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Ergebnisse von Bodenuntersuchungen österreichischer Grünlandflächen

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Changed on: 15.12.2016

Die AGES stellt die Ergebnisse umfangreicher Bodenuntersuchungen auf Österreichs Grünlandflächen vor.

Das Grünland hat für die landwirtschaftliche Produktion eine zentrale Bedeutung. Das Grünland liefert das wertvolle Grundfutter in der Rinderhaltung und leistet somit auch über Milch, Käse und Fleisch einen wesentlichen Beitrag für die Proteinversorgung der Bevölkerung. Bedingt durch starke Schwankungen bei den Erzeugermilchpreisen und auch bei Kostenfaktoren wie Kraftfutter und Energie rückt das wirtschaftseigene Grundfutter wieder stärker in das Interesse und das Bewusstsein der Grünlandbauern.

Die Qualität des Grundfutters kann durch einen optimalen Nutzungszeitpunkt und Vermeidung von Futterverschmutzung noch verbessert werden. In diesem Beitrag stehen die pflanzenverfügbaren Nährstoffgehalte, der Säuregrad und der Humusgehalt der Grünlandböden im Fokus.

Insgesamt stehen Daten von 12.000 Standorten aus der Periode 2006 bis 2012 für die Bewertung der Nährstoffgehalte und des pH-Wertes sowie von 7000 Standorten für die Humusgehalte zur  Verfügung. Bei den Humusgehalten ist dieser Datenpool die Basis, um zukünftig die Entwicklung der Humusgehalte auf Grünland zu dokumentieren; aus früheren Perioden sind zu wenige Vergleichsdaten vorhanden. Nachfolgende Tabelle zeigt die Probenzahlen, gegliedert nach Produktionsgebieten.

Datengrundlage

Anzahl der Proben zur Ermittlung der Nährstoffgehalte und pH-Werte sowie der Humusgehalte, gegliedert nach Produktionsgebieten.
Alpenostrand Alpenvorland Hochalpen Voralpen Waldviertel/Mühlviertel
Nährstoffe und pH-Wert 1929 3007 1094 1410 4670
Humusgehalte 841 166 797 597 3118

Schwach sauer ist am besten

Die meisten wertvollen Grünlandpflanzen gedeihen auf mittleren bis schweren Böden bei schwach saurer Bodenreaktion im pH-Bereich zw. 5,6 bis 6,5 am besten; nur auf sauren Standorten mit pH-Werten unter 5,5 ist durch eine Kalkung auch mit einer Ertragssteigerung und Verbesserung der Futterqualität zu rechnen.

Vor allem, wenn Leguminosen (Kleearten) im Bestand vorkommen, sollte der pH-Wert auch auf leichten Böden keinesfalls unter 5,0 liegen, die Luzerne benötigt für ein optimales Wachstum einen pH-Wert von 6,5. Für leichte Böden wird noch ein pH-Wert von 5,0 als ausreichend erachtet, für mittlere Böden wird ein pH von zumindest 5,5 und für schwere Böden von 6,0 angestrebt.

Erhaltungskalkung regelmäßig durchführen

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Einstufung der pH-Werte, Anteile der Grünlandbodenproben (%)
Einstufung der pH-Werte, Anteile der Grünlandbodenproben (%)
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Phosphor-Gehaltsstufen, Anteile der Grünlandbodenproben (%)
Phosphor-Gehaltsstufen, Anteile der Grünlandbodenproben (%)

Stark saure Grünlandstandorte mit pH-Werten unter 4,6 sind selten (max. zwei Prozent), im sauren Bereich befinden sich 44 Prozent der Proben aus dem Wald-und Mühlviertel und dem Alpenostrand, gefolgt von 38 Prozent aus dem Hochalpengebiet. Etwa zehn bis 15 Prozent dieser Standorte weisen einen pH-Wert unter 5,0 auf. Den geringsten Anteil saurer Grünlandböden mit 18 Prozent gibt es in den Voralpen, weil diese Region teilweise in den Nördlichen Kalkalpen liegt.

Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Grünlandböden noch im optimalen pH-Bereich liegen. Es sind jedoch keine relevanten Säurepufferkapazitäten im Boden vorhanden, sodass auf eine regelmäßige Erhaltungskalkung auf den meisten Standorten von 0,5 t CaO bis 1,0 t CaO/ha alle vier bis sechs Jahre zu achten ist.

In allen Produktionsgebieten überwiegen die Standorte mit sehr niedriger und niedriger Phosphor-Versorgung.

In den Voralpen liegt dieser Anteil (Summe Stufe A +Stufe B) mit 85 Prozent am höchsten, in den anderen Gebieten liegt er zwischen 75 und 81 Prozent.

Die Phosphor-Bilanzen sind großteils negativ

Nachdem die mineralische P-Düngung im Grünland kaum eine Bedeutung hat und bei einer Viehbesatzdichte bis 1,5 GVE (Großvieheinheit) /ha weniger Phosphor mit dem Wirtschaftsdünger rückgeführt wird, als im Grünlandaufwuchs abgeführt wird, ergeben sich negative P-Bilanzen.

Vor allem, wenn zusätzlich Stickstoff gedüngt wird, kommt es zu einem "Verdünnungseffekt" des Phosphors im Grundfutter, sodass in der Fütterung vor allem im höheren Milchleistungsbereich entsprechende Kraftfuttergaben verabreicht werden müssen, um eine ausreichende P-Versorgung zu gewährleisten. Die Daten zeigen, dass die P-Versorgung im Grünland ein zentrales Zukunftsthema wird, vor allem wenn möglichst viel an wertvollem Grundfutter erzeugt werden soll.

