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Nationale Referenzzentrale für Pest

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Changed on: 08.04.2019

Diagnostik

Die Anzucht von Pestbakterien stellt prinzipiell kein sonderliches Problem dar. Die Kultivierung von Y. pestis erfordert jedoch die Infrastruktur einer BSL-3 Laborsicherheitsstufe. Zudem können Pesterreger durch die kommerziell erhältlichen Identifikations-Systeme nicht zuverlässig identifiziert werden, sodass die Gefahr von Fehldiagnosen besteht.

Bei bestehendem „Pestverdacht“ sind die Proben einem Labor mit der entsprechenden Sicherheitsstufe zuzuführen, in Österreich der Nationalen Referenzzentrale für Pest. Neben der Kultur steht hier die diagnostische Möglichkeit einer qualitätsgesicherten molekularbiologischen Untersuchung mit einem Vorliegen eines Ergebnisses binnen weniger Stunden zur Verfügung.

Für die Labor-Diagnostik sind folgende Methoden geeignet:

  • Erregerisolierung (kulturell) aus But, Sputum, Lymphknotenaspirat oder anderen klinischen Materialien. Eine in-vitro Resistenztestung sollte durchgeführt werden.
  • Nukleinsäure-Nachweis aus But, Sputum, Lymphknotenaspirat oder anderen klinischen Materialien.

Symptomatik

Die Inkubationszeit nach einem infektiösen Flohbiss beträgt 2-5 Tage, kann aber zwischen wenigen Stunden bis zu zwölf Tagen variieren. Die primäre Lungenpest hat eine sehr kurze Inkubationszeit von maximal 2-3 Tagen.

Bei der klinischen Symptomatik lassen sich je nach Stadium/Schweregrad/Verlauf folgende Formen unterscheiden:

Bubonenpest:
Am häufigsten wird die Krankheit im Stadium der Bubonenpest diagnostiziert. Üblicherweise beträgt die Inkubationszeit nach einem infektiösen Flohbiss 2-5 Tage, sie kann aber zwischen wenigen Stunden bis zu zwölf Tagen variieren. Erste Symptome wie Schüttelfrost und ein rapider Temperaturanstieg auf oft über 40 °C treten plötzlich auf. Bei der klinischen Untersuchung findet sich oft eine Lymphknotenvergrößerung (1-10 cm) im Drainagebereich der Flohbiss-Stelle. Während die Biss-Stelle üblicherweise unauffällig ist und sich typischerweise auch keine Lymphangitis findet, sind andere Hautveränderungen in der Region der befallenen Lymphknoten durchaus häufig. Hierzu zählen Pusteln, Vesikel, Papeln oder auch kleine Geschwüre. Untersucht man diese Veränderungen, finden sich dort üblicherweise Leukozyten und Pest-Bakterien. Nach circa einer Woche kann es zu eitrigen Einschmelzungen, ggf. auch mit Fistelbildung nach außen, kommen.

Pestsepsis:
Bei hämatogener Streuung finden sich auch häufig Vergrößerungen intestinaler Lymphknoten (Bauchschmerzen) und eine Hepatosplenomegalie. Als Hautsymptom findet sich häufig eine Purpura; die Einblutungen können auch größere Areale betreffen und in der Folge zu Nekrosen und Gangrän führen. Vermutlich aufgrund der zunehmend dunkleren Verfärbung dieser Areale erhielt die Krankheit den Namen „der schwarze Tod“. Im Extremfall finden sich foudroyante Verlaufsformen mit hoher Bakteriämie und einem Fehlen jeglicher Lymphknotenvergrößerungen.

Lungenpest:
In der Folge einer Bubonenpest kann sich eine sekundäre Lungenpest entwickeln. Hierbei lösen die Erreger eine Pneumonie aus, die zu Husten und Auswurf blutig tingierten (und hochinfektiösen) Schleims und im Weiteren auch zur Zerstörung von Lungengewebe führt.

Erfolgt die Pestinfektion durch direkten Kontakt mit infektiösen (Husten-)Tröpfchen (auch von Haustieren wie z. B. Katzen mit Lungenpest), ist die Folge eine primäre Lungenpest. Diese hat eine sehr kurze Inkubationszeit von maximal 2-3 Tagen und eine hohe Letalität. Circa 24 Stunden nach der initialen Symptomatik mit hohem Fieber, Schüttelfrost und starken Kopfschmerzen treten die ersten Hustenattacken auf. Sehr bald gesellt sich blutiger Auswurf dazu (hellrot/schaumig, „Himbeersirup/-gelee“). Viele der Patienten versterben unter dem Bild einer fulminanten Pneumonie. Es gibt Berichte über Einzelfälle, in denen Patienten innerhalb eines Tages nach Exposition erkrankt und verstorben sind.

