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Erbse

Changed on: 28.09.2016

Die Kultur- oder Garten-Erbse, Pisum sativum L., gehört zur Familie der so genannten Schmetterlingsblütler. Die Gattung Pisum umfasst sieben Arten, von denen nur Pisum sativum von wirtschaftlicher Bedeutung ist. Gezüchtete Sorten dieser Kulturart werden heute weltweit angebaut. Sie zählt zu den ältesten Kulturpflanzen. Die Heimat ihrer Stammsippe Pisum syriacum ist das östliche Mittelmeergebiet, Anatolien, Nord-Irak und West-Iran. In Österreich wurden 2014 auf 6.863 ha Körnererbsen kultiviert, um 385 ha (-5,3%) weniger als 2013. Sie lieferten einen Ertrag von 17.436 t. Der Großteil davon wird in Niederösterreich, gefolgt vom Burgenland angebaut. Die Produktion von Grünerbsen stagnierte gegenüber 2013 auf 11.300 Tonnen.

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Die Kultur- oder Garten-Erbse, Pisum sativum L., gehört zur Familie der so genannten Schmetterlingsblütler. Die Gattung Pisum umfasst sieben Arten, von denen nur Pisum sativum von wirtschaftlicher Bedeutung ist. Gezüchtete Sorten dieser Kulturart werden heute weltweit angebaut. Sie zählt zu den ältesten Kulturpflanzen. Die Heimat ihrer Stammsippe Pisum syriacum ist das östliche Mittelmeergebiet, Anatolien, Nord-Irak und West-Iran. In Österreich wurden 2014 auf 6.863 ha Körnererbsen kultiviert, um 385 ha (-5,3%) weniger als 2013. Sie lieferten einen Ertrag von 17.436 t. Der Großteil davon wird in Niederösterreich, gefolgt vom Burgenland angebaut. Die Produktion von Grünerbsen stagnierte gegenüber 2013 auf 11.300 Tonnen.

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Botanik

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Blatt mir Ranken
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Erbsenblüten
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Hülsenfrucht und Samen

Die Kultur- oder Garten-Erbse, Pisum sativum L., gehört zur Familie der Fabaceae/Leguminosae, den so genannten Schmetterlingsblütlern/Hülsenfrüchten.

Die einjährige, sommerannuelle oder überjährige Pflanze wächst mit ihrem relativ dünnen Stängel zu einer kletternden oder niederliegenden Pflanze heran. Ihre paarig gefiederten Blätter laufen in eine verzweigte Wickelranke aus. Die einzelnen Blättchen können eiförmig bis breit elliptisch bzw. zu Ranken umgebildet sein. Die relativ großen und lang gestielten Schmetterlingsblüten entspringen aus den Blattachseln, an denen zwei breite Nebenblätter sitzen.
      
Die längliche Hülsenfrucht enthält 4-10 Samen, auch Erbsen genannt. Die Art Pisum sativum wird heute in drei Unterarten gegliedert, nämlich Pisum sativum subsp. brevipedunculatum (P. Davis & Meikle) Ponert, Pisum sativum subsp. elatius (M.Bieb.) Asch. & Graebn. und die am häufigsten genutzte Kulturform, Pisum sativum subsp. sativum L.

Je nach Verwendung unterscheidet man vier weitere Unterarten bzw. Varietäten innerhalb der Art Pisum sativum subsp. sativum:

  • Die Futter- oder Ackererbse (Pisum sativum L. convar. speciosum (Dierb.) Alef., auch als Pisum arvense oder Pisum sativum subsp. arvense geführt) hat rosa bis violette Blüten und dunkelbraune Samen, die oft auch gefleckt oder punktiert sind. Hauptsächlich verwendet man die geschroteten, reifen Erbsen dieser Unterart als Futtermittel, zudem wird sie als Grünfutter und zur Gründüngung genutzt
  • Die Pal- /Schal- /Brockel- oder Körnererbse (Pisum sativum L. convar. sativum) weist weiße Blüten und gelbe oder grüne Erbsen auf. Sie ist besonders stärkereich und eignet sich daher gut zum Trocknen (Trockenerbse) und anschließendem Kochen
  • Die Samen der Mark- oder Runzelerbse (Pisum sativum L. convar. medullare Alef.) erscheinen im reifen Zustand geschrumpft. Durch ihren Zuckergehalt (6-9 %, fast ausschließlich Saccharose) schmecken sie süß und werden meist als Nasskonserven oder als Tiefkühlprodukt haltbar gemacht
  • Bei den Zuckererbsen oder Zuckerschoten (Pisum sativum L. convar. axiphium Alef.) verwendet man überwiegend die ganzen, fleischigen, süßen Hülsen mit den noch unentwickelten Samen zu Speisezwecken

