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Dörrobstmotte

Plodia interpunctella, HÜBNER 1813

Changed on: 21.05.2019
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Dörrobstmotte
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Dörrobstmotte

Die Dörrobstmotte stammt vermutlich aus dem Mittelmeerraum oder dem Nahen Osten, wo sie häufig an hängengebliebenen Fruchtmumien von Obstbäumen im Freiland gefunden wird. Ihr breites Nahrungsspektrum erleichtertes es ihr, menschliche Vorräte zu besiedeln. Sie wurde durch den Handel im 19. Jahrhundert in Mitteleuropa eingeschleppt und hat sich aufgrund ihrer polyphagen Lebensweise, ihrer Robustheit und Kälteresistenz mittlerweile in vielen Lager-, Fabrikationsräumen Lebensmittel erzeugender Betriebe sowie Haushalten eingebürgert.

Dörrobstmotte
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Dörrobstmotte

Die Dörrobstmotte stammt vermutlich aus dem Mittelmeerraum oder dem Nahen Osten, wo sie häufig an hängengebliebenen Fruchtmumien von Obstbäumen im Freiland gefunden wird. Ihr breites Nahrungsspektrum erleichtertes es ihr, menschliche Vorräte zu besiedeln. Sie wurde durch den Handel im 19. Jahrhundert in Mitteleuropa eingeschleppt und hat sich aufgrund ihrer polyphagen Lebensweise, ihrer Robustheit und Kälteresistenz mittlerweile in vielen Lager-, Fabrikationsräumen Lebensmittel erzeugender Betriebe sowie Haushalten eingebürgert.

Schadorganismus

Die Dörrobstmotte gehört zur Familie der Zünsler (Pyralidae). Die Falter sind in Ruhestellung mit dachförmig angelegten Flügeln etwa 8 mm groß und anhand ihrer cremegelben Vorderflügel mit rotbraun gefärbter äußerer Flügelhälfte leicht erkennbar. Die Lebensdauer der Falter beträgt bei genügend Feuchtigkeit (Kondenswasser) bei Zimmertemperatur 2-3 Wochen. Die Falter paaren sich bereits unmittelbar nach dem Schlüpfen, die Ablage der 200-400 Eier.
Die Larven leben in einem selbst gefertigten Köcher aus Spinnfäden vor allem in den äußeren Schichten des Lagergutes. Nach fünf bis sieben Larvenstadien erfolgt eine 3-10 Tage andauernde Wanderphase der erwachsenen Larven zum Ort ihrer Verpuppung. Diese erfolgt meist an geschützten Stellen wie z. B. Ritzen und Spalten. Im Puppenkokon können die Larven in eine Diapause eintreten, die sich über mehrere Monate erstrecken kann. Diese Ruhephase wird durch schlechte Bedingungen, wie niedere Temperaturen, kurze Tageslängen oder hohe Populationsdichte ausgelöst. Der Entwicklungsnullpunkt liegt bei 13,1°C, die für die Entwicklung einer Generation notwendige Temperatursumme beträgt 526 Gradtage. In Mitteleuropa dauert die Entwicklung demnach im Durchschnitt 5 - 6 Monate und es treten 2 Generationen jährlich auf - in warmen Räumen auch wesentlich mehr. Gegenüber tiefen Temperaturen ist die Dörrobstmotte nicht sehr empfindlich, vor allem Larven können Temperaturen von -10°C für einige Tage ertragen. Eine Überwinterung im ungeheizten Lager ist deshalb ohne Weiteres möglich. Temperaturen oberhalb von 30°C beeinträchtigen die Entwicklung, hohe Feuchtigkeit und trinkbares Wasser begünstigen Fruchtbarkeit, Entwicklung und Lebensdauer der Falter.

Nachweis
Durch Aufstellung von Pheromonfallen werden männliche Falter angezogen und bleiben an den Klebflächen hängen. Darüber hinaus sollten die Lagerräume auf adulte Falter an Wänden und Verpackungsmaterialien kontrolliert werden. Die Larven erzeugen auffällige Gespinste bzw. Gespinstklumpen in und auf der Oberfläche der gelagerten Vorräte.

Schadsymptome
Die Raupen fressen bei Getreideprodukten aller Art vor allem am Keimling, der Mehlkörper bleibt weitgehend unbeschädigt. Stark befallene Vorräte sind von den Gespinsten der Raupen durchzogen bzw. überzogen (Siehe Abb. rechts). Die Waren verklumpen schließlich und sind durch Kot verunreinigt.

Nahrung
Trockenobst, Nüsse, Schokolade, Drogen, Gewürze, Getreide aller Art und zahlreiche andere pflanzliche Produkte.

