Stechmücken: Belastung oder Bedrohung?

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Zuletzt geändert: 12.06.2015

Wenn Gelsen den Aufenthalt im Freien unerträglich machen, sind sie eindeutig eine Belastung. In vielen Weltgegenden sind sie als Überträger von Viren, Bakterien und Parasiten auch eine Bedrohung – man denke nur an Malaria oder Gelbfieber. Einige dieser Erreger dringen langsam, aber sicher auch nach Europa vor. Und so findet man "exotische" Stechmücken wie die japanische Buschmücke und "exotische" Erreger wie das West Nil Virus  nun auch in Österreich.

"Stechmücken – Belastung oder Bedrohung" war demgemäß auch der Titel einer Fachveranstaltung der AGES, bei der sich nationale und internationale ExpertInnen über das Thema vektorübertragene Krankheiten austauschten. "Das Risiko ist derzeit extrem niedrig", fasst Univ.-Prof. Dr. Franz Allerberger, Leiter des Geschäftsfeldes öffentliche Gesundheit der AGES, die Situation für Österreich zusammen.

Gelsenmonitoring in Österreich

In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG), den Ländern und Universitäten wird die Entwicklung von vektorübertragenen Krankheiten in Österreich seit einigen Jahren beobachtet. So führt die AGES seit 2011 im Auftrag des BMG ein Gelsen-Monitoring durch, um die Ausbreitung exotischer Stechmücken und neuer Krankheitserreger, im speziellen West Nil Virus, zu überwachen. Dieses Virus verursacht das West Nil Fieber. Informationen zu dieser Krankheit wurden in einem gemeinsamen Folder von BMG und AGES der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Die Nationale Referenzzentrale für Flavivirus-Infektionen beim Menschen an der Medizinischen Universität Wien dokumentierte im Jahr 2012 im Rahmen einer vom Gesundheitsministerium in Auftrag gegebenen rückblickenden Untersuchung erste Fälle von in Österreich erworbenen West Nil Virus-Infektionen bei drei Personen (zwei im Jahr 2009, einer im Jahr 2010). In den Jahren 2011 und 2013 wurden in Österreich keine Humanerkrankungen an West Nil Fieber festgestellt. Im Vorjahr wurde im Blut eines Spenders aus Wien West Nil Virus nachgewiesen, ebenfalls in "Hausgelsen" in der Nähe des Wohngebiets des Spenders (wissenschaftliche Publikation in PLOS one). Das BMG hat im August 2014 einen "Leitfaden WNV für Blutspendewesen" ausgearbeitet. Alle Blutspenden in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland werden seit 2014 auch auf West Nil Virus untersucht.

"Exotische" Stechmücken sind heimisch geworden

Im Rahmen des Gelsenmonitorings der AGES wurde im Jahr 2011 erstmals die japanische Buschmücke (Aedes japonicus japonicus) in der Südsteiermark nachgewiesen. Im Jahr 2015 hat sich diese "exotische" Stechmücke auch im Südosten Kärntens festgesetzt. Das bedeutet, dass in manchen Brutstellen der Mücken in diesen Regionen bereits 60 Prozent der Biomasse an Mücken dieser neuen Art zugeordnet werden kann, der "Exot" somit heimische Gelsenarten verdrängt. Diese Erfahrungen wurden auch in der Schweiz gemacht, wo sich die japanische Buschmücke bereits seit einigen Jahren nördlich der Alpen festgesetzt hat.

Japanische Buschmücken sind tagaktiv und tragen somit zu einer zusätzlichen Belastung für den Menschen bei. Wie die heimischen Hausgelsen sind sie so genannte "Kulturfolger": Ihre Brutstätten befinden sich in unmittelbarer Umgebung menschlicher Behausungen; die erwachsenen Stechmücken bleiben im Umkreis von 100 bis 200 Metern. Und hier liegt auch der erste Ansatzpunkt bei ihrer Bekämpfung: Jeder einzelne kann dafür sorgen, mögliche Brutstätten für Gelsen gar nicht erst zuzulassen.  AGES und BMG haben einen Folder unter dem Titel "Helfen Sie mit, die Gelsen einzudämmen" erstellt, in dem einfache, aber wirksame Maßnahmen zur Eindämmung von Gelsen dargestellt werden.


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