Sida hermaphrodita (L.) Rusby

Sida hermaphrodita (L.) Rusby
Eine Biene auf dem Blütenstand der Sida hermaphrodita (L.) Rusby

Sida hermaphrodita (L.) Rusby, kurz Sida, ist an der Ostküste Nordamerikas beheimatete, mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Sida entwickelt zahleiche bis zu 250 - 350 cm lange Stängel. Die runden Stängel sind anfangs hellgrün, erreichen einen Durchmesser von ca. 15 - 20 mm und sind im oberen Teil verzweigt.

Ab dem zweiten bis dritten Jahr entsteht ein robuster Strauch mit 8-12 Stängeln und einem gut entwickelten Wurzelsystem. Von Ende Juni bis Ende September bilden sich immer wieder neue weiße Blüten, welche den blütenbesuchenden Insekten als Nahrungsressourcen zur Verfügung stehen.

Am Ende des Vegetationsjahres fallen die Blätter ab und harte, markhaltige, braune Stängel mit einem geringen Feuchtigkeitsgehalt bleiben am Feld stehen.

Sida hat nur geringe Bodenansprüche und wächst auch in ackerbaulichen Randlagen. Die Pflanzen mit starkem Wurzelsystem können zudem zeitweilige Trockenheit und Winterkälte von bis zu - 35°C problemlos überstehen.
Nach JABLONSKI und KOLTOWSKI (2004) bevorzugt Sida wärmere, windgeschützte Lagen. Ungeeignet sind extrem saure bzw. stark steinige Böden sowie Böden die Staunässe aufweisen (USTAK, 2008).

 

 

Sida-Wurzelstock mit Stängelanlagen für das kommende Vegetationsjahr (Frühjahr)
Sida-Wurzelstock mit Stängelanlagen für das kommende Vegetationsjahr (Frühjahr)
Sida-Wurzelstock
Sida-Wurzelstock

Rohstoffproduktion

Bestandesbegründung / Kulturführung

In Österreich gibt es vereinzelt bereits praktische Erfahrungen mit Sida. In den letzten Jahren haben erste Pioniere einige Bestände in Nieder-, Oberösterreich und in der Steiermark angelegt.
Derzeit erfolgt die Bestandesbegründung fast zur Gänze über die Auspflanzung von vorgezogenen Jungpflanzen, was sehr kostenintensiv ist. Laut USTAK (2008) ist auch eine Aussaat möglich, wobei  eine Aussaat im Frühjahr (Mitte bis Ende April) oder im Herbst (Ende Oktober bis Anfang November) möglich ist.

Erfahrungen haben allerdings gezeigt, dass eine praxistaugliche Aussaat aufgrund noch nicht optimierter bzw. fehlender Saatgutqualitäten bis dato nicht praktikabel ist (HÖLLER, 2012). REMLEIN-SAROSTA und NIJDAK (2007) sehen das Problem in der vielfach schlechten Keimfähigkeit. Zur Verbesserung der Feldaufganges wird daher vorbehandeltes Saatgut benötigt.

Im Glashaus vorgezogene Sidapflanze zum Zeitpunkt der Auspflanzung
Im Glashaus vorgezogene Sidapflanze zum Zeitpunkt der Auspflanzung
Sida - Jungpflanzen im ersten Etablierungsjahr
Sida - Jungpflanzen im ersten Etablierungsjahr


Aufgrund des langsamen Jungendentwicklung ist im ersten Jahr eine intensive mechanische Unkrautbekämpfung (zwischen und innerhalb der Reihen) notwendig. Bei starker Verunkrautung durch Gräser (Quecke) wird eine chemische Unkrautbekämpfung empfohlen. Ab dem 2. Vegetationsjahr ist keine Unkrautbekämpfung mehr notwendig (USTAK, 2008; HÖLLER, 2012).
Gegen Krankheiten und Schädlinge sind die Pflanzen nur wenig anfällig (BORKOWSKA et al., 2009; HÖLLER, 2012).

Ernte

Die Ernte erfolgt mit der herkömmlichen Maiserntetechnik (Feldhäcksler mit reihenunabhängigem Schneidwerk). Der Erntezeitpunkt beeinflusst maßgeblich die Biomasseeigenschaften und bestimmt die weitere energetische Nutzung.

Sida-Ernte mit einem Feldhäcksler; reihenunabhängiges Schneidwerk
Sida-Ernte mit einem Feldhäcksler; reihenunabhängiges Schneidwerk
Sida-Ernte mit einem Feldhäcksler; reihenunabhängiges Schneidwerk
Sida-Ernte mit einem Feldhäcksler; reihenunabhängiges Schneidwerk
Sida-Pflanzen bei der Parzellenernte
Sida-Pflanzen bei der Parzellenernte

Aufbereitung

In der Regel ist die Aufbereitung von halmgutartiger Biomasse zu Pellets möglich, es liegen jedoch noch keine Erfahrungen für Sida vor. Generell können durch mechanische Aufbereitungsschritte wie richtige Zerkleinerung und Kompaktierung die brennstofftechnischen Eigenschaften wesentlich verbessert werden.

Günstige Dosierung, geringe Staubemissionen, hoher Wirkungsgrad des Kessels und störungsfreier Betrieb mit hohem Nutzungsgrad werden mit pelletierten, hochstandardisierten Brennstoffen am ehesten erreicht.