Verbreitung
Dieser Vorratsschädling ist weltweit in menschlicher Nähe verbreitet: Getreidelager, Lagerhäuser, Silos, Mühlen, Lebensmittel erzeugende Betriebe, Bäckereien und Wohnungen.

Bekämpfung

Massnahmen

  • Gründliche Reinigung der Ernte- und Transportmaschinen
  • Gründliche Reinigung der Lagerräume (Entfernung von Gerümpel und Putzabfällen) vor der Einlagerung. Vernichtung bereits befallener Vorräte
  • Leeraumbehandlung mit einem dafür zugelassenen Insektizid.
  • Abdichtung von Fenster und Türen mit Gummilippen und Insektengittern
  • Isolierung von Decken und Wänden zur Vermeidung von Kondenswasserbildung
  • Verputzen von Spalten, Rissen und porösen Wänden, Vermeidung von Dielen und Holzverschalungen mit Fugen und Spalten
  • Kühlung des Lagergutes auf 10-13°C
  • Leere Lagerräume nach gründlicher Reinigung mit Spritz-, Vernebelungsmitteln (Kontaktinsektizide) behandeln, wodurch die Falter abgetötet werden. Die Raupen sind mit diesen Mitteln aufgrund ihrer verborgenen Lebensweise und Robustheit jedoch nicht bekämpfbar
  • Befallene Vorräte begasen
  • Biologische Bekämpfung durch Freilassung der Brackwespe Habrobracon hebetor. Dieser Parasit findet die verborgen im Getreide lebenden Mottenlarven und ist ab einer Lagertemperatur von 13°C einsetzbar. Die etwa 4 mm großen Weibchen dringen bis etwa 30cm in das Schüttgut ein und paralysieren die aufgefundenen Mottenlarven durch Einbohren ihres Legebohrers in deren Körper. Anschließend werden mehrere Eier außen an der Wirtslarve abgelegt. Mehrere Larven können sich an einem Wirtstier entwickeln, welches sie kurz vor der Verpuppung verlassen. Die Verpuppung erfolgt in einem Kokon. Die Eiablage der Parasiten beginnt zwischen 13 und 19°C und erreicht ihr Maximum bei 30°C. Paralysierte Mottenlarven setzen ihre Entwicklung nicht fort. Die Bekämpfung sollte vor allem im Zeitraum März bis Oktober einmal monatlich erfolgen. Die Anzahl der zur Bekämpfung ausgebrachten Nützlinge ist von Struktur und Beschaffenheit des Vorratslagers abhängig und erfordert individuelle Beratung. (Dieser Nützling ist in Österreich derzeit nicht registriert).
  • Biologische Bekämpfung durch Freilassung von Erzwespen der Art Trichogramma evanescens. Diese Eiparasiten ind nur 0,3 – 0,4 mm klein und haben einen ausgezeichneten Geruchssinn, mit dem sie die Eier der Dörrobstmotten im Vorratslager aufspüren. Trichogrammen eignen sich vor allem für den Einsatz in Hochregal- und Palettenlagern, Bäckereien und Haushalten. Parasitierte Eigelege verfärben sich nach einiger Zeit schwarz. Nachdem sich die Erzwespe im Ei der Dörrobstmotte verpuppt hat, schlüpft statt einer Schmetterlingsraupe ein neuer Nützling. Nach erfolgter Bekämpfung sterben die Parasiten oder wandern ab. (Dieser Nützling ist in Österreich derzeit nicht registriert).
  • Ein erfolgreicher Einsatz dieser beiden Nützlinge bedingt eine fachgerechte Lagerung sowie Hygienemaßnahmen mit anschließendem Monitoring anhand von Pheromonfallen. In Hochregal- bzw. Palettenlagern sollte die Bekämpfung während der gesamten Flugzeit der Motten erfolgen.


Die in Österreich zugelassenen Vorratsschutzmittel können im Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel eingesehen werden.
Bildnachweis: Dörrobstmotte (© Kohlhaas, AGES), Raupe der Dörrobstmotte (© Kohlhaas, AGES), stark befallenes, mit Gespinsten der Larven überzogenes Flachlager (Klapal, AGES), Dörrobstmottenlarve in gelagertem Mais (Klapal, AGES). Brackwespe Habrobracon hebetor (Schoeller, BIp Berlin); Erzwespe Trichogramma evanescens (Schoeller, BIp Berlin

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Dörrobstmotte adult
Dörrobstmotte adult
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Doerrobstmotte sitzend (Plodia_interpunctell)
Doerrobstmotte sitzend (Plodia_interpunctell)
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Dörrobstmotten-Larve (Plodia interpunctell)
Dörrobstmotten-Larve (Plodia interpunctell)
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