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Pflanze des Monats März 2017: Bärlauch

Changed on: 09.03.2017
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Bärlauch

Der Bärlauch oder Bär-Lauch, umgangssprachlich auch "Waldknoblauch" oder "Knofelspinat" genannt, Allium ursinum L., ist ein Vertreter aus der Familie der Narzissengewächse, Amaryllidaceae. Er ist eine alte Nahrungs- und Gewürzpflanze. Es werden hauptsächlich die im Frühjahr (März bis April) gesammelten frischen Blätter verwendet. Aber auch die Blüten, die sich gegen April und Mai zeigen, können genutzt werden.

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Bärlauch

Der Bärlauch oder Bär-Lauch, umgangssprachlich auch "Waldknoblauch" oder "Knofelspinat" genannt, Allium ursinum L., ist ein Vertreter aus der Familie der Narzissengewächse, Amaryllidaceae. Er ist eine alte Nahrungs- und Gewürzpflanze. Es werden hauptsächlich die im Frühjahr (März bis April) gesammelten frischen Blätter verwendet. Aber auch die Blüten, die sich gegen April und Mai zeigen, können genutzt werden.

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Botanik

Der Bärlauch, Allium ursinum L., ist ein Vertreter aus der Familie der Narzissengewächse, Amaryllidaceae. Es handelt sich um einen ausdauernden Zwiebelgeophyt, der sich nach dem Fruchten wieder in die Erde zurückzieht, wo er bis zum nächsten Frühjahr überdauert.

Die Pflanze wird ca. 20-50 cm groß. Ihre Blätter sind gestielt und einfach gebaut mit einer eiförmigen bis elliptischen Blattspreite. Die ganzrandigen Blätter sind relativ dünn und weich und erscheinen auf der Oberseite glänzend, da die glänzende morphologische Unterseite nach oben gewendet ist.

Die radiärsymmetrischen, sternförmigen Blüten bestehen aus sechs freien, reinweißen Perigonblättern (l=7-12 mm), sechs Staubblättern und einem Griffel mit dreiteiligem Fruchtknoten. Sechs bis zwanzig solcher Blüten sind am Ende des Blühstiels zu einer lockeren, schirmförmigen Dolde vereint.

Der Bärlauch  blüht für gewöhnlich von Mai bis Juni, manchmal auch schon im April. Bärlauch ist vorwiegend selbstbestäubend, kann aber auch von Insekten befruchtet werden. Die entstehende Frucht ist eine dreifächrige Kapsel mit ein bis zwei rundlichen, schwarzen Samen pro Fach.

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Bärlauch: Blätter
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Bärlauch: Blüte
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Bärlauch: Frucht
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Bärlauch: Samen

Verbreitung

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Bärlauch in Thome'sche Flora (1885)

Weltweit gibt es um die 800 Allium-Arten, etwa 20 sind auch in Österreich heimisch.
Anders als seine Verwandten, der Knoblauch, Allium sativum L. und die Zwiebel, Allium cepa L., kommt der Bärlauch, Allium ursinum L. in Mitteleuropa auch natürlich vor. Man findet ihn in ganz Europa sowie in Nordasien häufig bis zerstreut in Auwäldern und lehmig-feuchten Edellaubwäldern. In Österreich kommt er collin (in der Hügelstufe) bis montan in allen Bundesländern vor.

Vermehrung

Gemäß seinem natürlichen Standort fühlt sich der Bärlauch im Halbschatten (= heller Schatten oder durchbrochene Sonne) bis tiefem Schatten wohl, volle Sonne mag er nicht. Am besten gedeiht er unter Laubgehölzen, die nicht allzu früh austreiben.

Was die Wasserversorgung betrifft, sollte man den Untergrund immer feucht halten, Staunässe verträgt er jedoch nicht. Da er natürlicherweise unter Laubbäumen vorkommt, ist es ratsam mit Laub zu mulchen, der Boden sollte jedenfalls humusreich sein.

Die Vermehrung erfolgt am besten zu Beginn des  Austriebs oder nach der Blüte durch Teilung der Zwiebel. Die Zwiebelteile werden dabei im Abstand von 15 cm ca. 4 cm tief gepflanzt. Die ersten 3-4 Jahre nach dem Pflanzen sollte man nur mäßig ernten, damit die Zwiebel gut anwachsen kann. Beim Ernten sollte man daher beachten, dass man ein Blatt an der Pflanze belässt, damit sich die Pflanzen regenerieren können. Eine Zwiebel bildet meist 2-3 Blätter, die man unten am Ansatz abschneiden kann. Wenn der Standort gut passt, breitet sich der Bärlauch später auch durch Selbstaussaat weiter aus.

Im Zeichen der Vielfalt

In der europäischen Datenbank für genetische Ressourcen (http://eurisco.ipk-gatersleben.de) sind 75 Bärlauch-Muster eingetragen, wobei Deutschland die meisten erhält. Im Österreichischen Verzeichnis für genetische Ressourcen (Index Seminum) findet man zwei Erhaltungsmuster von Allium ursinum (www.genbank.at).

Literatur

Bock Hieronymus (1572) Kreütterbuch. Darin underscheidt Namen u. Würckung d. Kreütter, Stauden, Hecken u. Beumen, sampt ihren Früchten, so inn Teutschen Landen wachsen. Straßburg.

