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Dry Bulb Mite

Aceria tulipae

Changed on: 13.09.2021
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Animal disease categories:

Steckbrief

Die Knoblauchgallmilbe ist einer der wichtigsten Schädlinge im Anbau von Knoblauch. Schadsymptome sind neben Einschränkungen im Pflanzenwachstum am Feld, das Verfärben und Vertrocknen der Knoblauchzehen am Lager. Eine Bekämpfung der Milben ist schwierig, da sie meist erst an gelagertem Knoblauch sichtbar werden.

Aussehen

Die erwachsenen Tiere besitzen zwei Beinpaare am Vorderkörper, während der rückwärtige Körperteil walzenförmige Gestalt aufweist und eine äußerliche Ringelung zeigt. Am Körperende sind zwei längere, auffällige Borsten sichtbar. Da diese Milben sehr hell gefärbt und nur 0,3 mm lang sind, sind sie mit freiem Auge nicht sichtbar – zu ihrer Beobachtung ist eine Lupe oder ein Mikroskop erforderlich. Am leichtesten sind sie an den Schadsymptomen zu erkennen. Die genaue Identifizierung kann aber nur durch eine Fachperson erfolgen: es sind dazu Merkmale der Körperoberfläche, wie z.B. Stellung der Borsten von Bedeutung, sowie eine sogenannte Federborste an den Vorderbeinen.

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Knoblauchmilbe in einer rasterelektronenmikroskopischen Aufnahme
Großaufnahme einer Knoblauchgallmilbe zur Erkennung der zwei Beinpaare und des walzenförmigen Körpers
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Stereomikroskopische Aufnahme einer Knoblauchgallmilbe (ca. 0,3 mm lang)
Mikroskopische Aufnahme einer Knoblauchgallmilbe

Biologie

Die Knoblauchgallmilbe - auch Tulpengallmilbe genannt - gehört zu den Gall- oder Kräuselmilben (Eriophyidae), einer Familie innerhalb der großen Gruppe der Milben. Trotz ihres Namens erzeugt diese Art jedoch keine Gallen. Während der Vegetationsperiode leben die Milben an grünen Pflanzenteilen von Knoblauch und anderen Liliengewächsen. Sie bevorzugen junges Gewebe, insbesondere Spalträume noch nicht entfalteter Blätter und Blütenstände. Von den Blütenständen können sie dann sehr leicht in Brutzwiebeln überwandern.

Die Milben können sich bei einer Temperatur von 25°C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 80-95 % optimal entwickeln. Jedes Weibchen legt etwa 25 Eier ab, aus denen nach kurzer Zeit Larven schlüpfen. Die Inkubationszeit beträgt bei 25°C zwei Tage, bei 2°C etwa ein Monat. Die Milben durchlaufen in ihrer Entwicklung zwei Larvenstadien. Zur Nahrungsaufnahme stechen sie mit ihren sehr kurzen, zangenartigen Mundwerkzeugen das Gewebe der Knoblauchpflanze oberflächlich an. Nur bei sehr starkem Befall sind Schadsymptome an den Blättern zu sehen, welche sich leicht eindrehen und bei der Entfaltung aneinander haften bleiben.

Beim Einziehen des Knoblauchs setzen sie sich sowohl an Luftzwiebeln aber auch den „Bodenzehen“ fest, wo sie zwischen der Knoblauchzehe und dem sie umgebenden Hüllblatt sehr gut geschützt sind. Bei ausreichender Temperatur können sie sich hier gut vermehren, häufig finden sie sich dann in dem kleinen Grübchen unterhalb der Zehenspitze. Geringer Befall ist praktisch nicht zu erkennen, sodass es leicht vorkommen kann, dass zur Ernte geringfügig befallene Zehen eingelagert werden. Bei zu warmer Lagerung (Sommertemperaturen, nicht gekühlt) vermehren sich die Milben jedoch rasch, sodass die Zehen infolge von Einstichen leicht austrocknen.

An stark befallenen Blütenständen im Freiland wurden Blumenwanzen (Orius-Arten) sowie Raubmilben aus der Familie Tydeidae als natürliche Feinde gefunden. Wahrscheinlich können Knoblauchgallmilben bei uns im Freiland überwintern - jedenfalls hielten die Tiere im Laborversuch große Kälte von -24°C gut aus.

