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Erdbeermehltau

Sphaeroteca macularis

Changed on: 24.08.2021
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Animal disease categories:

Steckbrief

Beim Erdbeermehltau handelt es sich um eine Pilzerkrankung, die hauptsächlich an der Erdbeere auftritt. Der Befall ist durch Verfärbungen und anschließende Austrocknung der Blätter erkennbar. Der Erdbeermehltau ist insbesondere im geschützten Anbau ein Problem, tritt bei anfälligeren Sorten aber auch häufig im Freiland auf.

Biologie

Der Erreger überwintert als Myzel oder in der Hauptfruchtform auf den alten, im Vorjahr befallenen Blättern oder Fruchtmumien. Die Pilzsporen werden ab dem Frühjahr über den Wind auf frisches Gewebe übertragen, wo sie unter geeigneten Bedingungen nach 7 – 14 Tagen keimen und Infektionen hervorrufen. Pro Jahr produziert der Pilz viele Generationen von Sporen, über die eine rasche Ausbreitung im Bestand erfolgt. Wie alle Mehltaupilze benötigt der Pilz feuchtwarme, trockene Bedingungen für seine Entwicklung, in kühlen niederschlagsreichen Saisonen ist er von geringerer Bedeutung.

Schadsymptome

 Symptome im Bestand: 

Eine Infektion ist eindeutig anhand der Blattsymptome zu erkennen. Bei starkem Befall sind erkrankte Pflanzen schon von weitem an ihrem vertrockneten Aussehen zu erkennen. 

Symptome an den Blättern: 

Das typische Symptom von Erdbeermehltau ist das Einrollen der Blätter nach oben, mit zunächst rötlicher Verfärbung an der Blattunterseite. Im weiteren Verlauf trocknen die Blätter vollständig aus. Die Bildung der Hauptfruchtform des Pilzes ist sehr selten, man findet sie am ehesten bei immer tragenden Sorten, wenn im Spätsommer bereits Kurztagbedingungen herrschen, bei kühleren Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit.
Bei Erdbeeren im Folientunnel ist der Pilz im Gegensatz zu Infektionen im Freiland häufig auch an der Blattoberseite finden.

Symptome an Blüten und Früchten:

Befallene Blüten sterben meist gänzlich ab oder es entwickeln sich deformierte Früchte. Werden unreife Früchte durch Mehltau befallen, verfärben sie sich hellbraun und werden hart. Die Erdbeeren reifen nicht aus und die Nüsschen treten stark hervor. Werden reife Früchte befallen, so zeigen sie eine sehr weiche Konsistenz. An der Oberfläche kann der Pilz bei günstigen Bedingungen Sporen bilden, was durch einen feinen Mehltaubelag sichtbar wird. 

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Erdbeerfeld mit zwei verschiedenen Sorten und unterschiedlich starkem Befall
Sortenanfälligkeit. In diesem Erdbeerfeld sind zwei Sorten im Juli nach der Ernte zu sehen. Links die anfällige Sorte ‚Lambada’, rechts die weniger anfällige Sorte ‚Kimberly’.
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Beginnender Blattbefall mit Blattflecken
Nahaufnahme befallener Erdbeerpflanzen im Frühstadium. Die Blätter beginnen sich einzurollen und sind am Rand weiß-rötlich verfärbt
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Fortgeschrittener Befall an Erdbeerpflanzen
Nahaufnahme befallener Erdbeerpflanzen. Blätter sind nach oben eingerollt. Blattoberseiten mit rotbraunen Flecken. Blattunterseiten weiß-rötlich verfärbt
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Blattsymptome einer Erdbeere im Folientunnel
Nahaufnahme der Oberseite eines befallenen Erdbeerblatts. An zwei Stellen sieht man einen weißen Pilzbelag
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Mehltausymptome an reifen und unreifen Erdbeeren
Nahaufnahme einer Erdbeerpflanze mit reifen und unreifen Früchten. Weißer Pilzbelag ist auf den Früchten sichtbar
 

Wirtspflanzen

Als Wirtspflanzen ist neben Erdbeeren (Fragaria spp.) auch Hopfen (Humulus spp.) von wirtschaftlicher Bedeutung. 

Bei anfälligen Erdbeersorten, z. B. Lambada, Darselect, Elsanta sowie bei immer tragenden Sorten tritt Mehltau auch häufig im Freiland auf.

Darüber hinaus kommt er an einer Vielzahl von Wirtspflanzen aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) vor: unter anderem an Odermennig (Agrimonia spp.), Frauenmantel (Alchemilla spp.), Mädesüss (Filipendula spp.), Nelkenwurz (Geum spp.), Fingerkraut (Potentilla spp.), Rosen (Rosa spp.), Himbeeren und Brombeeren (Rubus spp.) und Wiesenknopf (Sanguisorba spp.). Zusätzlich auch an Weidenröschen (Epilobium spp.) und Storchschnabel (Geranium spp.).

Verbreitung

Erdbeermehltau tritt weit verbreitet in verschiedenen Klimazonen auf.

Wirtschaftliche Bedeutung

Wenn der Pilz günstige Bedingungen vorfindet und es schon früh in der Saison zu Infektionen kommt, können massive Schäden an den Blättern auftreten, die den Blütenansatz und Ertrag im Erntejahr beeinträchtigen. Über Blüten- und Fruchtinfektionen kann sich ein Befall auch direkt auf die Ernte auswirken. 

Tritt die Krankheit erst im Spätsommer auf, so ist der Blütenknospenansatz bereits erfolgt und der Mehltau hat auch bei stärkerem Befall keinen Einfluss auf die nächstjährige Ernte. In diesem Fall muss aber im nächsten Frühjahr mit Problemen gerechnet werden und entsprechende Maßnahmen gesetzt werden.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Windgeschützte, eingeschlossene Lagen und mehrreihige Pflanzsysteme sind für den Mehltau günstig und sollten vermieden werden
  • Die Anfälligkeit der Sorten unterscheidet sich stark. Zu den weniger anfälligen Sorten zählen z.B. Mars, Kimberly und Pegasus
  • Bei zweijähriger Kulturführung sollte das Laub nach der ersten Ernte abgemäht werden, um den Infektionsdruck zu verringern
  • Pflanzenschutz ist bei empfindlichen Sorten und/oder ungünstigen Lagen im Frühjahr ab längeren Perioden mit Temperaturen über 15°-18°C und intensiver Blattneubildung durchzuführen (siehe Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel)

Fachinformation

Mikrobiologie

Erdbeermehltau zählt zu den echten Mehltaupilzen. Als Schlauchpilz (Askomyzet) bildet er eine Hauptfruchtform (Chasmothezien). Zusätzlich bildet er Ketten von Pilzsporen (Konidien).

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Mikroskopische Aufnahme von Chasmothezien
Mikroskopische Aufnahme der Hauptfruchtform (Chasmothezien). Braunrote Kreise in einer dunkelblauen Masse
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Mikroskopische Aufnahme von Konidienketten
Mikroskopische Aufnahme von Konidien. Lange Ketten einzelner Sporen
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Erdbeermehltau-Mycel an der Blattunterseite mit reifen, schwarzen Chasmothezien und unreifen weiß-gelblichen Chasmothezien
Mikroskopische Aufnahme eines befallenen Erdbeerblatts. Kleine schwarze und weiß-gelbliche Punkte als Fruchtkörper des Pilzes auf einem grünen Blatt
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Chasmothezien an einer Frucht
Mikroskopische Aufnahme einer befallenen Erdbeerfrucht. Kleine schwarze Fruchtkörper auf dem roten Fruchtfleisch
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