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Kupfer im Pflanzenschutz

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Changed on: 08.04.2019

Pflanzenschutzmittel auf Kupfer-Basis werden seit etwa 150 Jahren gegen Pilzkrankheiten und gegen viele andere Pflanzenkrankheiten im Weinbau, Obstbau, Hopfenbau und in Feldkulturen im Gemüse-, Kartoffel- und Erdbeerbau eingesetzt. Sie haben zudem eine wichtige Schlüsselfunktion für ein erfolgreiches Resistenzmanagement. Kupfer-Mittel gehören damit zu den ältesten Pflanzenschutzmitteln, die noch heute eine Bedeutung haben. Das Metall Kupfer wird jedoch im Boden nicht abgebaut. Die hohen Aufwandmengen, die vor einigen Jahrzehnten noch üblich waren, haben in manchen Regionen Österreichs zu einer Anreicherung von Kupfer im Boden geführt. In Österreich herrscht weitgehende Einigkeit, dass der Einsatz von Kupfer reduziert werden muss. Ein gänzlicher Verzicht von Kupfer im Pflanzenschutz würde derzeit bei vielen Kulturen hohe Ertrags- und Qualitätsausfälle bedeuten.

Pflanzenschutzmittel auf Kupfer-Basis werden seit etwa 150 Jahren gegen Pilzkrankheiten und gegen viele andere Pflanzenkrankheiten im Weinbau, Obstbau, Hopfenbau und in Feldkulturen im Gemüse-, Kartoffel- und Erdbeerbau eingesetzt. Sie haben zudem eine wichtige Schlüsselfunktion für ein erfolgreiches Resistenzmanagement. Kupfer-Mittel gehören damit zu den ältesten Pflanzenschutzmitteln, die noch heute eine Bedeutung haben. Das Metall Kupfer wird jedoch im Boden nicht abgebaut. Die hohen Aufwandmengen, die vor einigen Jahrzehnten noch üblich waren, haben in manchen Regionen Österreichs zu einer Anreicherung von Kupfer im Boden geführt. In Österreich herrscht weitgehende Einigkeit, dass der Einsatz von Kupfer reduziert werden muss. Ein gänzlicher Verzicht von Kupfer im Pflanzenschutz würde derzeit bei vielen Kulturen hohe Ertrags- und Qualitätsausfälle bedeuten.

Task Force Kupfer

Österreichische Task Force Kupfer

Die österreichische Taskforce Kupfer setzt sich mit Problemen und wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Kupfer-Anwendungen in Österreich auseinander. In Österreich herrscht Einigkeit, dass der Einsatz von Kupfer im Pflanzenschutz minimiert werden muss, dass allerdings derzeit ein vollständiger Verzicht auf Kupfer nicht möglich ist. Aus diesem Grund wurde im Mai 2014 die Einrichtung einer Taskforce Kupfer, in Anlehnung an die Aktivitäten des Julius Kühn Instituts in Deutschland, beschlossen.

 

In der Taskforce sind folgende Organisationen vertreten: Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, Bundesamt für Ernährungssicherheit, Universität für Bodenkultur, HBLA und BA Klosterneuburg, Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, Austrian Institute of Technology, Landwirtschaftskammer Österreich, Landwirtschaftskammer Niederösterreich, Landwirtschaftskammer Steiermark, Landwirtschaftskammer Burgenland, Bio Austria, Plattform Bio-Wein, Absatzgemeinschaft Bio-Obst, Weinbauverband, Obstbauverband und Gemüsebauverband. Die Sitzungen der Taskforce Kupfer werden abwechselnd von der AGES und der HBLA und BA Klosterneuburg organisiert und mindestens einmal jährlich abgehalten. In den Sitzungen werden die Tätigkeiten der Taskforce Kupfer im Jahresrückblick sowie wichtige Termine und künftige Aktivitäten besprochen.