Schadsymptome

Durch die Saugtätigkeit der Knoblauchgallmilben kommt es zu Vergilbungen und Verdrehungen der Blätter. Jüngere Blätter bleiben aufgrund mangelnder Entfaltung älterer Blätter stecken. Stark befallene Luftzwiebeln bleiben im Wachstum zurück, sodass die Luftzwiebeln sehr unterschiedlich groß werden.

Stark befallene Knoblauchzehen am Lager erkennt man daran, dass sie infolge der Austrocknung sehr leicht werden. Sie lassen sich einfach zusammendrücken und weisen im geschälten Zustand eine gelblich-braune Färbung auf.

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Symptom der Blattverdrehung und mangelnde Blattentfaltung bei Befall durch Knoblauchgallmilben
Knoblauchpflanze mit verdrehten Blättern. Ein junges Blatt ist in einem älteren steckengeblieben.
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Verfärbung der Knoblauchzehe
Gelblich verfärbte Knoblauchzehe
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Stark befallene Knoblauchzehen
Geschälte, vertrocknete gelblich-braune Knoblauchzehen
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Massenhaftes Auftreten der Knoblauchgallmilbe
Großaufnahme einer Knoblauchzehe, die mit vielen winzigen Milben befallen ist, erkennbar als unzählige kleine Punkte

Wirtspflanzen

Die Knoblauchgallmilbe befällt Knoblauch und weitere Liliengewächse, wie z.B. Tulpen. Die Erwähnung ihres Vorkommens an Getreide in Zusammenhang mit dem Strichelvirus beruht hingegen auf einer Fehlbestimmung.

Verbreitung

Die Knoblauchgallmilbe kommt in Europa und Nordamerika in warmen Gegenden vor.

Ausbreitung und Übertragung

Knoblauchgallmilben werden beim Anbau von Knoblauch mit befallenem Saatgut übertragen. Die Knoblauchgallmilbe verhält sich auf dem Lager wie ein Vorratsschädling. Der Befall geht von geringfügig befallenen Knoblauchzehen oder Luftzwiebeln aus und wird sehr leicht übersehen.

Wirtschaftliche Bedeutung

Trotz ihrer winzigen Abmessung stellt die Knoblauchgallmilbe in der Landwirtschaft einen der wichtigsten Schädlinge im Anbau von Knoblauch dar. Dies kommt daher, dass sie sich meist unbemerkt am Lager vermehrt, durch ihre Saugtätigkeit an den Zehen massive Schäden verursachen kann und eine Bekämpfung zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich ist.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Verwendung von gesundem Pflanzgut. Keinesfalls darf ungeprüfte Konsumware verwendet werden, da diese mitunter befallen ist.
  • Bei Eigenvermehrung über Luftzwiebeln sollten die Blütenstände nicht bis zum Öffnen des Tragblattes an der Pflanze belassen werden, da die Milben leicht in Blüten und damit auf Luftzwiebeln überwandern können.
  • Das Erntegut ist kühl und trocken zu lagern, damit sich eventuell vorhandene Milben nicht vermehren können. Die einzelnen Knoblauchpartien sollten in gewissem Abstand voneinander gelagert werden, damit keine Überwanderung von befallenen zu gesunden Zehen stattfinden kann.
  • Als chemische Bekämpfungsmethode zum Pflanzenschutz werden in der Literatur die Behandlung mit Schwefelstaub auf dem Lager und die Begasung des Erntegutes in dicht schließenden Räumen durch konzessionierte Firmen erwähnt.

Fachinformation

Publikationen

MOYSES, A., 2016: Die Knoblauchgallmilbe (Aceria tulipae): Ein versteckter Schädling an Knoblauch, Gemüsebaupraxis, 23. Jg, (1): 16-17.

Untersuchungen

Damit Knoblauchproduzenten auch zukünftig auf die Gesundheit des Pflanzgutes vertrauen können, sind Knoblauchpflanzgutuntersuchungen unabdingbar, um eine Befallsfreiheit von Knoblauchgallmilben im Laufe der gesamten Vegetationsperiode bis zur Lagerung gewährleisten zu können.

An der Abteilung für Nachhaltigen Ackerbau führen wir Untersuchungen von Ernte- bzw. Pflanzgut auf Aceria tulipae durch.

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