Information zu HCB

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Zuletzt geändert: 22.05.2015

Hexachlorbenzol (HCB) ist ein persistenter organischer Schadstoff, der in der Umwelt ubiquitär verbreitet ist und sich aufgrund seiner hohen Fettlöslichkeit in der Nahrungskette anreichert. HCB wird als „POP“ („persistent organic pollutant“) bezeichnet. Auf Grund seiner gesundheitsschädlichen Eigenschaften (möglicherweise krebserzeugend, leber- und nierenschädigend, fruchtschädigend) wurde HCB in der Europäischen Gemeinschaft 1981 für landwirtschaftliche Verwendung (Fungizid) verboten. HCB ist eine von 12 Chlorverbindungen, die mit der Stockholmer Konvention weltweit verboten wurden. 

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Hexachlorbenzol (HCB) ist ein persistenter organischer Schadstoff, der in der Umwelt ubiquitär verbreitet ist und sich aufgrund seiner hohen Fettlöslichkeit in der Nahrungskette anreichert. HCB wird als „POP“ („persistent organic pollutant“) bezeichnet. Auf Grund seiner gesundheitsschädlichen Eigenschaften (möglicherweise krebserzeugend, leber- und nierenschädigend, fruchtschädigend) wurde HCB in der Europäischen Gemeinschaft 1981 für landwirtschaftliche Verwendung (Fungizid) verboten. HCB ist eine von 12 Chlorverbindungen, die mit der Stockholmer Konvention weltweit verboten wurden. 

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HCB in Lebensmitteln

HCB in Lebensmitteln

Welche Grenzwerte gelten in Lebensmitteln?

Rückstände in Lebens- und Futtermittel sind in der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Februar 2005 gesetzlich geregelt. Die Grenzwerte bzw. Rückstandshöchstgehalte werden von der EU Kommission festgelegt.

In der Europäischen Union wurden Höchstgehalte nur für die Primärprodukte festgelegt, aus denen über weitere Verarbeitung verschiedene Lebensmittel erzeugt werden. In Milch beträgt der Rückstandshöchstgehalt für HCB 0,01 mg/kg, bezogen auf einem Fettgehalt von 4 Prozent, in Fleisch 0,2 mg/kg und Eiern 0,02 mg/kg, in Früchten, Obst und Gemüse 0,01 mg/kg, Getreide 0,01, in Kürbiskernen 0,05 mg/kg.

Es gibt also nur einen festgelegten Höchstwert für Milch, aber keine eigens festgelegten Höchstwerte für Milchprodukte wie Butter, Topfen etc. Daher kann der Höchstwert für Milch von 0,01 mg/kg nicht 1:1 auf Butter übertragen werden, auch wenn der gemessene Wert in der Butter höher ist. Für die Butter wird daher anhand ihres Fettgehaltes berechnet, wie hoch der Wert in der Milch war, aus dem diese Butter erzeugt wurde.

Die unterschiedlichen Grenzwerte bei HCB ergeben sich durch die besonders gute Fettlöslichkeit von HCB: Je höher der Fettanteil desto höher der Grenzwert Bei der Festlegung von Höchstwerten wird auch auf die Mengen an Lebensmitteln eingegangen, die ein Mensch durchschnittlich isst beziehungsweise auf bestimmte Lebensmittelgruppen die traditionell vermehrt gegessen werden. Besonders Rücksicht genommen wird hierbei speziell auf Kinder, als besonders sensible Bevölkerungsgruppe. Immer jedoch werden Sicherheitsfaktoren mit einbezogen – das bedeutet, der Höchstwert liegt weit unter jener Menge einer Substanz, die im Tierversuch erste Effekte zeigt.

