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Was bei der Grunddüngung zu beachten ist

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Changed on: 15.12.2016

Verringerter Einsatz von Mineraldünger führt zu rückläufigen Gehalten an Nährstoffen

Ein markanter Rückgang des Einsatzes von Mineraldüngern hat zu rückläufigen Gehalten der Ackerböden an Kalium und vor allem an Phosphor geführt. Zur sachgerechten Bemessung der Düngergaben stellt die Ages per Internet Hilfsmittel bereit.

Bei mineralischen Phosphor-und Kaliumdüngern gab es in den letzten Jahren enorme Preissteigerungen und auch Preisschwankungen. Wie aus der Düngemittelstatistik abzulesen ist, war ein markanter Rückgang des mineralischen Düngereinsatzes vor allem seit 2008/09 die Folge. Ob und in welchem Ausmaß sich diese Praxis bereits in den Böden widerspiegelt, kann anhand von Bodenuntersuchungen bewertet werden. Vor allem aus den Regionen mit der ÖPUL-Maßnahme „Vorbeugender Grundwasserschutz“ in den Bundesländern NÖ, Burgenland, Kärnten und OÖ wurden seit Anfang 2015 im Ages-Bodenlabor viele Bodenproben von Ackerflächen untersucht. In der folgenden, vorläufigen Auswertung sind nur die Ergebnisse aus konventionellen Betrieben enthalten.

Kaliumgehalte sind höher als Phosphorgehalte

Beim Kalium sind die Gehalte in den Böden nach wie vor höher als beim Phosphor. 27 % der Bodenproben entfallen auf die hohe (D) und sehr hohe (E) Kalium-Gehaltsklasse; beim Phosphor sind es im Vergleich dazu nur 14 %. In den niedrigen Gehaltsstufen A und B liegen bei Kalium 23 % der Standorte; beim Phosphor dagegen 35 %. Der überwiegende Anteil der Proben liegt bei beiden Nährstoffen mit jeweils knapp über 50 % in der anzustrebenden, ausreichenden Stufe C (Grafik 1). Ein zeitlicher Entwicklungsverlauf der Phosphor-Gehaltsklassen der letzten 25 Jahre ist nicht für alle Regionen darstellbar, weil die Anzahl der Bodenproben auch mit den Öpul-Maßnahmen seit 1995 zusammenhängt. Aus dem Marchfeld liegen unverändert viele Daten vor, vor allem auf Basis der Bodenuntersuchungen im Zusammenhang mit früheren Maßnahmen der „Integrierten Produktion“ bei Erdäpfeln, Rübe und Feldgemüse. Die vorläufige Auswertung lt. Grafik 2 zeigt beim Phosphor eine sehr plausible Entwicklung auf. Die Gehalte sind mit einem mittleren Wert von 71 mg/kg generell etwas höher als in anderen Regionen, weil im Marchfeld auch der Anteil der Feldfrüchte mit höheren Ansprüchen an die P-Verfügbarkeit (Kartoffel, Feldgemüse, Rübe) deutlich größer ist.

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Auswertung von Bodenproben aus den Bundesländern Niederösterreich, Burgenland, Kärnten und Oberösterreich im Rahmen der Öpul-Maßnahme „Vorbeugender Grundwasserschutz“ (2015-16)
Auswertung von Bodenproben aus den Bundesländern Niederösterreich, Burgenland, Kärnten und Oberösterreich im Rahmen der Öpul-Maßnahme „Vorbeugender Grundwasserschutz“ (2015-16)
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Entwicklung der P-Gehaltsklassen im Marchfeld im Zeitverlauf seit 1991. Die Grafik zeigt, dass die niedrigen Gehaltsstufen auf Kosten der hohen deutlich zugenommen haben.
Entwicklung der P-Gehaltsklassen im Marchfeld im Zeitverlauf seit 1991. Die Grafik zeigt, dass die niedrigen Gehaltsstufen auf Kosten der hohen deutlich zugenommen haben.

Mehr Flächen mit niedriger P-Versorgung

Der Anteil der hoch versorgten Standorte (Klassen D und E) ist von 32 % vor knapp 25 Jahren auf aktuell 12 % zurückgegangen; demgegenüber ist der Anteil der niedrig versorgten Klassen (A und B) von 5 % auf 18 % gestiegen. Aktuell liegen 70 % der Proben in der mittleren Stufe C, in der Periode 1991 bis 1995 waren es 64 %; in dieser Gehaltsstufe haben sich die Anteile nur wenig verändert.

