Content currently only available in German

Antibiotika und Resistenzen in Österreich

Changed on: 14.06.2017

Resistenzbildung ist grundsätzlich ein natürlicher Anpassungsmechanismus von Bakterien. Allerdings wird die Resistenzbildung durch den Einsatz von Antibiotika beschleunigt.

Im letzten Jahrzehnt hat sich die Resistenzsituation sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin deutlich verschärft. Eine besonders besorgniserregende Entwicklung liegt dabei in zunehmenden Resistenzraten gegenüber Drittgenerations-Cephalosporinen und Carbapenemen. Drittgenerations-Cephalosporine und Carbapeneme gehören wie das Penicillin zu den ß-Laktamantibiotika, sie haben aber ein deutlich breiteres Wirkungsspektrum und werden deshalb bei schweren Infektionen in Krankenhäusern eingesetzt.

More information

Resistenzbildung ist grundsätzlich ein natürlicher Anpassungsmechanismus von Bakterien. Allerdings wird die Resistenzbildung durch den Einsatz von Antibiotika beschleunigt.

Im letzten Jahrzehnt hat sich die Resistenzsituation sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin deutlich verschärft. Eine besonders besorgniserregende Entwicklung liegt dabei in zunehmenden Resistenzraten gegenüber Drittgenerations-Cephalosporinen und Carbapenemen. Drittgenerations-Cephalosporine und Carbapeneme gehören wie das Penicillin zu den ß-Laktamantibiotika, sie haben aber ein deutlich breiteres Wirkungsspektrum und werden deshalb bei schweren Infektionen in Krankenhäusern eingesetzt.

More information

Mensch

caption
Humane Salmonella-Erstisolate, Österreich, 1983 – 2016

Resistenz von Salmonella spp. und Campylobacter spp. beim Menschen

Salmonella spp.

Salmonellen-Infektionen sind in Österreich die nach Campylobacter zweithäufigste Ursache von bakteriell verursachten Durchfallerkrankungen. Die Zahl der gemeldeten Fälle sowie die Anzahl der an die Nationale Referenzzentrale für Salmonellen in Graz gesandten humanen Salmonella-Isolate sind in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen, wobei diese Abnahme nahezu ausschließlich auf den Rückgang des – vor allem aus dem Geflügel-Bereich stammenden – Serotypen Salmonella Enteritidis zurückzuführen ist (siehe Abbildung 1).

Maßnahmen bei Geflügel, insbesondere die verpflichtende Salmonellen-Impfung bei Lege- und Masthühnern sind – neben den verstärkt durchgeführten Ausbruchserhebungen – hauptverantwortlich für diesen Rückgang.

Die Resistenzraten sind bei Salmonellen in den letzten Jahren durchwegs angestiegen (siehe Tabelle 1), wobei diese Zunahme durch eine konstant bleibende Anzahl an resistenten Stämmen (z. B. bestimmte Subtypen von Salmonella Typhimurium) bei gleichzeitiger Abnahme der meist voll empfindlichen Salmonella Enteritidis-Isolate bedingt ist.

Tabelle 1: Resistenzanteil aller humanen Salmonella-Erstisolate, Österreich, 2006 – 2016
Antibiotikum2000-20062007200820092010201120122013201420152016
% (n)% (n)% (n)% (n)% (n)% (n)% (n)% (n)% (n)% (n)% (n)
Ampicillin (A)5,07,211,312,913,812,717,315,114,613,412,6
Chloramphenicol (C)1,82,93,92,62,84,03,53,72,82,12,4
Streptomycin (S)4,2610,510,612,413,118,318,4---
Sulfonamide (Su)3,96,910,51113,413,517,717,516,715,514,8
Tetracyclin (T)4,67,91211,614,914,819,518,317,415,614,9
Tigecyclin (Tig)--------0,5 (8)0,3 (%)0
Trimethoprim (Tm)1,22,12,12,13,42,83,33,03,52,12,6
Gentamicin (G)0,30,40,60,61,30,92.01,91,91,21,2
Kanamycin (K)0,70,510,60,70,61,00,5---
Nalidixinsäure (Nx)5,64,614,26,510,411,116,417,719,121,913,2
Ciprofoxacin (Cp) High-Level-Resistenz0,1 (37)0,1 (6)0,3 (9)0,3 (8)0,9 (19)0,7 (15)1,1 (20)1,0 (15)1,5 (25)1,0 (16)0,8 (12)
Ciprofoxacin (Cp) Low-Level-Resistenz (Pefloxacin)--------18,421,313,5
Cefotaxim (Ctx)0,1 (28)0,1 (4)0,2 (6)0,3 (9)0,4 (8)0,7 (16)0,6 (11)0,7 (10)0,9 (16)0,4 (7)0,5 (8)
Ceftazidim (Caz)--------0,9 (15)0,4 (6)0,5 (7)
Meropenem (M)--------000
Multiresistent3,45,710,09,811,912,516,715,15,94,54,3
Gesamtzahl50.0344.0503.1962.8292.2102.2351.8881.4951.7161.6301.480

