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Endocrine Disrupting Chemicals

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Changed on: 15.09.2021

Endokrin aktive Substanzen sind Stoffe, die auf die Hormonaktivität des Körpers Einfluss nehmen oder sie stören können. Führt dies zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen, werden sie als endokrine Disruptoren (oder auch endokrin schädigende Stoffe) bezeichnet.

Das Hormonsystem (endokrines System) ist ein Netzwerk von Drüsen wie z.B.  Hypophyse, Schilddrüse, Keimdrüsen (Eierstöcke, Hoden) und spielt für den Körper eine sehr wichtige Rolle, da es die Ausschüttung von Hormonen sowie den Hormonspiegel im Körper steuert und reguliert. Hormone sind chemische Botenstoffe des Körpers und regeln viele Körperfunktionen wie Stoffwechsel, Wachstum und Entwicklung, Fortpflanzung, Schlaf und Stimmung. Die Hormonregulierung ist besonders wichtig während kritischer Entwicklungsphasen für das ungeborene Kind, für Säuglinge und Kinder. Das Hormonsystem ist sehr komplex und die Ausschüttung von Hormonen hängt von vielen Faktoren ab. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse in diesem Bereich sind längst nicht ausreichend, und so ist das Verständnis dessen, was eine endokrin wirksame Substanz ist, nach wie vor Gegenstand der wissenschaftlichen Debatte (siehe Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde).

Aufnahme und Auswirkungen von endokrin wirksamen Substanzen

Menschen und Tiere können sowohl durch die Ernährung als auch über andere Quellen einer Vielzahl von endokrin wirksamen Stoffen ausgesetzt sein.

Ein natürlich vorkommender endokrin wirksamer Stoff ist zum Beispiel das Phytoöstrogen in Soja. Einige endokrin wirksame Substanzen werden aufgrund ihrer Eigenschaften gezielt in der Medizin eingesetzt (z. B. Antibaby-Pillen oder Schilddrüsenhormon-Ersatzpräparate). Endokrin schädigende Stoffe finden sich in einigen Pflanzenschutzmitteln (z. B. DDT), Umweltschadstoffen (z. B. Dioxine, PCB) sowie in Lebensmittelkontaktmaterialien (z. B. Bisphenol A) und in Kosmetika (z. B. Parabene).

Bedenken in Bezug auf mögliche schädliche Wirkungen von endokrinen Disruptoren haben in den letzten Jahren zugenommen. Beobachtungen bei Mensch und wildlebenden Tieren deuten darauf hin, dass die Häufigkeit endokriner Krankheiten und Störungen, einschließlich Beeinträchtigungen der Fortpflanzungsfähigkeit und Entwicklung, sowie hormonabhängiger Krebsarten zunimmt. Die wissenschaftlichen Zusammenhänge zwischen all diesen Tendenzen und endokrinen Disruptoren sind Gegenstand der Forschung, und andere Faktoren wie Änderungen im Lebenswandel oder genetische Hintergründe können als Ursachen nicht ausgeschlossen werden.

Regelungen in Europa

Die Europäische Union hat sich bereits 1999 in der Community Strategy for Endocrine Disruptors (COM (1999) 706 final) das Ziel gesetzt, regulatorische Maßnahmen zum Schutz vor endokrinen Disruptoren zu schaffen und setzt derzeit mit ihren gesetzlichen Rahmenbedingungen weltweit Maßstäbe.

So sind in der Pflanzenschutzmittelverordnung (1107/2009), Biozidverordnung (528/2012), für Lebensmittelkontaktmaterialien aus Kunststoff (10/2011), Lacke und Beschichtungen im Lebensmittelkontakt (2018/213) und unter der Chemikalienverordnung REACH bereits regulatorische Maßnahmen für endokrine Disruptoren genannt. In der Richtlinie zum Ordnungsrahmen für die Wasserpolitik (2000/60/EG) werden endokrine Disruptoren im Anhang VIII als Schadstoffe gelistet. Auch die Kosmetik-Verordnung (1223/2009) sieht vor, dass die EU-Kommission diese Stoffe hinsichtlich endokrin wirksamen Eigenschaften zu überprüfen hat. In der Spielzeugverordnung (2011) liegen Grenzwerte für Substanzen vor, die als mögliche endokrine Disruptoren eingestuft werden. Darüber hinaus gelten auch für die jeweiligen Stoffe die festgelegten Grenzwerte von REACH. Außerdem sollen gesetzliche Maßnahmen in der Lebensmittel-Basis-Verordnung (178/2002) folgen.

Um endokrin schädigende Stoffe identifizieren zu können, hat die Europäische Kommission zwei wissenschaftliche Kriterienkataloge zur Ermittlung endokriner Disruptoren in Biozidprodukten und Pflanzenschutzmitteln verabschiedet. Die Kriterien für Biozidprodukte (2017/2100) gelten seit dem 7. Juni 2018, die Kriterien für Pflanzenschutzmittel (2018/605) seit dem 10. November 2018. Leitlinien zur Umsetzung der Kriterien wurden von der EFSA und der Europäischen Chemikalienagentur ausgearbeitet und am 7. Juni 2018 veröffentlicht.

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