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Hitze-Mortalitätsmonitoring

Changed on: 04.11.2019

Das Jahr 2019 forderte in Österreich 198 Todesopfer, wie das Hitze-Mortalitätsmonitoring der AGES zeigt. Mit dem Hitze-Mortalitätsmonitoring lässt sich modellieren, ob die Anzahl der beobachteten Todesfälle in Österreich über der statistisch erwarteten Anzahl liegt. Erstmals wurden für die Temperatur die täglichen Messwerte von 181 Messstationen im gesamten Bundesgebiet herangezogen. In den Jahren davor basierte das Modell auf 32 Messstationen, die den 40 größten Ortschaften zugeordnet wurden.

Hohe Umgebungstemperaturen, insbesondere in Verbindung mit hoher Luftfeuchte, sind mit deutlichen Gesundheitsrisiken verbunden. Besonders anfällig dafür sind ältere Menschen, Kinder, PatientInnen mit Herz-Kreislauf- und psychischen Erkrankungen sowie Personen mit eingeschränkter Mobilität.

Schätzung der Hitze-assoziierten Übersterblichkeit inklusive 95% Konfidenzintervall, Österreich, Sommerperioden, 2013-2019
SommerHitze-assoziierte Übersterblichkeit95% Konfidenzintervall (KI)
2013*895773; 1017
2014*13433; 234
2015*1122961; 1283
2016*0-46; 46
2017*586343; 830
2018*766583; 949
2019**198-41; 438

 * Temperaturdaten von 32 Messstationen, die den 40 größten Ortschaften zugeordnet wurden
** Temperaturdaten von 181 Messstationen im gesamten Bundesgebiet

 

 

Die Sterblichkeit der Bevölkerung ist über das Jahr hinweg nicht gleichmäßig verteilt, sondern unterliegt saisonalen Schwankungen: In den Wintermonaten sterben mehr Menschen als in den Sommermonaten. Diese Schwankungen sind statistisch über Jahrzehnte hinweg sehr gut belegt – so gut, dass sich für jede Kalenderwoche sehr genaue Schätzungen über die erwarteten Sterbefälle modellieren lassen.
 
Diese Modellierung der Sterblichkeit macht sich das europäische System für eine kontinuierliche Beobachtung der Sterblichkeit (Mortalitätsmonitoring, www.euromomo.eu) zunutze: Mehrere Europäische Länder, darunter auch Österreich, speisen in dieses System Daten zur wöchentlichen All-Ursachen-Mortalität  ein. Hiermit lässt sich zeigen, ob die Anzahl der beobachteten Todesfälle über der statistisch erwarteten Anzahl liegt. Grafisch präsentiert sich die Mortalität der Bevölkerung im typisch wellenförmigen Verlauf. Kommt es zu vermehrten Todesfällen, tauchen in den Wellenbergen oder -tälern Ausreißer („Zacken“) auf – man spricht von Übersterblichkeit, die im Winter oft mit der Influenzaepidemie, im Sommer mit Hitze-Extremereignissen korreliert.

Das Hitze-Mortalitätsmonitoring wird in Österreich von der AGES durchgeführt: Es basiert auf statistischen Zeitreihenanalysen, die erfahrungsgemäß sehr gut stimmen und seit Langem bereits auch zur Einschätzung der Influenza-assoziierten Sterblichkeit verwendet werden. In diese Analysen fließen fallbasierte All-Ursachen-Sterbedaten und tägliche Messwerte der maximalen sowie der minimalen Lufttemperatur, die von 181 Messstationen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) österreichweit stammen, ein. Die Daten zur All-Ursachen Mortalität stammen von der Statistik Austria.

Modelliert wird die wöchentliche All-Ursachen Mortalität unter Verwendung der Lufttemperatur während heißer Wochen im Sommer sowie kalter Wochen im Winter. Als heiße Wochen sind Wochen definiert, in denen die Temperatur der heißesten Nacht über 18 °C liegt. Kalte Wochen sind Wochen, an denen mindestens ein Tag eine Temperatur unter 0 °C aufwies. Das statistische Modell wurde vom AGES-Mathematiker DI Lukas Richter von der Abteilung für Infektionsepidemiologie und Surveillance am Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene in Zusammenarbeit mit Univ.-Prof. Dr. Ernst Stadlober vom Institut für Statistik der Technischen Universität Graz entwickelt.

Das österreichische Hitze-Mortalitätsmonitoring wird durch die AGES laufend verbessert. Weitere Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit, aber auch Feinstaubbelastung oder Beobachtungen zu Infektionskrankheiten etc. sollen in das Modell miteinbezogen werden. Im Endausbau wird es möglich sein, die Hitze-assoziierte Mortalität auch kleinräumig zu bestimmen. Mit diesen Informationen können das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz, Bundesländer und Bezirksverwaltungsbehörden Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Kuranstalten, Kindergärten, mobile Pflegedienste, Ärzte oder Einsatzorganisationen zeitnah über einen erhöhten Versorgungsbedarf in Kenntnis setzen.

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