 

Die Zielsetzung bzw. der Aufgabenbereich der Taskforce lauten wie folgt:

  • Gebündelte Kommunikation der Kupfer-relevanten Aktivitäten an die interessierte Öffentlichkeit
  • Erhebung der Verfügbarkeit bzw. Notwendigkeit neuer und alternativer Pflanzenschutzmittel im Hinblick auf effektive Kupferreduktion
  • Erhebung bzw. Evaluierung der Wirksamkeit, Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen in der Kulturführung und Ausbringungstechnik im Hinblick auf Kupferreduktion
  • Erhebung des Wissensstandes bzw. Evaluierung aktueller wissenschaftlicher Ergebnisse bezüglich Ökotoxizität von Kupfer im Boden (Regenwürmer, Bioverfügbarkeit,…)

EU-Genehmigung

Genehmigung auf EU Ebene

Die EU Mitgliedstaaten haben mit einer qualifizierten Mehrheit die Genehmigung von Kupfer für eine weitere Periode von 7 Jahren beschlossen (SCoPAFF - Standing Committee on Plants, Animals, Food and Feed). Die Erneuerung der Genehmigung für die Wirkstoffe "Kupferverbindungen" trat mit 1. Jänner 2019 in Kraft. Basis für diese Entscheidung über die Genehmigung war ein umfangreicher wissenschaftlicher Bewertungsbericht der europäischen Risikobewertungsbehörden. Der Bewertungsbericht ist öffentlich einsehbar (Public consultation on copper compounds), und auch eine Zusammenfassung wurde im Jänner 2018 veröffentlicht (EFSA conclusion Copper compounds 2018).

Bei der Entscheidung über die Wiedergenehmigung von Kupfer fanden neben der Risikobewertung von Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt auch weitere Faktoren Berücksichtigung. Kupfer-haltige Pflanzenschutzmittel sind als Fungizid vor allem im Weinbau und im Obstbau nahezu unverzichtbar. Kupfer spielt eine wichtige Rolle im Resistenzmanagement. Aufgrund des unspezifischen Wirkmechanismus sind bisher keine Resistenzen von Krankheitserregern gegen kupferhaltige Pflanzenschutzmittel bekannt. Hinzu kommt, dass es insbesondere bei biologischer Bewirtschaftungsweise derzeit keine Produkte gibt, die alternativ zu kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln eingesetzt werden könnten. Ohne kupferhaltige Pflanzenschutzmittel wäre die biologische Produktion von Wein, Obst, Hopfen, Kartoffel, Gemüse und Zierpflanzen ohne größere Ertrags- und Qualitätseinbußen nicht möglich.

 

Aufgrund dieser Bedenken wurde entschieden, die erlaubte Aufwandmenge auf durchschnittlich 4 kg/ha/Jahr zu beschränken. Die nationalen Behörden können entweder ein sogenanntes "Kupferkonto" mit einer maximalen Gesamtausbringungsmenge von 28 kg Kupfer je Hektar über den Zeitraum von sieben Jahren gesetzlich festlegen, oder die maximale jährliche Aufwandmenge auf 4 kg Kupfer je Hektar einschränken. Die Einstufung als Substitutionskandidat bleibt bestehen. Die Genehmigungsperiode von Kupfer als Pflanzenschutzmittel endet am 31. Dezember 2025.

PSM-Register

Pflanzenschutzmittelregister

Nach der Wiedergenehmigung von Kupfer in der Europäischen Union müssen alle nationalen Zulassungen von kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln an die Vorgaben der neuen EU-Genehmigungsverordnung angepasst werden. D.h. die Zulassungsinhaber müssen die Unterlagen aktualisieren und bei der Behörde vorlegen. Sind die Vorgaben der EU-Genehmigungsverordnung erfüllt, können diese Produkte für weitere sieben Jahre zugelassen werden.

In Österreich haben die Erfahrungen der letzten Jahre in der landwirtschaftlichen Praxis gezeigt, dass bei einer ordnungsgemäßen Kupferanwendung eine höhere Ausbringungsmenge als 4 kg je Hektar und Jahr fachlich nicht sinnvoll erscheint. Aus diesem Grunde wird Österreich generell für alle kupferhaltigen Pflanzenschutzmittel eine jährliche Aufwandmenge von Kupfer auf maximal 4 kg je Hektar festlegen. In Österreich wird es auch in Zukunft kein Kupferkonto geben. Die erforderlichen gesetzlichen Schritte wurden vom Bundesamt für Ernährungssicherheit bereits eingeleitet.

