Blauzungenkrankheit

BTV

Downloads
Zuletzt geändert: 11.05.2016
Icon Icon Icon Icon Icon
Bluetongue virus - elektronenmikroskopische Aufnahme, © CDC, J. Mast (Coda-Cerva, Belgium)
caption
Bluetongue virus - elektronenmikroskopische Aufnahme, © CDC, J. Mast (Coda-Cerva, Belgium)

Die Blauzungenkrankheit (syn. Bluetongue Disease, BT) ist eine Viruserkrankung der Rinder, Schafe, Ziegen, Kamelartige und wildlebender Wiederkäuer. In Österreich ist die Blauzungenkrankheit eine anzeigepflichtige Krankheit. Die Übertragung erfolgt durch Stechmücken. Hierzulande ist die Blauzungenkrankheit erstmals mit dem Serotyp 8 am 07.11.2008 aufgetreten; mit 17.03.2011 galt Österreich wieder als frei von Blauzungenkrankheit. Mit 17.11.2015 ist erstmals in Österreich der BTV Serotyp 4 nachgewiesen worden, somit gilt Österreich nicht mehr als BT-frei.

Information des BMG: Aktuelle Situation in Österreich

Mehr Informationen
Bluetongue virus - elektronenmikroskopische Aufnahme, © CDC, J. Mast (Coda-Cerva, Belgium)
caption
Bluetongue virus - elektronenmikroskopische Aufnahme, © CDC, J. Mast (Coda-Cerva, Belgium)

Die Blauzungenkrankheit (syn. Bluetongue Disease, BT) ist eine Viruserkrankung der Rinder, Schafe, Ziegen, Kamelartige und wildlebender Wiederkäuer. In Österreich ist die Blauzungenkrankheit eine anzeigepflichtige Krankheit. Die Übertragung erfolgt durch Stechmücken. Hierzulande ist die Blauzungenkrankheit erstmals mit dem Serotyp 8 am 07.11.2008 aufgetreten; mit 17.03.2011 galt Österreich wieder als frei von Blauzungenkrankheit. Mit 17.11.2015 ist erstmals in Österreich der BTV Serotyp 4 nachgewiesen worden, somit gilt Österreich nicht mehr als BT-frei.

Information des BMG: Aktuelle Situation in Österreich

Mehr Informationen

Vorkommen

Vorkommen

Die Blauzungenkrankheit wurde erstmals in Südafrika im Jahre 1934 festgestellt. Mit dem Export von Merinoschafen in viele Staaten des afrikanischen Kontinents breitete sich die Krankheit weiter aus. Heute kommt das Bluetongue virus beinahe weltweit vor. Am 17. August 2006 wurde von den niederländischen Behörden der erste Ausbruch nördlich des 50. Breitengrades gemeldet. Bei dem in den Niederlanden gefundenen Virus-Stamm vom Serotyp 8 (BTV-8) handelt es sich allerdings nicht um die in Südeuropa heimischen Stämme. In Deutschland wurde auch das Auftreten eines Virus-Stammes vom Serotyp 6 (BTV-6) gemeldet.
Am 07.11.2008 wurde der erste BTV-Fall bei einem Rind in Oberösterreich (Bezirk Schärding) gemeldet. Insgesamt konnten 28 positive BTV-Tiere gefunden werden. Seit dem 06.03.2009 wurden keine weiteren BTV-Fälle nachgewiesen. Eine Verbreitung des Serotyps 8 (BTV-8) konnte durch weitreichende Impfmaßnahmen gestoppt werden.

Jahr /SummeWienSBGTirolVBGKTNSTMKBGLD
SerotypBTV-8BTV-8BTV-8BTV-8
2008110010001000
2009170014102000
gesamt280024103000

Im Mittelmeerraum sind seit Jahren verschiedene Serotypen des Blauzungenerregers verbreitet. Seit 2014 breitet sich ausgehend von der Schwarzmeerküste rasant aus. Mit 17.11.2015 hat Österreich BTV, diesmals den Serotyp 4, in den Bundesländern Steiermark und Burgenland gemeldet.

