pflanzen aus über 50 verschiedenen Pflanzenfamilien ernähren. Sie gilt als wichtiger Schaderreger an Rosengewächsen (Rosaceaen), tritt jedoch auch an diversen Obstkulturen, Zier- und Wildpflanzen anderer Familien auf. Hierzulande wurde die Art bislang am häufigsten an Flieder, Trompetenbaum, Ribiseln, Pfirsich und Marille festgestellt.

Von den heimischen Obstkulturen voraussichtlich am gefährdetsten sind diverse Beerenobstkulturen wie Johannisbeeren (Ribes spp.), Him- u. Brombeeren (Rubus spp.), diverse Steinobstkulturen wie Pfirsich, Marille, Kirsche u.a. (div. Prunus spp.) sowie Maulbeere (Morus spp.), Kiwi (Actinidia sp.), Birne (Pyrus sp.), Walnuss (Juglans sp.), Wein (Vitis sp.) und andere mehr.

Nachfolgend eine Auswahl aus den vielen anderen potentiellen Wirtspflanzen, aus dem Bereich der Zier- und Wildpflanzen: Ahorn (Acer sp.), Eberesche (Sorbus sp.), Eiche (Quercus sp.), Esche (Fraxinus sp.), Flieder (Syringae sp.), Hasel (Corylus sp.), Hänge-Birke (Betula sp.), Hartriegel (Cornus sp.), Heckenmyrte (Lonicera sp.), Kirschlorbeer (Prunus sp.), Linde (Tilia sp.), Mahonien (Mahonia sp.), Oleander (Nerium sp.), Pfeifenstrauch (Philadelphus sp.), Robinie (Robinia sp.), Schnurbaum (Styphnolobium sp.), Spindelstrauch (Euonymus sp.), Trompetenbaum (Catalpa sp.), Weide (Salix sp.), Zierapfel (Malus sp.), Zwergmispel (Cotoneaster sp.).

Vorbeugung und Bekämpfung

Vorbeugung und Vermeidung der Ausbreitung:

  • Schutz/Unterstützung natürlicher Feinde (etwa Erzwespen und Räuber)
  • Falleneinsatz zur Populationsüberwachung (Leimtafeln zum Feststellen des Flugs der männlichen Tiere)

Bekämpfung

  • Wiederholtes mechanisches Entfernen der Schildläuse vom Holz, durch z. B. Abbürsten, z. T. ist auch der vorsichtige Einsatz eines Hochdruckreinigers möglich (z. B. ältere Pfirsichanlagen)
  • Befallene Pflanzenteile zurück schneiden; beim Transport des befallenen Materials aus der Anlage die Weiterverbreitung durch Wind vermeiden (Abdecken bei Transport); Material schadlos vernichten (mögliche landesrechtliche Regelungen beachten)
  • Pflanzenschutzmittel (PSM) gegen diesen Schaderreger sind im Verzeichnis der in Österreich zugelassenen/genehmigten Pflanzenschutzmittel gelistet.
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