 

Ein zunehmendes Problem stellen – vor allem aus dem Masthühner-Bereich stammende – mehrfach resistente Salmonella Infantis-Isolate dar. Während der Anteil der mehrfach resistenten Stämme dieses Serotyps vor einigen Jahren noch bei etwa 10 % lag, wiesen 2016 nahezu 70 % aller humanen Salmonella Infantis-Isolate eine Mehrfachresistenz auf (siehe Tabelle 2).

Tabelle 2: Resistenzanteil der humanen Salmonella Infantis Erstisolate, Österreich, 2006 – 2016
JahrGesamtanzahl humane ErstisolateAnzahl mehrfach-resistent% mehrfach-resistent
2000-20063834110,7
2007361336,1
2008551323,6
200958712,1
2010753141,3
2011692637,7
2012784253,8
2013714462
2014705172,9
2015735169,9
2016684769,1

Campylobacter spp.

Das Bakterium Campylobacter zählt zu einem der häufigsten bakteriellen Erreger von Gastroenteritis und gilt zudem als wichtiger Erreger von Reisediarrhoe. In Österreich wurden 2016 7.086 Fälle von Campylobacteriose gemeldet (Statistik meldepflichtiger Infektionskrankheiten, Endgültiger Jahresbericht 2016).
Die Referenzzentrale für Campylobacter führt jährlich Resistenztestungen von humanen Campylobacter-Isolaten durch; Ergebnisse zur Antibiotikaresistenz werden im Jahresbericht der Nationalen Referenzzentrale und im österreichischen Resistenzbericht (AURES) veröffentlicht.

C. jejuni und C. coli sind die beiden am häufigsten auftretenden Campylobacter-Arten, bei beiden ist eine sehr hohe Fluorochinolon-Resistenz (2016: C. jejuni 72,5 %, C. coli 81,4 %) und eine hohe bis sehr hohe Tetrazyklin-Resistenz (2016: C. jejuni 41,4 %, C. coli 65,1 %) feststellbar. Resistenz gegenüber Makroliden wird in nennenswertem Ausmaß lediglich bei C. coli (2016: 2,3 %) festgestellt.

Tier & Lebensmittel

caption
Abbildung 2: Nachweis von ESBL-/AmpC-bildenden E. coli in Rind und Mastschwein, Österreich 2015, Angaben in Prozent
caption
Abbildung 3: Nachweis von ESBL-/AmpC-bildenden E. coli in Masthuhn und Mastpute, Österreich 2016, Angaben in Prozent

Monitoring der Antibiotikaresistenz bei Zoonose-Erregern und kommensalen Bakterien in lebensmittelerzeugenden Tierpopulationen sowie deren Lebensmitteln

Seit 2004 werden entsprechend der EU-Richtlinie 2003/99/EG vom BMGF in Zusammenarbeit mit der AGES und den Gesundheitsbehörden der Länder jährlich Monitoring-Programme bei Nutztieren (Huhn, Pute, Rind, Schwein) durchgeführt, mit dem Ziel, die Prävalenz und antimikrobielle Empfindlichkeit bestimmter Zoonose-Erreger und Indikatorbakterien festzustellen. Gemäß dem Durchführungsbeschluss der Kommission (2013/652/EU) müssen seit 2014 die Antibiotikaresistenz von zoonotischen und kommensalen Bakterien aus lebensmittelerzeugenden Tierpopulationen sowie von Tieren stammende Lebensmittel auf ESBL und Carbapenemase bildende E. coli und deren Resistenzverhalten überwacht werden. Im Zweijahres-Rhythmus werden alternierend Masthuhn/Mastpute/frisches Hühnerfleisch und Rind unter 1 Jahr/Mastschwein/frisches Rindfleisch/frisches Schweinefleisch beprobt.