Spezielle Verlaufsformen der Pest:
Die Pharynxpest tritt bei oraler Übertragung auf, dabei dominieren Halsschmerzen das klinische Bild. Die Pestmeningitis entwickelt sich zumeist bei unzureichender Therapie der Bubonenpest. In Endemiegebieten kann es durch Immunität zur sogenannten „Pestis minor“ kommen, dabei erkranken Infizierte nur leicht.

Therapie

Die Pest kann mit Antibiotika gut behandelt werden. Die intravenöse Therapie sollte aber so bald wie möglich (innerhalb 24 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome) begonnen werden und über 10 bis 14 Tage, oder bis 48 Stunden nach Entfieberung gegeben werden. An Pest erkrankte Personen sollten stationär in einem Krankenhaus aufgenommen werden. Patienten mit Lungenpest müssen isoliert werden.

Für die antibiotische Behandlung werden derzeit vor allem Doxycyclin oder Ciprofloxacin (jeweils in der Standarddosierung) intravenös über zumindest 10 Tage empfohlen (https://www.cdc.gov/plague/healthcare/clinicians.html),

Robert Koch Institut: Ratgeber für Ärzte

Isolierung

Ein Verdachtsfall auf Lungenpest bedeutet einen hohen organisatorischen Aufwand und spezielle Anforderungen an die Versorgungskette (Erstversorgung – Transport – Krankenhaus). Die Unterbringung eines Patienten mit Lungenpest(-verdacht) sollte nach dem Prinzip der strikten räumlichen Isolierung erfolgen, d. h. in einem Zimmer, das mit einer Schleuse versehen ist, über eine eigene mit entsprechenden Filtern versehene Klimaanlage verfügt und in dem Unterdruckbedingungen aufrecht erhalten werden können, sodass keine Keime aus diesem Bereich entweichen können. Das betreuende Personal sollte in den Maßnahmen der Quellen- und Schutzisolierung entsprechend geschult sein und diese auch peinlich genau befolgen. Diese Form der Isolierung ist für zumindest 48 h nach Beginn einer adäquaten antibiotischen Therapie bzw. bis zum Vorliegen negativer Sputumkulturen aufrecht zu halten. Das Zimmer muss derart gestaltet sein, das es nach Verlegung des Patienten auch entsprechend aufbereitet werden kann.  

Prävention

  • Es gibt keine Schutzimpfung: Es wurden in der Vergangenheit mehrere, schlecht wirkende, Impfungen gegen Pest erprobt. Derzeit ist in Österreich – so wie in den meisten Ländern - kein zugelassener Impfstoff gegen Pest verfügbar.
  • Präexpositionelle Chemoprophylaxe: Eine präexpositionelle Chemopropylaxe kann bei bekannter aktueller Gefährdung sinnvoll sein (Ciprofloxacin oder Doxycyclin), z. B. für Pflegepersonen von an Lungenpest Erkrankten.
  • Postexpositionelle Chemoprophylaxe: Personen mit engem Kontakt zu Erkrankten mit Lungenpest (z. B. Angehörige, Freunde, Mitarbeiter, (ungeschütztes) Personal medizinischer Versorgungseinrichtungen und des Krankentransportwesens) erhalten eine Chemoprophylaxe für 7 Tage und werden für diesen Zeitraum unter Beobachtung auf das Auftreten von Fieber oder Husten gestellt. Für die Chemoprophylaxe stehen folgende Medikamente zur Verfügung: Gyasehemmer (z. B. Ciprofloxacin 2 x 500 mg/Tag); Doxycyclin (2 x 100 mg/Tag). Eine Isolation von Kontaktpersonen, die unter Prophylaxe stehen, ist nicht notwendig; Kontaktpersonen, die Fieber oder Husten entwickeln, sollten sofort therapeutisch, d. h. über 10 Tage behandelt werden. Falls Kontaktpersonen die Chemoprophylaxe verweigern, sollten sie für 6 Tage in einer geeigneten Einrichtung isoliert und auf das Auftreten von Fieber und Husten beobachtet werden. Die Internationalen Gesundheitsvorschriften sehen eine Absonderung für Reisende über maximal 6 Tagen vor.

Kontakt:

Privatdozent Mag. Dr. Alexander Indra
Telefon: +43 50 555-37230
Währingerstraße 25a
1096 Wien
humanmed.wienno@Spam@agesno.Spam.at


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