Bluetongue in Österreich

Blauzungenkrankheit, Bundesamt für lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), Schweiz

Blauzungenkrankheit, Friedrich Löffler Institut (FLI), Deutschland

Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Deutschland

Blauzungenkrankheit, Federal Agentschap voor de veiligheid van de voedselketen, Belgien

OIE-World Organisation for Animal Health

EU Kommission Homepage / Bluetongue

caption
BT-Ausbrüche mit Sperrzone
caption
Vorkommen von BTV-Serotypen in der EU (27.11.2015; © EU-Kommission)
Vorkommen von BTV-Serotypen in der EU (6.11.2015; © EU-Kommission)

Übertragung

Übertragung

Das Wirtsspektrum umfasst vor allem Wiederkäuer (z. B. Rinder, Schafe, Ziegen), Wildwiederkäuer (z. B. Hirsch, Rotwild, Steinbock, Gämse) und Kamelartige (z. B. Alpaka). Als empfänglichste Tierart gilt das Schaf, wobei zwischen den einzelnen Rassen Unterschiede in der Empfänglichkeit bestehen. Für den Menschen besteht keine Infektionsgefahr. Es besteht kein Risiko, dass sich die Blauzungenkrankheit durch Fleisch oder Milch verbreitet oder überträgt.

Infizierte Tiere weisen eine geringe Letalität und hohe Morbidität auf.  Die Mortalität (= Anteil der empfänglichen Tierpopulation, die an der Krankheit verendet) wird bei Schafen mit 1 % bis 5 % beschrieben, bei Ziegen und Rindern bis zu 1,5 %.

Die Übertragung des Erregers erfolgt durch Stechmücken (Culicoides spp.), das heißt, es gibt keinen direkten Übertragungsweg von Säugetier zu Säugetier. Da Mücken an der Weiterverbreitung der Viren beteiligt sind, ist die Krankheit saisonal an die Aktivität der Culicoides-Mücken gebunden. Krankheitsfälle treten saisonal meist im Spätsommer und Herbst auf. Auch in Österreich wurde im Rahmen des Projektes "Bluetongue Überwachung 2007-2010" das Vorkommen der Überträgerinsekten in großer Zahl nachgewiesen. Beim Saugakt am infizierten Tier nimmt die Culicoides-Mücke BT-virushältiges Blut auf. Das Bluetongue virus (BTV) gelangt zuerst in den Darm und von dort weiter in die Speicheldrüsen der Culicoides-Mücke. Mit dem nächsten Saugakt wird BT-virushältiger Speichel in die Blutbahn des Säugetieres (Wiederkäuer) gebracht. Dort kommt es zur Virusvermehrung sowie zur Weiterverbreitung des BT-Virus in alle Organe. Das Säugetier baut nach der Infektion eine Immunantwort (Antikörperbildung) gegen den Erreger auf. Das BT-Virus kann in der Mücke bis zu ca. 28 Tagen, im Schaf bis zu ca. 60 Tagen und beim Rind bis zu ca. 150 Tagen nachgewiesen werden.

Symptome

Symptome

Die Blauzungenkrankheit ist eine zyklische Erkrankung. Die Inkubationszeit beträgt 10 Tage. Nach dem Stich einer infizierten Mücke kommt es im empfänglichen Wirt zu einer Virämie mit Fieber und klinischen Symptomen. Bei Rindern ist das klinische Krankheitsbild ähnlich der MKS, während bei Schafen meist Lahmheit das auffälligste Symptom ist.

Die häufigste Verlaufsform ist die inapparente. In erkrankten Tieren konnten unterschiedliche Verlaufsformen beobachtet werden: akut, subakut und abortiv, wobei alle mit einer Temperaturerhöhung beginnen.

Die Symptome sind:

  • Fieber (40-42 °C)
  • Hyperämien der oralen und nasalen Schleimhäute
  • Lippenödeme
  • Klauenentzündung: Hyperämie des Kronsaumbereiches
  • Aborte
  • Veränderungen der Skelettmuskulatur

Differentialdiagnostisch kommen MKS, BKF, BHV-1, BVD, PI-3, VS (Vesikuläre Stomatitis), EHD, Lippengrind, Kreislaufstörungen anderer Genese etc. in Betracht.

