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Zunehmender Nährstoffbedarf im Ackerbau

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Changed on: 05.04.2016

Zunehmender Nährstoffbedarf im Ackerbau

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Landwirt düngt ein Feld mit Mineraldünger
Landwirt düngt ein Feld mit Mineraldünger

Wie sich die Versorgung der Böden mit Kalk, Phosphor und Kali darstellt und wo gezielte Düngung erforderlich wäre!

Ertragskräftige Böden haben ausreichende Gehalte an Phosphor und Kalium zur Voraussetzung. Damit diese Nährstoffe auch wirksam werden können, ist zudem im Bedarfsfall mit gezielten
Kalkgaben ein optimaler pH-Bereich aufrechtzuerhalten. Auf ausreichend versorgten Böden werden auch alle anderen Betriebsmittel, wie Saatgut und N-Dünger, besser genutzt und die Qualität des Ernteguts gesichert. Andererseits sind zu hohe P- und K-Düngegaben unwirtschaftlich und stellen vor allem für die Oberflächengewässer ein Gefährdungspotenzial dar.

Zu niedrige pH-Werte im sauren Bereich vermindern die Verfügbarkeit der Nährstoffe für die Pflanzen und erhöhen die Mobilität von Schwermetallen. Besonders empfindlich auf niedrige pH-Werte reagieren Luzerne, Raps, Gerste, Mais und Zuckerrüben; relativ tolerant sind Roggen, Hafer und Kartoffeln. Ein ausreichender pH-Wert im Bereich von mindestens 6,0 auf  mittleren und 6,5 auf schweren Böden verbessert auch die Struktur und die Bearbeitbarkeit sowie den Bodenluft- und -wasserhaushalt.

Einsatz von P- und K-Düngern war rückläufig

Bei mineralischen Phosphor- und Kaliumdüngern gab es in den letzten Jahren enorme Preissteigerungen und auch Preisschwankungen. Die Folgewirkung war ein markanter Rückgang des Düngereinsatzes, was auch aus der Düngemittelstatistik abzulesen ist. Ob und in welchem Ausmaß sich diese Praxis bereits in den Böden widerspiegelt, kann anhand von Bodenuntersuchungen bewertet werden.

Bisher waren bei einigen Öpul-Maßnahmen (z. B. Integrierte Produktion, „IP“) verpflichtende Bodenproben vorgesehen. Daher konnte im Rahmen der Öpul-Evaluierung „Schutzgut Boden“ berichtet werden, wie sich die Bodenparameter im zeitlichen Verlauf entwickelt haben. Durch Kooperationen mit den Landwirtschaftskammern standen für die Vergleiche mehr als 150.000 Bodenuntersuchungsdaten von Ackerflächen zur Verfügung. Damit war ein Vergleich möglich zwischen der Periode vor dem Start des Umweltprogramms Öpul (1991 bis 1995) und den Ergebnissen der letzten Jahre.

Die Auswertungen erfolgten auf regionaler Ebene. In diesem Beitrag werden die Ergebnisse der Hauptproduktionsgebiete präsentiert. Einschränkend ist zu erwähnen, dass aus dem Südöstlichen Flach- und Hügelland und aus dem Kärntner Becken keine Daten aus der Periode vor dem Jahr 1995 verfügbar sind.

Bei der Interpretation der Ergebnisse ist besonders zu beachten, dass aktuell verstärkt Flächen untersucht wurden, die mit IP-Kulturen bestellt wurden, wie Feldgemüse inkl. Ölkürbis, Kartoffel und Zuckerrübe.

Wo Kalk, Phosphor und Kali zu Düngen sind...

Die Ergebnisse wurden im Zeitraum von 2006-2011 bei 58.315 Bodenproben ermittelt.

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Im Nordöstl. FHL zeigten etwa 87 % der Proben einen alkalischen Säuregrad
pH-Verteilung auf Ackerland
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Im Gebiet Alpenostrand zeigten etwa 15 % sehr niedrige K-Gehalte und 30 % sehr niedrige P-Gehalte
Verteiung Phosphor und Kalium im Ackerland

15 Prozent der Böden haben Aufkalkungsbedarf

Bei der Bodenreaktion ist der Einfluss des Mutterbodens markant. Die deutlich niedrigsten pH-Werte finden sich im Wald- und Mühlviertel wegen der sauren silikatischen Granite und Gneise (aktuell sind in dieser Region sechs Prozent der Proben stark sauer und 38 Prozent sauer). Dagegen liegen im Nordöstlichen Flach- und Hügelland auf kalkhaltigen Sedimenten (Löß) mehr als 85 Prozent der beprobten Standorte im alkalischen Bereich um pH 7,5. In der Periode vor 1995 wurden in dieser Region deutlich mehr Untersuchungen durchgeführt, auch in den Übergangszonen zum Alpenvorland und zum Waldviertel, wodurch ein etwas höherer Anteil neutraler und schwach saurer Flächen verursacht wurde.