Die Daten zeigen klar, dass die verfügbaren hohen P-Bodenreserven in den letzten Jahren und Jahrzehnten effektiv genutzt wurden. Auf den zunehmenden Flächen mit niedrigerer P-Versorgung ist auf die Optimierung der P-Verfügbarkeit in der Bewirtschaftung zu achten.

Folgende Maßnahmen sind dazu empfehlenswert:

  • Einhaltung des anzustrebenden pH-Bereichs je nach Bodenschwere

    • leichte Böden pH mind. 5,5
    • mittlere Böden pH mind. 6,0
    • schwere Böden pH mind. 6,5

  • Einarbeitung der voll aufgeschlossenen, wassserlöslichen P-Dünger vor der Saat
  • Platzierung des P-Düngers im Wurzelbereich (beim Mais durch Unterfußdüngung bereits Standard, die Verfahren werden für andere Kulturen weiter entwickelt)
  • Kulturartenspezifische P-Düngung

    • P-Düngung in der Fruchtfolge vor allem zu Kartoffeln, Mais, Feldgemüse und Zuckerrübe

  • Minderung der Bodenerosion u. a. durch Begrünungen, die auch zusätzlich P mobilisieren können.

Aktuell wird daher auch untersucht, ob eine P-Düngung in den niedrigen Versorgungsstufen in der Höhe der P-Abfuhr bei einer solchen gezielten Düngepraxis ausreichend ist, weil eine Aufdüngung in die Stufe C sehr aufwändig wäre. Um den P-CAL-Gehalt um 10 mg/kg anzuheben, ist eine positive P-Bilanz von 110 bis 275 kg P/ha erforderlich; das entspricht einer Nährstoffmenge von 250 bis 630 kg P2O5/ha. Die große Bandbreite beruht auf den unterschiedlichen chemischen Eigenschaften der Bodenarten; bei leichten Böden kommt es rascher zu Änderungen als bei schwereren Böden. Bei Kalium beträgt der entsprechende Wert 200 bis 450 kg K2O/ha, um den K-CAL-Gehalt um 10 mg/kg zu erhöhen.

Eine Bodenuntersuchung rechnet sich immer

Zur weiteren Verbesserung der Grunddüngung auf Ackerland wird in der breiten Gehaltsstufe C die P- und K-Düngung noch weiter angepasst. Im hohen „C+“-Bereich (in den Grafiken hellgrün) wird die Düngungsempfehlung bei Phosphor bereits um 50 % vermindert und bei Kalium um 25 bis 50 %. Im Bereich „C–“ von 47 bis 90 mg P/kg und von 133 bis 177 mg K/kg (in den Grafiken dunkelgrün) wird auf Basis des jeweiligen Bodengehalts die Düngemenge bestimmt. Dadurch sollten die Böden mittelfristig in den Bereich von 60 bis 65 mg P/kg und 130 bis 145 mg K/kg herangeführt werden. In den im Internet frei verfügbaren Tools des AgrarCommanders sind diese Berechnungen bereits programmiert, sodass man jederzeit mit den Bodenwerten die optimale Grunddüngermenge für die jeweilige Kultur ermitteln kann. Alle Nährstoffempfehlungen basieren auf den „Richtlinien für die sachgerechte Düngung“, die der Fachbeirat für Bodenfruchtbarkeit und Bodenschutz veröffentlicht hat.

Nährstoffbegrenzungen und Gabenteilungen, die aufgrund gesetzlicher Vorschriften (z. B. Wasserrechtsgesetz) oder anderer Bewirtschaftungsauflagen (z. B. ÖPUL-Maßnahmen) bestehen, sind unabhängig von den errechneten Empfehlungen verpflichtend einzuhalten. Die aktuellen Entwicklungen der Bodengehalte zeigen, dass man seine Standorte genau kennen sollte, bevor man eine P- und K- Düngung durchführt. Dies gilt auch dann, wenn z. B. wie aktuell die Düngerpreise günstiger sind als im Vorjahr. Die Kosten der Bodenuntersuchung für die Information über den P- und K-Nährstoffzustand liegen bei etwa einem Euro pro Hektar und Jahr bei einer Schlaggröße von zwei bis drei Hektar.

Das Ergebnis ist zumindest für sechs Jahre verwendbar. Die optimale Nährstoffgehalt im Boden und der optimale Düngereinsatz konzentrieren sich auf einen engen Bereich der unteren C-Klasse. Ausreichende Bodennährstoffgehalte sind eine wesentliche Voraussetzung für die wirtschaftliche Effizienz aller weiteren Betriebsmittel.

Dieser Beitrag ist ebenfalls erschienen:
BauernZeitung – Nr. 36 – 8. September 2016

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