Verordnung (EG) Nr. 396/2005

Eine gezielte Abfrage zu den Rückstandshöchstgehalten von Hexachlorbenzol in Lebens- und Futtermitteln kann auf folgender Datenbank durchgeführt werden (Angaben Pesticides, Hexachlorbenzol): ec.europa.eu/sanco_pesticides/public/

Risikobewertung

Die AGES hat das Risiko, das von HCB-belasteten Lebensmitteln für die Bevölkerung im Görtschitztal ausgeht, erneut bewertet. Die erste Bewertung wurde im Dezember 2014 durchgeführt. Das Ergebnis der ersten Bewertung wurde bestätigt: Für Menschen, die bis zu 14 Tage HCB-belastete Produkte konsumiert haben, besteht kein gesundheitliches Risiko. Für Menschen, die über einen längeren Zeitraum HCB-belastete Lebensmittel gegessen haben, ist ein Risiko nicht zu erwarten, aber nicht ausgeschlossen. Das Land Kärnten hat daher Umweltmediziner der Medizinischen Universität Wien beauftragt, die tatsächliche HCB-Belastung und mögliche gesundheitliche Auswirkungen für die Bewohner des Görtschitztals zu untersuchen

Die aktuelle AGES-Risikobewertung

Für die aktuelle Bewertung wurden die Ergebnisse der Rückstandsuntersuchungen von 824 Lebensmitteln aus dem Zeitraum 27. März 2014 bis 20. März 2015 verwendet. Es handelte sich dabei hauptsächlich um Milch und Milchprodukte, Fleisch- und Fleischprodukte, aber auch Obst, Fruchtsäfte, Honig, Gemüse und Getreide, die im Görtschitztal produziert worden waren. Im Vergleich zur Risikobewertung vom Dezember 2014 standen doppelt so viele Untersuchungsergebnisse zur Verfügung. Daher konnten präzisere Berechnungen durchgeführt werden, welche Mengen an HCB Kinder, Frauen und Männer im Görtschitztal  aufgenommen haben.

Angenommen wurde ein Worst-Case-Szenario: Diese Berechnungen gehen davon aus, dass sich die Menschen ausschließlich von Produkten, die in der Region Görtschitztal produziert wurden, ernährt haben. Belastete Lebensmittel wurden bereits ab Dezember 2014 nicht mehr verkauft. Die berechneten Aufnahmemengen sind daher höher als die Mengen, denen die  Menschen im Görtschitztal tatsächlich ausgesetzt waren.

Berechnet wurde das Risiko für jene Personen, die belastete Lebensmittel in durchschnittlichen Mengen essen (Durchschnittsverzehrer), als auch für jene Personen, die besonders große Mengen von Lebensmittel zu sich nehmen, die wegen ihres hohen Fettanteils am ehesten mit HCB belastet sind, wie Milch, Milchprodukte und Fleisch (Vielverzehrer).

Ergebnisse

Die durchschnittlichen Aufnahmemengen von HCB für Kinder, Frauen und Männer wurden den aktuellsten verfügbaren gesundheitsbezogenen Richtwerten aus dem Jahr 2013 (Amerikanische Agentur für toxische Substanzen und Erkrankungsregister, ATSDR) gegenübergestellt. Unter dieser tolerierbaren Aufnahmemenge versteht man jene Menge einer Substanz, die ein Mensch täglich zu sich nehmen kann, ohne dass gesundheitliche Auswirkungen zu erwarten sind.
Für Menschen, die bis zu 14 Tage lang belastete Lebensmittel gegessen haben, besteht kein Risiko. Weder bei hohem noch durchschnittlichem Konsum wird die tolerierbare Aufnahmemenge von 8 µg/kg Körpergewicht und Tag überschritten.

Werden belastete Lebensmittel zwischen 15 und 364 Tage lang gegessen, kommt es bei Kindern, Frauen und Männern zu einer Überschreitung der tolerierbaren Aufnahmemenge von 0,1 µg/kg Körpergewicht und Tag. Diese beträgt bei durchschnittlichem Verzehr das Dreifache und bei einem hohen Milch- und Fleischkonsum das Sechsfache der tolerierbaren tägliche Aufnahmemenge. Gesundheitliche Auswirkungen sind nicht zu erwarten, können aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Werden belastete Lebensmittel mehr als ein Jahr lang gegessen, liegt die durchschnittliche Aufnahme von HCB beim Vierfachen, bei hoher Aufnahme von Milch- und Fleischprodukten beim Achtfachen der tolerierbaren Aufnahmemenge von 0,07 µg/kg Körpergewicht und Tag. Gesundheitliche Auswirkungen sind nicht zu erwarten, können aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Rolle der AGES