Daneben gibt es auch noch eine Unterscheidung nach dem Wuchstyp in Blatttyp, Halbblattloser Typ und Rankentyp. Als Körnererbsen werden zumeist Halbblattlose Sorten angebaut. Bei diesem Typ sind die Fiederblättchen zu zusätzlichen Ranken umgebildet, was zu einem zusätzlichen Ineinanderverhaken führt. Im Biolandbau haben dem Blatttyp zuordenbare Sorten wegen der besseren Unkrautunterdrückung Vorteile.

Inhaltsstoffe

Erbsen werden wie die meisten Hülsenfrüchte vor allem wegen ihres hohen Proteingehalts als Gemüse- und Futtermittel geschätzt. Doch enthalten die Samen auch wertvolle Vitamine, darunter Vitamin C und B-Vitamine, hier vor allem Vitamin B1 (Thiamin) und Niacin sowie Vitamin B2 (Riboflavin) und Vitamin B6 (Pyridoxin). Unter den Mineralstoffen sind in bedeutenden Mengen Phosphor, Magnesium und Eisen anzuführen. Die sekundären Pflanzenstoffe β-Carotin, Isoflavonoide (Phytoöstrogene) und Saponine sind ebenfalls zu nennen.

Verwendung einst und heute

Verwendung einst und heute

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Erbse in der Thome'schen Flora (1885)

Der griechische Arzt Dioskurides (1. Jhdt. n. Chr.) schrieb über die Garten-Erbse, Pisum sativum: "Die Gartenerbse ist gut für den Bauch, treibt den Harn, erzeugt Blähungen, macht eine gute Farbe, treibt die Menstruation und die Frucht ab und befördert die Milchabsonderung. Am besten wird sie, mit Wicken zusammengekocht, als Umschlag gegen Hodenanschwellung und Warzen gebraucht, mit Gerste und Honig gegen Krätze und Schorf, Flechten, krebsartige und böse Geschwüre."

Für Speisezwecke können die Erbsen als Nasskonserve oder getrocknet aufbewahrt werden. Letztere müssen vor dem Kochen etwa 12 Stunden eingeweicht werden. Frische Erbsen eignen sich gut zum Einfrieren und werden auch gerne eingekocht. Erbsen sind beliebt als Beilage, in Suppen, im Salat, in Eintöpfen klassisch mit der sogenannten "Einbrenn" oder mit Reis im österreichischen "Risi-Pisi" und vielem mehr.

Die so genannten Zuckerschoten der Zuckererbse werden vor der eigentlichen Reife verwendet, wenn die Hülsen noch flach und die Erbsen noch ganz klein sind. Sie können entweder direkt roh oder leicht gedünstet verzehrt werden.

Erbsen werden aber auch vielfach in der Rinder-, Schweine- und Geflügelfütterung als Eiweißfuttermittel mit 20-26 % Protein in der Trockenmasse genutzt. Dafür können durch eine thermische/druckthermische Behandlung des Erntegutes (Toastung) antinutritive Faktoren wie Tannine neutralisiert werden. Für jede Tierart gibt es spezifische Verfütterungsobergrenzen, etwa 4 kg pro Tier und Tag bei Milchvieh.

Landwirtschaftliche Aspekte

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Landsorte einer Speiseerbse

Erbsen sind eher anspruchslos was das Klima betrifft. Die Keimung der Erbsen erfolgt bereits bei Temperaturen von 1 bis 2 °C. Die Frostempfindlichkeit bzw. Winterhärte der Jungpflanzen liegt je nach Sorte zwischen -4 und -10 °C. Im Allgemeinen sind Wintererbsen weniger empfindlich als Sommererbsen. Eine gute Wasserversorgung ist vor allem zur Blütezeit wichtig, da es sonst zu  Ertragseinbußen durch trockenstressbedingten Blütenfall kommt. Standorte mit weniger als 500 mm Jahresniederschlag sollten daher für den Anbau gemieden werden, wenn zu wenig Winterfeuchtigkeit - als Bodenvorrat gespeichert - zur Verfügung steht.