Bei Kalium liegen leicht positive Bilanzen vor

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Kalium-Gehaltsstufen, Anteile der Grünlandbodenproben (%)
Kalium-Gehaltsstufen, Anteile der Grünlandbodenproben (%)

Bei der Kaliumversorgung hingegen ist der Anteil der niedrig versorgten Standorte (Anteil der Gehaltsstufen A und B) gering, die entsprechenden Anteile liegen zwischen elf und 40 Prozent in den Hochalpen. Bei dem oben angenommenen Tierbestand wird mit dem Wirtschaftsdünger mehr an Kalium zugeführt als mit dem Grünlandaufwuchs abgeführt wird, es liegen leicht positive K-Bilanzen vor.

Aus den Daten geht weiters hervor, dass die höchsten Gehalte im Waldund Mühlviertel anzutreffen sind; das kann auf das höhere Kalium-Nachlieferungsvermögen aus dem bodenbildenden kristallinen Substrat in diesem Gebiet zurückgeführt werden. Eine zusätzliche mineralische Kaliumdüngung für Grünland stellt daher eine Ausnahme dar.

Humusgehalt ist durch den Standort bestimmt

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Humus-Gehalte, Anteile der Grünlandbodenproben (%)
Humus-Gehalte, Anteile der Grünlandbodenproben (%)

Der Humusgehalt des Grünlands ist wesentlich durch das standörtliche Klima, die Höhenlage und die Nutzungsintensität geprägt. Im intensiv genutzten Alpenvorland in niedrigeren Lagen und im Wald-und Mühlviertel, wo vor allem leichtere Böden überwiegen, ist der Anteil der Standorte mit Humusgehalten unter 4,5% mit 26 bzw. 23 Prozent am höchsten.

Im Gegensatz dazu weisen die Standorte in den Voralpen, Hochalpen und auf den Höhenlagen des Alpenostrandes sehr häufig Humusgehalte über 9% auf: Dieser Anteil liegt in diesen Gebieten zwischen 26 und 42 Prozent.

Um die Produktivität des Grünlands aufrechtzuerhalten bzw. zu steigern, ist aufgrund der vorliegenden Ergebnisse darauf zu achten, dass die pH-Werte im optimalen Bereich gehalten werden. Die Phosphor-Versorgung bzw. die P-Gehalte im Grundfutter verdienen vor dem Hintergrund einer Verbesserung der Qualität erhöhte Aufmerksamkeit. Die Kalium-Versorgung ist überwiegend ausreichend bis hoch. Die Humusgehalte sind abhängig von der Höhenlage, der Nutzungsintensität und der Bodenart.

Bodenuntersuchung

Schüsserlbohrer - zur Beprobung von Grünlandflächen besonders geeignet. Ermöglicht eine rasche und tiefengenaue Ziehung von etwa 30 Borkernen.
Schüsserlbohrer - zur Beprobung von Grünlandflächen besonders geeignet. Ermöglicht eine rasche und tiefengenaue Ziehung von etwa 30 Borkernen.

Die Bodenuntersuchung ist eine einfache und auch preiswerte Möglichkeit, über die Bodenqualität seines Grünlands Bescheid zu wissen. Man sammelt dazu pro Fläche rund 30 Einzelproben von 0 bis 10 cm Bodentiefe; ins Labor werden davon etwa 750 g feldfrischen Bodens nach intensiver Durchmischung geschickt.

Die Beprobung kann im Frühjahr oder Herbst erfolgen, die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern sollte mindestens zwei Monate zurückliegen, bei Mineraldüngern mindestens einen Monat. Neben der Optimierung des betrieblichen Nährstoffmanagements wird damit auch den berechtigten gesellschaftlichen Umweltanliegen Rechnung getragen und die Entwicklung der Bodenqualität dokumentiert.

Für die Beprobung von Grünlandflächen eignen sich besonders sogenannte Schüsserlbohrer, die eine rasche und tiefengenaue Ziehung von etwa 30 Bohrkernen ermöglichen.

Für weitere Informationen zur Bodenuntersuchung besuchen Sie bitte unsere Serviceseite.

Hoher Stellenwert des Bodens

Im Jahr des Bodens 2015 der UNO ist auch die Bedeutung des Grünlands hervorzuheben. Wegen der Vielzahl an ökologischen Funktionen des Grünlands (z. B. keine Erosion und nur minimale Nährstoffverluste, hohes Kohlenstoffspeichervermögen) und dessen besonderer Bedeutung für die Landschafts-,Habitat-und Artenvielfalt ist die Erhaltung der Grünlandfläche im Öpul ein wesentliches Ziel.

Die Dauergrünlandfläche in Österreich liegt bei 1,24 Mio. ha, wovon 44 %intensiv und 56 % extensiv genutzt werden. Sie ist damit nur knapp geringer als die Ackerfläche mit 1,36 Mio. ha. Etwa 480.000 ha werden als Mähwiese/-weide mit drei und mehr Schnitten genutzt, 250.000 ha weisen eine zwei-bis einmalige Schnittnutzung auf, auf Almen und Bergmähder entfallen ca. 345.000 ha, als Dauerweiden werden etwa 67.000 ha genutzt.

FAO - International Year of Soils

Österreichische Bodenplattform zum Internationalen Jahr des Bodens


Boden - Arbeitsschwerpunkt in der AGES

Dieser Beitrag ist ebenfalls erschienen:
BauernZeitung - Nr. 36 - 3. September 2015

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