Indikator-E. coli und ß-Laktamase- (ESBL, AmpC) oder Carbapenemase-bildende E. coli

Gemäß dem Durchführungsbeschluss der Kommission (2013/652/EU) werden jährlich repräsentative Stichproben geschlachteter Tiere (Darminhalte) sowie unterschiedliche Herstellungschargen von Frischfleisch der jeweiligen Tierart aus dem Einzelhandel auf Indikator E. coli (nur Schlachttiere) sowie ß-Laktamase- (ESBL, AmpC) oder Carbapenemase-bildende E. coli (Schlachttiere und Frischfleisch) untersucht.

Rind und Schwein

Im Jahr 2015 wurden bei 163 Indikator-E. coli-Isolaten aus Darminhalten von Mastschweinen hohe Resistenzen gegenüber Tetrazyklin (47 %) und Sulfonamiden (23 %) sowie mäßige Resistenz gegenüber Ampicillin (13 %) und Trimethoprim (10 %) festgestellt (Resistenzbericht Österreich, AURES 2015).

Zusätzlich wurden 2015 mittels Selektivanreicherungsverfahren 257 Caecum (Blinddarm)-Proben von Mastschweinen, 224 Proben von frischem Schweinefleisch und 234 Proben von frischem Rindfleisch auf ESBL/AmpC-bildende E. coli untersucht. ESBL-/AmpC-bildende E. coli konnten in 52,1 % der Mastschweine-Caeca, in 9,0 % der Schweinefleischproben und in 3,0 % der Rindfleischproben nachgewiesen werden (Abb. 2) (Resistenzbericht Österreich, AURES 2015). Carbapenemase-bildende E. coli konnten in keiner der untersuchten Proben (247 Caecum-Proben von Mastschweinen, 216 Proben von frischem Schweinefleisch und 226 Proben von frischem Rindfleisch) nachgewiesen werden.

Huhn und Pute

Bei 170 Indikator-E. coli Isolaten, gewonnen aus Darminhalten von 170 Masthühnerherden im Jahr 2016, wurden folgende Resistenzanteile gefunden: Chinolone 47,6 %, Sulfonamide 37,1 %, Ampicillin 32,9 %, Trimethoprim 29,4 % und Tetrazyklin 22,3 %. Ein Drittel der Isolate (32,9 %) waren zudem mehrfach resistent (resistent gegen drei oder mehr Antibiotikaklassen). Von 154 Indikator-E. coli Isolaten aus Mastputen waren 40,9 % resistent gegenüber Tetrazyklin, 31,8 % gegenüber Ampicillin, 22,7 % gegenüber Chinolonen und 18,2 % gegenüber Sulfonamiden. 22,7 % der Isolate waren mehrfachresistent. Ein Drittel der Masthuhn-Isolate (33,5 %) und 42,2 % der Mastputenisolate waren gegenüber allen getesteten Antibiotikaklassen empfindlich (vorläufige Daten, unveröffentlicht).

Mittels Selektivanreicherungsverfahren wurden im Jahr 2016 306 Caecum-Proben von Masthühnerherden und 183 Caecum-Proben von Mastputenherden sowie 300 Proben von frischem Hühnerfleisch auf ESBL/AmpC-bildende E. coli untersucht. ESBL-/AmpC-bildende E. coli wurden in 52,3 % der Proben von Masthühnern und in 43,7 % von Mastputen nachgewiesen (Abb. 3). Die Nachweisrate im Hühnerfleisch betrug 63,7 %. Carbapenemase-bildende E. coli konnten in keiner der untersuchten Proben nachgewiesen werden (vorläufige Daten, unveröffentlicht).

Campylobacter spp.

2016 wurden 174 C. jejuni-Isolate aus Masthühner-Caeca und 55 C. jejuni-Isolate aus Mastputen-Caeca auf Empfindlichkeit gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen untersucht. 20,1 % der Masthühnerisolate und 10,9 % der Mastputen-Isolate waren gegenüber allen getesteten Antibiotikaresistenzklassen empfindlich. In Campylobacter jejuni aus Masthühnern wurde eine sehr hohe Resistenz gegenüber Ciprofloxacin (77,6 %) und eine hohe Resistenz gegenüber Tetrazyklin (50 %) festgestellt. In Mastputen-Isolaten betrug die Resistenz gegenüber Ciprofloxacin 74,5 % und jene gegenüber Tetrazyklin 54,5 % (vorläufige Daten, unveröffentlicht).

Salmonella spp.