Erbsen bevorzugen mittelschwere, tiefgründige, gut drainierte Böden ohne Verdichtungen und Staunässe. Für eine optimale Knöllchenbildung sollte der Boden pH-Wert über 6,2 liegen.
      
Beim Anbau unterscheidet man zwischen Körnernutzung und Gemüseformen. Beide Formen werden in der Regel als Drillsaat mit einfachem Getreideabstand 4-6 cm tief auf mittelschweren Böden und 6-8 cm tief auf leichteren Böden gesät. Reihenabstände von 25 bis 30 cm sind ebenfalls möglich, hier besteht die Möglichkeit einer Unkrautregulierung mittels Maschinenhacke. Bei beiden Formen wird ein Anwalzen nach der Saat zur Verbesserung des Bodenschlusses und der Wasserversorgung empfohlen. Ein homogenes nicht zu trockenes Saatbett sorgt hier für einen gleichmäßigen Aufgang.

Der Saattermin der Winterformen sollte so gewählt werden, dass sich bis zur Vegetationsruhe bereits zwei bis vier Blätter gebildet haben. Sie werden in Saatstärken von etwa 80 Körnern/m² bis Mitte Oktober gesät. Bei Sommererbsen sät man 80-90 Körner/m² zwischen Ende Februar bis spätestens Mitte April, wobei hier ein gut abgetrocknetes Saatbett wichtig ist. Aufgrund des hohen Keimwasserbedarfs von Fabaceae-Arten hat eine frühe Saat Anfang/Mitte März den Vorteil, dass sich Blüten und Hülsen früher entwickeln, wodurch die Vegetationszeit besser genutzt wird und in der Regel ein geringerer Trockenstress und Schädlingsbefall zu erwarten sind.

Die Wintererbse blüht Mitte bis Ende Mai, die Sommererbse zwischen Ende Mai und Ende Juni.
Zur besseren Standfestigkeit besteht die Möglichkeit, im Gemenge mit Getreide, etwa Sommergerste oder Triticale, zu säen, wobei 20 % der Saatstärke des Reinbestandes auf Getreide und 80 % auf Erbsen entfallen und mit konventionellen Sämaschinen im Getreideabstand angebaut wird.
 
Da die Erbsen nicht selbstverträglich sind, müssen Anbaupausen von mindestens 6 Jahren eingehalten werden. Aufgrund eines möglichen Auftretens von Ascochyta, Sklerotinia und Botrytis scheiden auch andere Fabaceae-Arten sowie Raps, Lein und Sonnenblumen als Haupt- oder Zwischenfrüchte aus. Man sollte eine Vorfrucht mit guten Unkrautunterdrückungseigenschaften wählen, um die spätere Unkrautbekämpfung zu erleichtern. Die Erbse selbst gilt als gute Vorfrucht für Wintergetreide oder Sommerungen wie z. B. Mais und Zuckerrüben.
 
Wie bei vielen Hülsenfrüchtlern wird die Stickstoffversorgung von sogenannten Knöllchenbakterien (Rhizobium leguminosarum), mit denen die Erbse in Symbiose lebt, sichergestellt. Eine Stickstoffdüngung ist daher nicht notwendig. Bei Phosphor und Kali empfehlen die "Richtlinien für die sachgerechte Düngung (6. Auflage)" 65 kg P2O5/ha und 100 kg K2O/ha (bei Gehaltsstufe C und mittlerer Ertragserwartung). Der optimale pH-Wert des Bodens sollte zwischen 6,2 und 7,0 liegen. Zudem ist auf eine ausreichende Kalkversorgung zu achten.
 
Futtererbsen werden geerntet, sobald der gesamte Pflanzenbestand abgereift und trocken ist, die Hülsen hellbraun und die Körner hart sind. Bei der Wintererbse liegt der Erntetermin für gewöhnlich zwischen Ende Juni und Anfang Juli, bei den Sommererbsen zwischen Anfang Juli und Mitte August. Markerbsen werden noch frisch geerntet sobald die Samen voll ausgebildet sind und dicht an dicht in der Hülse sitzen. Die Zuckererbsen erntet man bereits vor bzw. kurz nach der Bildung der Erbsensamen, wenn die Hülsen noch flach sind.

Die Kornerträge sind stark von den Niederschlägen bzw. der Wasserverfügbarkeit abhängig und sinken bei ausgeprägter Trockenheit während der Vegetationsperiode. Auch Krankheits-, Schädlings- und Virusbefall können das Ertragsniveau deutlich verringern.