In allen anderen Regionen liegt eine geringe Tendenz zu mehr sauren Standorten vor, der Median – also der Wert, der die untersuchten Proben genau in der Mitte teilt – verringerte sich um 0,07 bis 0,19 pH-Einheiten. Etwa 15 Prozent der Flächen weisen unter Beachtung der Bodenschwere einen deutlichen Aufkalkungsbedarf auf. Auf den übrigen Flächen wird durch laufende Erhaltungskalkungen der natürliche Versauerungsprozess ausgeglichen.

Ausgehend von den sinkenden Absatzzahlen bei Phosphor- und Kaliumdüngern sind auf vielen Ackerstandorten die Bilanzen in den letzten fünf bis zehn Jahren deutlich negativ. Das heißt, es wurde mit dem Erntegut mehr an Phosphor und Kalium abgeführt, als durch Dünger nachgeliefert. Dieser Trend findet sich in den Ergebnissen der Bodenproben in fast allen Regionen. Bei Phosphor haben in den ackerbaulich intensiv genutzten Gebieten die pflanzenverfügbaren P-CAL-Gehalte deutlich abgenommen. Ausgehend von einem höheren Niveau im Zeitraum 1991 bis 1995 im Nordosten (81 mg/kg) und im Alpenvorland (58 mg/kg) sanken die Mediane um acht bis neun mg/kg. Der geringere Düngemitteleinsatz bzw. der Düngerverzicht war durch den höheren verfügbaren Vorrat im Boden fachlich und betriebswirtschaftlich richtig.

Auch in den alpinen Randlagen (Alpenostrand, Voralpen) sind bei einem hohen Anteil mit niedrigerer Versorgung (um 42 mg/kg) weitere abnehmende Gehalte (um zwei bis fünf mg/kg) ersichtlich. Durch den höheren Anteil an Feldfutter, wie z. B. Kleegras, wirken sich diese niedrigen Gehalte weniger auf die Erträge aus als z. B. bei Kartoffel, Rübe und Mais.

Nur im Wald- und Mühlviertel blieben die P-Gehalte (und die K-Gehalte) der untersuchten Proben unverändert, was vor allem auf die Beprobung von Kartoffelflächen zurückzuführen ist, die üblicherweise intensiver gedüngt werden.

P-Versorgung in Zukunft stärker beachten

Im Alpenvorland weisen etwa zehn Prozent und im Nordosten knapp 20 Prozent der Proben eine P-Versorgung in der sehr hohen (Stufe E) und hohen (Stufe D) Gehaltsklasse auf, in denen keine weitere P-Düngung empfohlen wird. Im oberen Bereich der ausreichenden Stufe C+ wird eine P-Zufuhr vorgeschlagen, die der Hälfte des P-Entzugs entspricht.

Der Anteil solcher beprobten Flächen liegt im Alpenvorland bei knapp acht Prozent und im Nordosten bei 14 Prozent. Deutlich zugenommen haben die Ackerstandorte in den niedrigen Stufen A und B; im Alpenvorland liegen die Anteile nun bei 45 Prozent und im Nordosten bei 22 Prozent. Dort wird eine P-Zufuhr empfohlen, die um 25 bis 50 Prozent über dem Entzug durch die Ernte
liegt.

Die entsprechenden Anteile in den anderen Regionen sind aus den Grafiken ersichtlich. Die P-Versorgung verdient daher in Zukunft verstärkte Beachtung.

Markante Rückgänge bei den Kalium-Gehalten

Bei den pflanzenverfügbaren K-CAL-Gehalten zeigen sich die markantesten Rückgänge von 28 mg/kg im Nordosten, ausgehend von einem sehr hohen Niveau (Median bei 206 mg/kg vor 1995). Auch in den Voralpen und am Alpenostrand sind die Gehalte teilweise sehr stark gesunken. Leicht ansteigend hingegen sind die K-Bodenvorräte im Alpenvorland (Maisstroh mit hohen K-Mengen wird eingearbeitet, höhere organische Düngung durch Tierhaltung) und im Wald- und Mühlviertel.

ie Kaliumversorgung ist in allen Regionen durchwegs günstiger als bei Phosphor, der Anteil höher versorgter Flächen (Stufen D und E) liegt im Alpenvorland bei über 23 Prozent und im Nordosten bei fast 35 Prozent. Die niedrigen Versorgungsstufen (A und B) betragen knapp 25 Prozent im Alpenvorland und 15 Prozent im Nordosten.

Die Zufuhr von Kalken sowie die Düngung von Phosphor und Kalium sollten nur gezielt auf Basis von Bodenuntersuchungen erfolgen. Die Kosten für die Untersuchung betragen etwa ein Euro pro ha und Jahr bei einer Schlaggröße von etwa drei ha, weil das Ergebnis für die nächsten sechs Jahre zur Düngeplanung herangezogen werden kann.

Die Auswertungen der aktuellen Bodennährstoffgehalte auf Ackerland im Rahmen der Öpul-Evaluierung zeigen, dass Standorte mit niedrigerer Versorgung zunehmen. Es gibt jedoch nach wie vor eine relative hohe Anzahl hoch versorgter Flächen, vor allem im Nordosten, wo die Bodenreserven genutzt werden können.

Dieser Beitrag ist ebenfalls erschienen:
BauernZeitung – Nr. 10 – 6. März 2014

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