Die Rolle der AGES bei der Untersuchung von Lebensmittelproben

Die Durchführung und Organisation der Kontrollen im Lebenmittelbereich erfolgen in mittelbarer Bundesverwaltung. Unter der Verantwortung der Landeshauptleute werden die Aufsichtsbehörden der jeweiligen Länder tätig (Lebensmittelaufsicht (LMA), Veterinärbehörde).

Werden aufgrund von Betriebsrevisionen oder Begutachtungen der AGES bzw. der Untersuchungsanstalten der Länder Wien, Kärnten und Vorarlberg Verstöße gegen lebensmittelrechtliche Anforderungen evident, muss die zuständige Landesbehörde geeignete Maßnahmen zur Behebung der Mängel setzen. Dazu zählen etwa die Einschränkung oder das Verbot des Inverkehrbringens der Ware, die Untersagung der Benützung von Räumen oder auch die Schließung eines Betriebes.

Werden Produkte als gesundheitsschädlich beurteilt, ist der verantwortliche Betrieb durch die zuständige Aufsichtsbehörde sofort zu informieren. Dieser muss umgehend das weitere Inverkehrsetzen unterlassen und von sich aus die Ware vom Markt nehmen (Rücknahme oder Rückruf), seine AbnehmerInnen informieren und die Bevölkerung warnen, sollte die Ware die EndkonsumentInnen bereits erreicht haben. Kommt die Unternehmerin oder der Unternehmer ihrer bzw. seiner Verpflichtung nicht nach, hat die zuständige Behörde die Ware zu beschlagnahmen. (Quelle: Lebensmittelsicherheitsbericht 2013)

Die AGES informiert im Auftrag des BMG die Bevölkerung über bei gesundheitsschädlichen Waren, wenn Gemeingefährdung vorliegt (§ 43 Abs. 1 LMSVG): „Besteht auf Grund des Befundes und Gutachtens der Agentur oder einer Untersuchungsanstalt der Länder oder einer Risikobewertung durch die Agentur, welche auf einer Meldung über das Schnellwarnsystem gemäß Art. 50 der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 oder über das Schnellwarnsystem RAPEX gemäß Art. 12 der Richtlinie 2001/95/EG basiert, der begründete Verdacht, dass Waren gesundheitsschädlich gemäß § 5 Abs. 5 Z 1 sind und dadurch eine größere Bevölkerungsgruppe gefährdet ist (Gemeingefährdung), so hat der Bundesminister für Gesundheit eine Information der Öffentlichkeit zu veranlassen. Allfällige vom Unternehmer getroffene Maßnahmen sind zu berücksichtigen.”

Untersuchungen von HCB in Lebensmittel in Österreich

Lebensmittel werden nach einem vom BMG jährlich vorgegebenen Probenplan untersucht, der für die Aufsichtsbehörden in jedem Bundesland den Rahmen für ihre Tätigkeiten vorgeben. Diese Routineproben werden ganzjährig über das gesamte Warenspektrum verteilt gezogen. Die Ergebnisse aus diesen Probenziehungen ermöglichen repräsentative Aussagen zur Lebensmittelsicherheit.

Die AGES untersucht routinemäßig in Lebens- und Futtermitteln auf den verbotenen Wirkstoff HCB. Lebensmittelrechtlich relevante HCB-Werte wurde in den Vorjahren ausschließlich in Kürbiskernen und Kürbiskernölen nachgewiesen.

Wenn sich bei Kontrollen Verdachtsmomente ergeben, dass lebensmittelrechtliche Vorgaben nicht eingehalten wurden, ziehen die Behörden in der Folge “Verdachtsproben”. Dabei geht es darum, zu klären, auf welche Weise ein Lebensmittel kontaminiert wurde, um schlussendlich die Ursache zu beseitigen.


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