Im Zeichen der Vielfalt

Im EU-Sortenkatalog sind aktuell 387 Futtererbsen unter den landwirtschaftlichen Arten sowie 530 Markerbsen-, 105 Schalerbsen- und 77 Zuckererbsen-Sorten unter den Gemüsearten eingetragen. In der Österreichischen Sortenliste findet man unter den zugelassenen mittel- und großsamigen Leguminosen 17 Körnererbsen, drei Wintererbsen und fünf Futtererbsen. Unter den Gemüsearten sind zwei Gemüseerbsen, Haubners Siegerin (wieder eingetragen seit 17.12.2010, war bereits früher in der Sortenliste) und  Rote Erbse von Pischelsdorf (seit 18.12.2013) gelistet.

Die europäische Datenbank für genetische Ressourcen (http://eurisco.ipk-gatersleben.de) führt 22.533 Akzessionen von Pisum sativum an, die meisten Sorten beherbergen die Genbanken in Deutschland, Großbritannien, Tschechien und der Ukraine. Im Österreichischen Verzeichnis für genetische Ressourcen (Index Seminum, www.genbank.at/nationales-verzeichnis.html) findet man 135 Pisum sativum-Akzessionen, von denen 18 als Markerbsen, 11 als Trockenspeiseerbsen, 11 als Zuckererbsen und 6 als Futtererbsen ausgewiesen sind.

Literatur

Berendes J. (1902) Des Pedanios Dioskurides aus Anazarbos Arzneimittellehre in fünf Büchern. Übersetzt und mit Erklärungen versehen. Volltext; Digitalisat: http://www.pharmawiki.ch/materiamedica/

Drangmeister H. (2006) Leguminosen – Ackerbohnen- und Erbsenanbau. D2 Spezieller Pflanzenbau. Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: http://www.oekolandbau.de/fileadmin/redaktion/oeko_lehrmittel/Fachsschulen_Agrar/Landwirtschaft/flw_modul_d/flw_d_02/flwmd02_01neu.pdf

Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Sachsen-Anhalt (2014) Körnererbsen Anbauempfehlung

Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg (2014) Körnererbsen Pisum sativum L. Hinweise zum Pflanzenbau. Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz  Baden-Württemberg (MLR): http://www.ltz-bw.de/pb/site/pbs-bw-new/get/documents/MLR.LEL/PB5Documents/ltz_ka/Service/Schriftenreihen/Hinweise%20zum%20Pflanzenbau/Anbauhinweise%20K%C3%B6rnererbsen.pdf

Fischer M. A., Oswald K., Adler W. (2008) Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. Auflage. Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz.

EU-Sortenkatalog: http://ec.europa.eu/food/plant/propagation/catalogues/database/public/index.cfm?event=homepage

Lebensministerium (2006) Richtlinien für die sachgerechte Düngung. Anleitung zur Interpretation von Bodenuntersuchungsergebnissen in der Landwirtschaft. 6. Auflage: http://www.ages.at/fileadmin/AGES2015/Service/Landwirtschaft/Boden_Datein/Broschueren/SGD_6_Auflage.pdf

Neuner E. (2010) Wintererbse (Pisum sativum ssp. sativum): Produktionskriterien und Versuchsergebnisse im Biologischen Landbau unter pannonischen Klimabedingungen. Diplomarbeit

Österreichische Sortenliste 2015 - Republik Österreich, gemäß Saatgutgesetz 1997. Schriftenreihe 3/2015: http://www.baes.gv.at/fileadmin/user_upload/%C3%96SL_2015_Gesamt.pdf

Statistik Austria (2014) Anbau auf dem Ackerland  2014. Endgültige Ergebnisse. Schnellbericht 1.16.: www.statistik.at/web_de/.../anbau_auf_dem_ackerland_2014_081443.pdf

Statistik Austria (2014) Feldfruchternte 2014. Schnellbericht 1.12.: http://www.statistik.at/web_de/static/feldfrucht-_und_dauerwiesenproduktion_2014_080397.pdf

Statistik Austria (2014) Gemüseernte 2014. Endgültige Ergebnisse 2014 http://www.statistik.at/web_de/statistiken/wirtschaft/land_und_forstwirtschaft/agrarstruktur_flaechen_ertraege/gemuese/080121.html

www.genbank.at

www.naehrwertrechner.de

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