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Blühtagebuch Mai

Blüh- und Pflanzenwelt im Mai

Was wächst, blüht und gedeiht auf dem AGES-Betriebsgelände, wenn Düngung, Pflanzenschutz und Bewässerung unterlassen werden? Welche Pflanzenarten entwickeln sich durch das im Frühjahr 2016 gestartete Projekt "Biodiversitätsnahe Bewirtschaftung" auf dem Areal der AGES-Betriebsstätte Wien Spargelfeld? Und welche Tiere werden durch neues Fressangebot angelockt? Die milden Sonnenstrahlen locken interessante Arten aus den verschiedensten Pflanzenfamilien an die Oberfläche.

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Die Blätter des Groß-Bocksbarts sind grasartig und die (grünen) Hüllblätter sind deutlich länger als die Blüte.

Zu den Korbblütlern (Asteraceae) gehören die vier folgenden Arten. Der wärmeliebende Groß-Bocksbart (Tragopogon dubius) wächst in sonnigen Staudenfluren und besiedelt gerne halbruderale Trockenfluren. Die Art öffnet ihre gelben Blüten pünktlich um acht Uhr und schließt diese um die Mittagszeit wieder. Der Korbstiel unmittelbar unter dem Korb ist auffällig keulig verdickt. Charakteristisch sind die an der Spitze braun-violetten Staubblätter, die dem Blütenköpfchen ein getüpfeltes Aussehen verleihen.

Der Feinstrahl (Erigeron annuus) wurde als Zierpflanze aus Nordamerika nach Europa gebracht und ist daher bei uns ein Neophyt. Auf dem AGES-Gelände kann man der Art sehr häufig begegnen. Während der Beginn der Blütezeit in der Literatur mit Juni angegeben wird, erscheinen die ersten Blüten im heurigen Jahr frühzeitig, bereits Anfang Mai.

Die Blätter des Feinstrahls sind hellgrün und beidseits behaart. Das Blütenkörbchen besteht außen aus weißen ca. 0,5 mm breiten Zungenblüten und innen aus gelben Röhrenblüten.

Das Kleine Habichtskraut (Hieracium pilosella) bildet bis zu 30 cm lange, oberirdische Ausläufer mit Tochterrosetten. Daher können auf dem AGES-Gelände teilweise mehrere quadratmetergroße, sehr dichte Teppiche dieser Art beobachtet werden. Die Laubblätter sind an der Oberseite mit langen Haaren bedeckt und unterseitig graufilzig. Bei Trockenheit werden die Blätter eingerollt, wobei die helle, Licht reflektierende Unterseite nach außen weist.
Das Kleine Habichtskraut bildet einzeln stehende körbchenförmige Blütenstände, die einen Durchmesser von 2 bis 3 cm haben.

Die zu der Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae) gehörende Violette Königskerze (Verbascum phoeniceum) wurde bisher auf zwei Standorten auf dem AGES-Gelände, sogar mit größere Population bestehend aus ca. 20 Pflanzen, beobachtet. Diese Art hat wunderschöne dunkelviolette Blüten in einem traubigen Blütenstand. Die Laubblätter sind überwiegend in einer grundständigen Rosette angeordnet und liegen dem Boden dicht an.

Die Blütenknospen (im oberen Drittel des Blütenstandes) der Violetten Königskerze haben eine auffällige regelmäßig-fünfeckige Form.

Wer sich Zeit nimmt und die Mühe macht, genau hinzusehen, dem erschließt sich die interessante Vielfalt ...

Bitte nicht Mähen! Die Violette Königskerze gilt in Österreich als gefährdet.

Einige Arten der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) besitzen einen giftigen Milchsaft, so auch die  Esels-Wolfsmilch (Euphorbia esula). Sie ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 60 cm erreicht und sie hat grüne bis gelbliche Hochblätter, die oberhalb der normalen Laubblätter stehen.