2016 wurden insgesamt 236 aus Bekämpfungsprogrammen von Legehennen, Masthühnern und Puten stammende sowie 36 im Rahmen der Eigenkontrolle der Schlachthöfe gewonnene Salmonella-Isolate auf Empfindlichkeit gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen untersucht.

84,4 % der 46 Salmonella-Stämme von Legehennen waren gegenüber allen getesteten Antibiotikaresistenzklassen empfindlich. Von den insgesamt 179 Salmonella-Isolaten von Masthühnern gehörten 104 dem Serotyp Salmonella Infantis an. Diese wiesen in 91,4 % eine Mehrfachresistenz auf. Die restlichen von Masthühnern stammenden Isolate waren durchwegs voll empfindlich. Drei der elf in Putenherden nachgewiesenen Isolate waren mehrfach resistent.

Von den insgesamt 36 im Rahmen der Eigenkontrolle der Schlachthöfe gewonnene Salmonella-Isolate gehörten 17 dem Serotyp Salmonella Infantis an (15 davon mehrfach resistent). Die restlichen von Eigenkontrollen stammenden Isolate waren durchwegs voll empfindlich (vorläufige Daten, unveröffentlicht).

Tierhaltung

Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung

Gemäß Tierschutzgesetz ist ein Tierhalter verpflichtet, wenn erforderlich tierärztliche Hilfe heranzuziehen und Behandlungen erkrankter Tiere zu veranlassen. Eine Behandlung von bakteriellen Infektionen mit Antibiotika wird auch durchgeführt, um größeren wirtschaftlichen Schaden (Totalverlust durch Verenden des Tieres, temporäre oder bleibende Leistungseinbußen, Gefahr der Ausbreitung der Erkrankung im Bestand und darüber hinaus in weitere Bestände und in Folge Gefährdung der Gesundheit der VerbraucherInnen) zu vermeiden.

Die Feststellung, dass eine bakterielle Infektion vorliegt, muss ein Tierarzt treffen. Antibiotika zur Behandlung von Tieren sind in Österreich ohne Ausnahme rezeptpflichtige Tierarzneimittel, ihre Anwendung ist prinzipiell dem Tierarzt vorbehalten. Im Rahmen eines Betreuungsverhältnisses im Tiergesundheitsdienst kann der Tierarzt den Tierhalter in die Nachbehandlung einbinden.

Antibiotika werden auch zur Verhinderung der Ausbreitung zu erwartender bakterieller Infektionen eingesetzt. Beispiele für einen solchen Antibiotikaeinsatz sind die gleichzeitige Behandlung von erkrankten und (noch) nicht erkrankten, aber wahrscheinlich bereits infizierten Tieren in einem Bestand oder einer Tiergruppe.

Gemäß der EU-Bioverordnung darf der Tierarzt in einem Bio-Betrieb alle Tierarzneimittel einsetzen. Erforderlichenfalls dürfen zur Behandlung auch Antibiotika verwendet werden, allerdings mit der Folge, dass die gesetzliche Wartezeit (Zeit, die nach der letzten Verabreichung eines Arzneimittels an ein Tier bis zum Zeitpunkt der Herstellung von Lebensmitteln aus diesem Tier einzuhalten ist) zu verdoppeln ist. Die Häufigkeit der Behandlungen ist für Biotiere begrenzt. Tiere, die kürzer als ein Jahr leben, dürfen maximal einmal behandelt werden. Alle anderen Tiere dürfen maximal drei Antibiotika-Behandlungen innerhalb eines Jahres erhalten.

Vorbeugemaßnahmen können bakterielle Infektionen und damit den Einsatz von Antibiotika reduzieren. Dazu gehören einerseits die Optimierung der Tierhaltung (Stallbau, Stallklima), Optimierung des Managements (geschlossene Tierbestände, Hygienemaßnahmen etc.), aber auch Impfungen.

Bundesministerium für Gesundheit und Frauen - Antibiotikaresistenz

Tierärztekammer

Tiergesundheitsdienste

Veterinärantibiotika

In Österreich zugelassene Veterinärantibiotika für Nutztiere (Lebensmittel liefernde Tiere)

In Österreich sind derzeit 305 Tierarzneimittel zur Anwendung bei Nutztieren zugelassen, die folgende antibiotische Wirkstoffe enthalten: Aminoglykoside, Ansamycine-Rifamycine, Cephalosporine der 1. und 2. Generation, Cephalosporine der 3. und 4. Generation, Lincosamide, Makrolide, Penicilline, Polymyxine, Amphenicole, Pleuromutiline, Fluorchinolone, Sulfonamide, Sulfonamide+Trimethoprim, Tetracycline.

