Escherichia coli inklusive Verotoxin bildende E. coli (VTEC)

Escherichia coli

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Zuletzt geändert: 11.01.2016
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Escherichia coli (E. coli) sind stäbchenförmigen Bakterien und regelmäßiger Bestandteil der Dickdarmflora beim Menschen und bei Säugetieren. Benannt wurden sie nach dem Kinderarzt Theodor Escherich, der dieses Bakterium im Jahr 1885 erstmals aus dem Dickdarminhalt (Dickdarm = lateinisch Colon) von Kleinkindern isolierte. Im Regelfall sind diese Bakterien nur dann krankmachend, wenn sie aus dem Darm in andere Körperregionen verschleppt werden. Durch diese „fakultativ pathogenen“ E. coli - das bedeutet, nur in besonderen Situationen krankmachende E. coli - verursachte Infektionen finden sich häufig in der Nachbarschaft des Darmes, z. B. Harnwegsinfektionen, Bauchfellentzündung, Gallenblasenentzündung.

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Escherichia coli (E. coli) sind stäbchenförmigen Bakterien und regelmäßiger Bestandteil der Dickdarmflora beim Menschen und bei Säugetieren. Benannt wurden sie nach dem Kinderarzt Theodor Escherich, der dieses Bakterium im Jahr 1885 erstmals aus dem Dickdarminhalt (Dickdarm = lateinisch Colon) von Kleinkindern isolierte. Im Regelfall sind diese Bakterien nur dann krankmachend, wenn sie aus dem Darm in andere Körperregionen verschleppt werden. Durch diese „fakultativ pathogenen“ E. coli - das bedeutet, nur in besonderen Situationen krankmachende E. coli - verursachte Infektionen finden sich häufig in der Nachbarschaft des Darmes, z. B. Harnwegsinfektionen, Bauchfellentzündung, Gallenblasenentzündung.

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Übertragung

Die Übertragung der Bakterien erfolgt hauptsächlich über den Verzehr folgender Lebensmittel: rohes Rinderfaschiertes, Mettwurst, Salami, Rohmilch, nicht pasteurisierter Apfelsaft, aber auch pflanzliche Lebensmittel, die auf mit Rindergülle gedüngten Äckern kultiviert und roh verzehrt werden (z. B. grüne Blattgemüse, Sprossen, Spinat).

Von Bedeutung sind auch die Übertragung nach Kontakt mit Wiederkäuern (Streichelzoos), wenn im Anschluss keine entsprechende Reinigung der Hände (Händewaschen mit Seife) durchgeführt wurde, oder Mensch-zu-Mensch-Infektketten, die besonders in Gemeinschaftseinrichtungen (Kindergärten, Altersheime etc.) zu beobachten sind. Die für eine Infektion erforderliche Anzahl an Bakterien ist mit ca. 100 Keimen sehr gering.

Die Inkubationszeit beträgt 1-3 Tage, selten bis 8 Tage.

Symptome

Die Erkrankung beginnt mit wässrigen Durchfällen, die zum Teil nach einigen Tagen blutig verlaufen und von starker Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen begleitet sein können. Die Krankheit ist meist selbstlimitierend und dauert im Durchschnitt acht bis zehn Tage.

Bei 10 bis 20 % der Patienten entwickelt sich eine hämorrhagische Kolitis mit blutigem Stuhl und teilweise Fieber.

Bei 5 bis 10 % der Erkrankten, besonders bei Kleinkindern, kann es Tage nach Beginn der Durchfallerkrankung zu einer charakteristischen Folgeerkrankung kommen, dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS). Dabei binden die Shigatoxine an spezielle Rezeptoren der Zellwände (hauptsächlich des Nierenendothels) und schädigen diese. Die kleinen Blutkapillaren werden zerstört, und in weiterer Folge kann es zu Nierenversagen (keine Harnbildung), Blutarmut, verminderter Anzahl an Blutplättchen, Hautblutungen und neurologischen Veränderungen kommen.