Bekämpfung / Prävention

Bekämpfung / Prävention

Die Blauzungenkrankheit ist eine nach dem Tierseuchengesetz anzeigepflichtige Tierseuche.
Die Überwachung des österreichischen Tierbestandes konzentriert sich auf die Erkennung BTV-positiver Tiere sowie auf die Kontrolle des Tierverkehrs:

  • flächendeckende Untersuchung von empfänglichen Tieren
  • BTV-8-Impfung bei Rind, Schaf, Ziege

Nach einem von der AGES ausgearbeiteten Stichprobenplan wird seit 2007 in Österreich ein Überwachungsprogramm durchgeführt. Nach der BT-Freierklärung Österreichs wurde eine jährliche saisonale BT-Überwachung beginnend mit September bis Dezember in 4 Regionen zu  je 301 Rinder auf Blauzungenkrankheit getestet. Mit dem Auftreten von BT am Balkan wurde an der ungarischen Grenze eine zusätzliche 5. Region (Risikogebiet, dunkelgrün) mit April 2015 eingeführt. Die Probennahme erfolgt quartalsmäßig in den Regionen 1-4 und in der Region 5 monatlich. All diese Tiere werden auf BT-Antikörper untersucht und dürfen daher niemals mit einem BTV-Impfstoff geimpft worden sein. Ziel ist, mithilfe dieser Sentineltiere, eine BTV-Infektion in einem Gebiet frühzeitig zu erkennen. Damit allfällige Ausbrüche der Blauzungenkrankheit so rasch als möglich erkannt werden und frühzeitig Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt werden können - ​​BMG: Informationen über das Überwachungsprogramm.

Bluetongue Berichte Österreich 2007, 2008, 2009, 2010

Wird in Österreich ein BTV-positives Tier gefunden, treten die Bekämpfungsmaßnahmen gemäß Bluetongue-Bekämpfungsverordnung in Kraft (siehe gesetzliche Bestimmungen Homepage des BMG)

Impfung

Gegen die Blauzungenkrankheit gibt es serotypenspezifische Impfstoffe. Seit 01.08.2008 ist ein inaktivierter BTV-8 Impfstoff bei Rindern und kleinen Wiederkäuern von der EMEA zugelassen. Derzeit wird in Österreich kein amtliches Impfprogramm gegen BT durchgeführt. Eine Impfung gegen den Serotyp 4 der Blauzungenkrankheit ist gestattet, wobei diese auf freiwilliger Basis auf Wunsch (und Kosten) der Tierhalter erfolgen kann. Da es sich bei der Blauzungenkrankheit aber um eine gem. Tierseuchengesetz anzeigepflichtige Krankheit handelt, sind dabei gewisse Rahmenbedingungen einzuhalten - für nähere Informationen siehe Homepage BMG

EU Kommisionshomepage /Bluetongue

caption
BT monitoring 2015 - risk area dark green
BT monitoring 2015 - risk area dark green
caption
BT monitoring 2014
BT monitoring 2014
caption
BT monitoring 2013
BT monitoring 2013
caption
BT monitoring 2012
BT monitoring 2012

Diagnostik

Diagnostik

Als Probenmaterial sind geeignet:

  • Blut (EDTA/Serum)
  • Milch
  • Organe
  • Mücken

Der Nachweis von BTV aus obigen Materialien ist mit folgenden Verfahren möglich:

  • Serologische Testverfahren zur Antikörperbestimmung: ELISA (Serum und Milch), Serumneutralisationstest (Serum)
  • Molekularbiologische Identifizierung (EDTA-Blut, Organe und Mücken)
  • BT-Virusanzüchtung (EDTA-Blut, Organe, eventuell Mücken)

Informationen zu den Untersuchungslaboratorien:

AGES-Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling
Nationales Referenzlabor

Ansprechpartner: Dr. Angelika Loitsch, angelika.loitsch@ages.at

weitere AGES-Untersuchungslaboratorien:
AGES-Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Linz,
AGES-Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Innsbruck


x