Entsprechend wird in Österreich künftig für alle kupferhaltigen Pflanzenschutzmittel folgende Auflage gelten: "Die maximale Aufwandmenge von 4 kg Reinkupfer pro Hektar und Jahr auf derselben Fläche darf - auch in Kombination mit anderen Kupfer enthaltenden Pflanzenschutzmitteln - nicht überschritten werden." Bis zur Anpassung der nationalen Produktzulassungen ist allerdings weiterhin die derzeitige Obergrenze von 3 kg Reinkupfer pro Hektar und Jahr einzuhalten. Nähere Informationen zu den zugelassenen kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln können im österreichischen Pflanzenschutzmittelregister eingesehen werden.

Kupferprojekt

AGES Kupferprojekt (2010-2012)


Mit den Ergebnissen des Kupferprojekts liegt nun eine wissenschaftlich fundierte Basis insbesondere über den Status des Kupfergehaltes im Boden von exponierten Lagen vor.
Die Auswertung der Bodendaten im Bodenuntersuchungsprogramm zeigt erwartungsgemäß eine hohe Kupferbelastung in Flächen, die bereits seit langer Zeit weinbaulich genutzt werden. Deutlich geringer ist die Kupferbelastung in obstbaulich genutzten Flächen. In Ackerkulturflächen bewegen sich die Kupfergehalte mehrheitlich im Bereich der natürlichen Hintergrundkonzentration. Ein Vergleich der Kupfer-Gesamtgehalte in Bodenproben aus biologisch und konventionell bewirtschafteten Flächen zeigt keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Bewirtschaftungsformen.

Bei der Risikobewertung von Kupfer im terrestrischen Ökosystem wurden sowohl die unterschiedliche Bioverfügbarkeit von Kupfer für Pflanzen und Bodenorganismen, als auch der Einfluss der Bodeneigenschaften auf die Toxizität von Kupfer berücksichtigt. Sowohl die Bioverfügbarkeit, als auch die Toxizität von Kupfer sind abhängig von verschiedenen Bodenparametern wie pH-Wert, Textur, Humusgehalt und Kationenaustauschkapazität (KAK).
Es wurden bodenspezifische PNEC-Werte für Kupfer abgeleitet. PNEC-Werte entsprechen Konzentrationen im Boden, bei denen keine schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt zu erwarten sind und sie liegen in Abhängigkeit von den vorliegenden Bodeneigenschaften zwischen 55 – 155 mg Gesamtkupfer/kg Boden.

In der Praxis bedeuten die Ergebnisse des Projekts, dass aus den Bodenparametern Humusgehalt, pH-Wert, Textur und Kationenaustauschkapazität für jede Fläche in Österreich ein PNEC-Wert für Kupfer im Boden bestimmt werden kann. Zur Beurteilung des Bodens im Hinblick auf ein intaktes Ökosystem kann der PNEC-Wert in weiterer Folge geeignet dem tatsächlich gemessenen Kupfergehalt im Boden gegenüber gestellt werden.

 

Forschungsthema / research topic: Kupfer als Pflanzenschutzmittel
Akronym / Acronym: Forschungsprojekt Nr. 100537 (BMLFUW-LE.1.3.2/0131-II/1/2009)
Projektlaufzeit: 1.1.2010 – 21.12.2012
Projektleitung / project lead: AGES / Mag. Elisabeth Berger MA
Projektpartner / project partner: Im Auftrag von BMLFUW und den 9 österreichischen Bundesländern (BBK-Forschung)
Förderstelle / Forschungsprogramm / funding organisation / research program: Interessensvertretungen der Österreichischen Landwirtschaft (BioAustria, Landwirtschaftskammer Österreich, Österreichischer Weinbauverband,
Bundes-Obstbauverband, Bundes-GemüsebauVerband Österreichs, VÖR Rübenbauern Vertretungs- und Übernahme GesmbH) und Pflanzenschutzmittelindustrie (Kwizda Agro GmbH, Montanwerke Brixlegg AG, Santa Giustina GmbH, Nufarm GmbH & Co KG, Spiess-Urania Chemicals GmbH, UPLtd, W. Neudorff GmbH KG)
Publikationen / publications: www.dafne.at


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