Die Pfeilkresse (Lepidium draba) gehört zu den Kreuzblütengewächsen (Brassicaceae) und ist eine wärmeliebende und trockenheitstolerante Steppenpflanze. Sie ist befindet sich gerade in voller Blüte und ist auf dem AGES-Gelände häufig zu finden. Die Pflanze kriecht mit ihren Wurzelausläufern in die Breite, daher stehen die Pflanzen oft in großen Nestern zusammen. Bestände können so pro Jahr einen Zuwachs von mehreren Quadratmetern erreichen; oft findet eine Besiedelung der Randzonen von Äckern statt.

Der weiße Blütenstand der Pfeilkresse bildet einen kompakten, auf der Oberseite abgeflachten Schirm.

Der Gelbe Wau (Reseda lutea, Resedagewächse, Resedaceae) ist eine Pionierpflanze trockener Standorte. Besonders gerne werden Grus und Schotterflächen besiedelt. Daher findet man die Art auf dem AGES-Gelände zerstreut auf stark sonnenexponierten Flächen aber auch auf Extremstandorten wie beispielsweise in den Kiesumrandungen der Gewächshäuser.

Der Gelbe Wau bildet einen dichtblütigen und traubigen Blütenstand mit hellgelben Kronblättern.

Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) aus der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae) ist ein typischer Erstbesiedler. Die Art tritt auf offenen Bodenstellen auf und ist daher auf dem AGES-Gelände sehr häufig in den lückigen Wiesenflächen rund um die Parkplätze zu finden. Die Blätter sind schmal, lang zugespitzt und parallelnervig.

Die Blütenähre des Spitzwegerichs ist ganz kurzköpfig.

Der  Rot-Klee (Trifolium pratense s.l.) aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) ist eine ausdauernde, krautige Pflanze und wird bis zu 15–40 cm. Sie ist eine Charakterart (Kennart) des Wirtschaftsgrünlandes. Der Rotklee bildet kugelige bis eiförmige Blütenstände gebildet, dieser ist meist von den obersten Stängelblättern umhüllt. Die Blätter sind weiß gefleckt.

Interessantes Detail: der Nektar des Rot-Klees befindet sich am Grund einer 9 bis 10 mm langen Röhre. Die Honigbiene (Rüssellänge 6 bis 6,5 mm) kann daher nur Pollen sammeln, während Hummeln aufgrund ihres längeren Rüssels (7 bis 9 mm) auch den Nektar erreichen können.

Auf dem AGES-Gelände wachsen natürlich nicht nur Kräuter, sondern auch viele, viele Gräser (Poaceae). Ein häufiger Vertreter ist das Gewöhnliche Knäuelgras (Dactylis glomerata). Es ist ein graugrün gefärbtes, kräftiges, in Horsten wachsendes Gras.

Gut zu erkennen: der Blütenstand formt einen dreieckigen Umriss. Er ist stark geknäuelt und mit einem weit abstehenden unteren Ast.

Ungestörte Wiesenfläche – ein Paradies für Pflanzen und Tiere

 

Auf, unter, zwischen und über den Pflanzen können auch zahlreiche Insekten beobachtet werden. Der farbenfrohe Kleine Sonnenröschen-Bläuling (Polyommatus agestis) ist gut zu erkennen. Die Raupen ernähren sich vom Kleinem Storchschnabel (Geranium pusillum) und Reiherschnabel (Erodium cicutarium).

 

Andere Insekten, wie der junge Grashüpfer, sind dagegen nur bei genauerem Hinsehen zu erkennen.

 

 

Quellen

Fischer M. A., Oswald K., Adler W. (2008): Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. Biologiezentrum der oberösterreichischen Landesmuseen, Linz, 1391 S.
Holzner W., Glauninger J. (2005): Ackerunkräuter - Bestimmung, Biologie, Landwirtschaftliche Bedeutung. Leopold Stocker Verlag, Graz 264 S.
https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wikipedia:Hauptseite&oldid=152425751
http://www.naturfotos-naeher-hingeschaut.eu/

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