Die AGES Medizinmarktaufsicht überprüft im Zuge der nationalen Zulassungs- und Verlängerungsverfahren von Antibiotika die Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität des Arzneimittels und entscheidet nach vorliegendem Nutzen-Risiko-Profil über die Zulassung bzw. die Verlängerung der Zulassung. Eine eingehende Prüfung der Wirksamkeit und Sicherheit einschließlich der Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier und der Risiken für die Umwelt, die von bakteriellen Resistenzen ausgehen können, wird vorgenommen.

In den vergangenen fünf Jahren wurden die Zulassungen von mehr als 80 antimikrobiellen Veterinärarzneimitteln für Nutztiere aus Gründen wie mangelnder Wirksamkeit zusammen mit einem hohen Risiko zur Resistenzausbreitung, obsoleten Kombinationen von Wirkstoffen oder Mängeln in der Herstellung (Qualität) sowie aus wirtschaftlichen Gründen aufgehoben.

BASG/AGES-MEA Arzneispezialitätenregister

BMGF: Informationen für Tierärzte

Eindämmung

Maßnahmen zur Eindämmung von Antibiotika in der Nutztierhaltung

Da der Anteil an resistenten Erregern in den vergangenen Jahren gestiegen ist, wurden Maßnahmen zur Vermeidung der weiteren Entwicklung und Ausbreitung antimikrobieller Resistenzen ergriffen und verstärkte Bemühungen in vorbeugende Maßnahmen gelegt:

  • Verbot antibiotischer Leistungsförderer in der EU seit 2006
  • keine Anwendung von Antibiotika zur Prophylaxe
  • Einschränkungen hinsichtlich der oralen Anwendung von Antibiotika zur Behandlung ganzer Tierbestände (zahlreiche Aufhebungen von Arzneimittel-Vormischungen in den vergangenen Jahren)
  • keine Zulassung von Antibiotika für bestimmte Anwendungsarten wie z. B. als „top dressing“ (zum Aufstreuen auf das Futter)
  • Einschränkung der Anwendung von Fluorchinolonen (keine Anwendung bei Salmonellen-Infektionen von Nutz- und Kleintieren)
  • Beschränkung der Packungsgrößen auf die für die Behandlung erforderliche Mindestmenge
  • Aufnahme von Warnhinweisen für eine sorgfältige Anwendung von Antibiotika („prudent-use“) in Fach- und Gebrauchsinformation (z. B. Anwendung auf Basis einer Empfindlichkeitsprüfung)
  • Empfehlungen in Fach- und Gebrauchsinformation zur gleichzeitigen Verbesserung des Stallmanagements (Hygiene, Belegung, Belüftung)
  • Aufhebung der Zulassung von obsoleten Antibiotika-Kombinationsprodukten, von denen die Gefahr einer Resistenzentwicklung/-ausbreitung auf breiter Ebene ausgeht
  • Aufhebung bzw. Ablehnung der Zulassung von Antibiotika mit kritischer Resistenzsituation bzw. nicht ausreichender Wirksamkeit
  • Vermehrte Zulassung von Impfstoffen zur Vorbeugung gegen bakterielle Infektionskrankheiten

Mit dem Nationalen Aktionsplan zur Antibiotika-Resistenz (NAP-AMR) und dem Österreichischen Antibiotikaresistenz-Bericht AURES verfolgt das Bundeministerium für Gesundheit und Frauen in der Human- und Tiermedizin ein gemeinsames Konzept zur Eindämmung der antimikrobiellen Resistenzen. Die Leitlinien für den sorgfältigen Umgang mit antibakteriell wirksamen Tierarzneimitteln gelten sowohl für die Behandlung bakteriell bedingter Erkrankungen von landwirtschaftlichen Nutztieren als auch von Individual-, Klein- und Heimtieren. Die Leitlinien treffen ebenso für die antibiotische Behandlung von Tieren mit umgewidmeten Humanarzneispezialitäten zu. Dem Ziel einer genauen  Erfassung des Verbrauchs von Antibiotika in der Nutztierhaltung dient seit 2015 die Umsetzung der Antibiotika-Mengenströme-Verordnung (BGBl. II Nr. 83/2014), im Zuge derer sowohl der Vertrieb von antimikrobiellen Substanzen durch Firmen wie, ab 2016, auch die Abgabe durch Tierärzte aufgezeichnet wird.

x