Fischer M. A., Oswald K., Adler W. (2008) Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. Auflage. Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz.

Fuchs L. (1543) New Kreüterbuch: http://waimann.de/capitel/282.html

Kubelka W., Länger R. (2001) Phytocodex. Pflanzliche Arzneispezialitäten aus Österreich 2001/2002 Krause und Pachernegg GmbH, Verlag für Medizin und Wirtschaft, Gablitz: www.kup.at/db/phytokodex/index.html

Köhler F.E. (1987) Köhlers Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen und kurz erläuterndem Texte: Atlas zur Pharmacopoea germanica. Botanischer Verlag Franz Eugen Köhler [1883-1914], Gera-Untermhaus.

Till S. (2007) Wildkräuter Delikatessen. Residenz Verlag, St. Pölten - Salzburg.

Wichtl M. (2002) Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart.

www.blumeninschwaben.de

www.genbank.at

www.theplantlist.org

Giftige Doppelgänger

Giftige Doppelgänger

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Maiglöckchen
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Herbstzeitlose
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Aronstab und Bärlauch
Aronstab und Bärlauch
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vielblütiger Weißwurz
vielblütiger Weißwurz
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Tulpenaustrieb
Tulpe

Wichtig ist, dass man sich beim Sammeln sicher ist, dass es sich bei der begehrten Pflanze auch wirklich um den Bärlauch handelt. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Verwechslungen mit dem Maiglöckchen oder der Herbstzeitlosen.

Beim Bärlauch kommen die Blätter mit ihrem Blattstiel einzeln aus dem Boden. Beim Maiglöckchen hingegen wachsen sie paarweise mit einer die beiden Blattstiele umfassenden Blattscheide, die noch dazu oft rötlich gefärbt ist, aus dem Untergrund. Die Blätter des Bärlauchs erscheinen außerdem oberseits glänzend, die des Maiglöckchens glänzen unterseits. Das ist allerdings, vor allem bei feuchtem Klima, nicht immer gut zu erkennen. Bärlauch duftet und schmeckt nach Knoblauch, den Duft können aber auch andere nebenstehende Pflanzen annehmen. Maiglöckchen enthalten herzwirksame Glykoside. Sie führen zu Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Brustbeklemmung. Bei starker Vergiftung kann es zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand kommen.

Wirklich lebensgefährlich ist eine Verwechslung mit der hoch giftigen Herbstzeitlosen. Ihre Blätter kommen, ähnlich wie Tulpen, zu mehreren, unten ineinander gerollt und ohne Blattstiel direkt aus dem Boden. Sie treiben in Büscheln aus dem Erdboden, wobei die jüngeren von den älteren umgriffen werden. Die Blätter der Herbstzeitlose sind biegsam, fast "gummiartig" und knicken im frischen Zustand nicht wie die Blätter des Bärlauchs. Sie haben im Gegensatz zum Bärlauch keinen ausgeprägten Mittelnerv. Sie enthalten das stark giftige Alkaloid Colchicin, das nach Benommenheit, kolikartigen Magenschmerzen, Übelkeit und Schock schließlich zum Tod durch Atemlähmung führt.

Die Blätter des gefleckten Aronstab (Arum maculatum L.) besitzen im Gegensatz zu den parallelen Blattnerven des Bärlauchs eine netznervige Blattäderung. Diese Gitterstruktur ist besonders gut auf der Blattunterseite zu erkennen. Ältere Pflanzen haben deutlich pfeilförmige Blätter, bei jüngeren Pflanzen ist dieses Merkmal noch nicht so ausgeprägt. Der Aronstab schmeckt sehr scharf und verursacht starke Haut- und Schleimhautreizung. Für die toxische Wirkung sollen "flüchtige Scharfstoffe" verantwortlich sein. Die giftige Wirkung des Aronstabs merkt man sofort. Es kommt leicht zu Verätzungen der Mundschleimhaut.

Die vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum L.), auch vielblütiges Salomonssiegel genannt, wächst zu ähnlichen Zeiten und an ähnlichen Plätzen wie der Bärlauch. Die einzelnen Blätter haben eine ähnliche Form wie die des Bärlauchs. Das entscheidende Unterscheidungsmerkmal ist, dass die Blätter wechselseitig am aufrechten Spross sitzen. In der Folge hängen die weißen Blüten dann vom Stängel herab wie kleine Glöckchen. Alle Pflanzenteile sind giftig, vor allem die Beeren, sie enthalten Saponine und andere Giftstoffe.

Die Blätter der giftigen Garten-Tulpe (Tulipa L.-Hybride), die gelegentlich verwildert, können auch mit denen des Bärlauchs verwechselt werden. Die Garten-Tulpe bildet, wenn sie nicht zur Blüte gelangt, nur ein einzelnes Blatt aus, das dem des Bärlauchs ähnlich ist. Wer Bärlauch im Garten kultiviert, sollte daher darauf achten, nicht versehentlich Tulpenblätter mitzuernten. Das Tulpenblatt ist wie das Blatt des Bärlauchs in eine lanzettliche Blattspreite und einen dünnen Blattstiel gegliedert. Die Blätter sind jedoch blaugrün, dick-fleischig mit wachsartigem Überzug. Bereits 15 Minuten nach der Einnahme kann es zu Speichelfluss, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall kommen.

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