Sida-Häckselgut im Detail
Sida-Häckselgut im Detail
Sida-Häckselgut beim Abkippen in der Lagerhalle (große Kubaturen, geringe Schüttdichte)
Sida-Häckselgut beim Abkippen in der Lagerhalle (große Kubaturen, geringe Schüttdichte)
Sida-Häckselgut bei der Lagerung in der Gärtnerei Höller
Sida-Häckselgut bei der Lagerung in der Gärtnerei Höller

Potential des Rohstoffes

In Abstimmung mit der Bewirtschaftung ergeben sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten der Sida-Biomasse. Die Biomasse kann u.a. zur Herstellung von Biotreibstoffen, als Rohstoff für die Biogaserzeugung, zur thermische Nutzung, in der Zelluloseindustrie, als Quelle für die Pharmaindustrie und als Dämmstoff verwendet werden (BORKOWSKA et al., 2006).

In Europa und Russland findet Sida vielfach schon Anwendung. U.a. in Polen und Russland wird Sida zur Gewinnung von Biomasse für die Papier- und Zellstoffindustrie angepflanzt (THOMPSON-BLACK und HABER, 2010).

Sida zeichnet sich insbesonders durch das hohe Biomasseertragspotential über viele Jahre aus. Nach BORKOWSKA et al. (2006) kann die Pflanze 15 bis 20 Jahre und nach USTAK (2008) sogar 20 bis 25 Jahre genutzt werden. Auf guten Böden können ohne weiteres Trockenmasseerträge von 15 t/ha erreicht werden. Zum Biomasseertragspotential in Österreich liegen noch keine gesicherten Ergebnisse vor.

Potential als Rohstoff für die thermische Verwertung

Zur Verwendung als Brennsoff erfolgt die Ernte einmal im Jahr nach dem Ende der Vegetationsperiode (USTAK, 2008). Das Ziel ist eine möglichst trockene Biomasse. SZYSZLAK et al. (2006) geben für verholzten oberirdischen Pflanzenteile einen durchschnittlichen Heizwert von 16,627 MJ kg-1 an. BORKOWSKA et al. (2009) eruierten einen Heizwert von 18,746 MJ kg-1.

Sida-Bestand "Blick ins Feld"
Sida-Bestand "Blick ins Feld"
Sida-Bestand bei der Ernte in voller Wuchshöhe
Sida-Bestand bei der Ernte in voller Wuchshöhe

Potential als Rohstoff für die Biogaserzeugung und Bioalkoholerzeugung

Bei Verwendung als Substrat für die Biogas- und Bioalkoholerzeugung wird Sida in grünem Zustand abgeerntet Die Ernte kann ab dem zweiten Vegetationsjahr zwei- bis dreimal jährlich (Ende Juni; Mitte September) erfolgen.

Über die Ausbeute liegen bis dato noch keine Ergebnisse vor.

Sida-Bestand im zweiten Vegetationsjahr zu Blühbeginn
Sida-Bestand im zweiten Vegetationsjahr zu Blühbeginn
Sida-Bestand zum Ende der Blüte
Sida-Bestand zum Ende der Blüte



Literatur- und Quellenverzeichnis

BORKOWSKA H., B. STYK und R. MOLAS (2006): Staude mit Potential, Sida als Energie- und Faserpflanze. In: Energiepflanzen II/2006, S.12-13.

BORKOWSKA H., R. MOLAS und A. KUPCZYK (2009): Virginia Fanpetals (Sida hermaphrodita (L.) Rusby) Cultivated on Light Soil; Height of Yield and Biomass Productivity. Polish J. of Environ. Stud. Vol. 18, No. 4 (2009), 563-568.

CARVALHO L., E. WOPIENKA, C. POINTNER, J. LUNDGREN, V.K. VERMA, W. HASLINGER und C. SCHMIDL (2013): Performance of a pellet boiler fired with agricultural fuels. Applied Energy. 104:286–96.

FELDWISCH N. (2011): Umweltgerechter Anbau von Energiepflanzen. Schriftenreihe des LfULG, Heft 43/2011.

HÖLLER M. (2012): Persönliche Mitteilung am 03.09.2012.

JABLONSKI B. und Z. KOLTOWSKI (2004): Nectar secretion and honey potential of honey-plants growing under polland`s conditions – Part XV. Journal of Apicultural Science, Vol. 49 No. 1, 2005.

REMLEIN-SAROSTA D. und K. NIJDAK (2007): Virginia mallow the first results of investigation on possibilities of pest and diseases control. Progress in Plant Protection / Postępy w Ochronie Roślin, 47 (4).

SZYSZLAK J., W. PIEKARSKI, P. KRZACZEK und H. BORKOWSKA (2006): Analysis of possible utilization of virginia Mallow for energy purposes. Insynieria Rolnicza 6/2006.

THOMPSON-BLACK M.J. und E. HABER (2010): Assessment and status report on the Virginia Mallow Sida hermaphrodita in Canada. Cosewic. Committee on the Status of Endangered Wildlife in Canada, Ottawa. ix + 18 pp. (www.sararegistry.gc.ca/status/status_e.cfm).

USTAK S. (2008): Pestování a využití vlákne oboupohlavné v podmínkách Ceské republiky Výzkumný ústav rostlinné výroby, v.v.i., ISBN 978-80-87011-74-4.