Indikation

Diarrhoe und eine der folgenden Bedingungen:

  • Kinder unter 6 Jahren
  • Sichtbares Blut im Stuhl
  • Hämorrhagische Kolitis
  • HUS
  • Kontaktpersonen von Patienten mit HUS
  • Pädiatrische Patienten mit akutem Nierenversagen
  • Patient ist direkt mit Herstellung, Behandlung oder In-Verkehr-Bringung von Lebensmitteln befasst oder arbeitet in Küchen, Gaststätten oder sonstigen Gemeinschaftseinrichtungen

Diagnostik

Bei klinischem Verdacht erfolgt ein Screening mittels ELISA oder PCR (Toxin- bzw. Toxingennachweis) aus einer Stuhlanreicherung. Bei einem positiven Screeningergebnis wird die kulturelle Anzucht des Keims zur Diagnose angestrebt. Bei HUS kann bei negativem Erregernachweis im Stuhl eine Diagnose auch mit der Detektion spezifischer Antikörper im Blut versucht werden.

Verdacht auf bzw. Erkrankung an VTEC ist meldepflichtig!

Therapie

Eine Therapie, die den Wasser- und Elektrolythaushalt wieder ausgleicht, ist ausreichend. Eine Behandlung mit Antibiotika hingegen gilt im Allgemeinen als kontraindiziert, da die Bakterien unter Antibiotikaeinwirkung vermehrt Toxine produzieren und sich somit die Komplikationsraten erhöhen können. Schwerwiegende Folgeerkrankungen (z. B. HUS) machen eine intensiv-medizinische Behandlung notwendig. Im Jahr 2013 wurden 130 VTEC-Infektionen gemeldet. Bei 17 der 130 Fälle trat die schwere Komplikation in Form des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) auf.

Präventive Maßnahmen

Da als Reservoir der Bakterien vornehmlich landwirtschaftliche Nutztiere gelten, ist die strikte Einhaltung von Hygienevorschriften bei Gewinnung, Verarbeitung, Lagerung, Transport und Verkauf von tierischen Lebensmitteln von großer Bedeutung, z. B. Händewaschen nach Tierkontakt und vor Nahrungsaufnahme.

Rohe Lebensmittel tierischer Herkunft und andere leicht verderbliche Lebensmittel (z. B. Milch und Milcherzeugnisse, Fleisch, Wurstaufschnitt, Feinkostsalate…) sollten stets bei Kühlschranktemperatur gelagert werden. Außerdem sollte Fleisch zur Vermeidung von Kreuzkontaminationen nicht zeitgleich mit anderen, zum Direktverzehr bestimmten Lebensmittel (z. B. Salat) zubereitet werden. Auf keinen Fall jedoch sollten dieselben Arbeitsgeräte und -flächen benutzt werden.

Milch sollte nicht roh, sondern nur nach Wärmebehandlung verzehrt werden.

Personen, die an VTEC-Infektionen erkrankt sind, dürfen so lange beim gewerbsmäßigen Herstellen, Behandeln oder In-Verkehr-Bringen von Lebensmitteln nicht tätig sein oder beschäftigt werden, bis nach der Entscheidung des Gesundheitsamtes eine Weiterverbreitung der Krankheit nicht mehr zu befürchten ist. Dies gilt sinngemäß auch für Beschäftigte in Küchen von Gaststätten, Kantinen, Krankenhäusern, Säuglings- und Kinderheimen sowie im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung.

Lebensmittel

Im Jahr 2013 wurden 375 Fleischproben (333 Frischfleisch-, 23 frische Wildfleisch-, 19 verzehrfertige Fleischproben) auf VTEC untersucht, in drei Proben (zweimal in rohem Wildfleisch, einmal Frischfleisch von einer nicht näher angegebenen Tierart) wurde VTEC gefunden. Drei von 221 untersuchten fermentierten Würsten enthielten VTEC. In 95 Käseproben (aus Rohmilch und pasteurisierter Milch), sechs Milchproben und 79 anderen Lebensmittelproben (Obst, Gemüse, andere fertige Speisen) konnten keine VTEC nachgewiesen werden.

Bei den isolierten VTEC handelte es sich nicht um jene Serotypen, die häufiger bei Menschen Erkrankungen verursachen und keines der Isolate trug das Gen für Intimin, einen wichtigen Virulenzfaktor zum Auslösen von Erkrankungen beim Menschen.


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