Stechapfel (Datura stramonium)

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Der Gemeine bzw. Weiße Stechapfel mit der lateinischen Bezeichnung Datura stramonium ist eine Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Andere Bezeichnungen für diese Pflanze sind Stachelnuss, Teufelsapfel oder Asthmakraut. In Mitteleuropa kommt der Gemeine Stechapfel im Gartenland, auf Schutt sowie Ödland und Wegrändern vor bzw. teilweise als Unkraut auf Äckern vor. Die Pflanze wird zwischen 30 und 120 cm groß. Blütezeit ist Juni bis September. Die Früchte ("Stechäpfel") sind stachelig, ca. 5 - 7 cm groß und enthalten zahlreiche nierenförmige, schwarze Samen. Alle Teile der Pflanzen sind giftig, besonders Blüten, Samen und Blätter. Selbst der starke, betäubende Geruch, den die Pflanzen verströmen, kann eventuell leichte Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Die Pflanze wird in allen Listen als sehr giftig geführt und 0,3 g Pflanzenmaterial können bereits giftig wirken. Die in der Pflanze enthaltenen Tropan-Alkaloide sind hauptsächlich (S)-Hyoscyamin und Scopolamin. Der Gesamtalkaloidgehalt schwankt in den Pflanzenteilen, was besonders die mißbräuchliche Anwendung als Halluzinogen besonders gefährlich macht. Die Bandbreite zwischen berauschender und toxischer Dosis ist sehr gering.


Aus der Literatur sind folgende Gesamtalkaloidgehalte ersichtlich:
Blätter bis 0,5 %
Blüten bis 0,61 %
Früchte bis 0,66 %
Samen bis 0,58 %

Je nach Jahrszeit sind Schwankungen gegeben: ältere Pflanzen enthalten eher Scopolamin, junge Pflanzen eher Hyoscyamin.


Symptome einer Vergiftung


Vergiftungssymptome treten relativ bald ( 5 - 30 Minuten) nach der Aufnahme auf und äußern sich mit Mundtrockenheit, Sehstörungen ("Pupillenerweiterung"), Halluzinationen, Übelkeit, Koordinationsstörungen. Obige Effekte werden bereits mit Dosen unter 5 mg Scopolamin (ab etwa 0,1 mg/kg Körpergewicht) in Verbindung gebracht. 50 - 100 mg Scopolamin werden in der Literatur als letale Dosis angeführt, gleiche Werte sind für Hyoscyamin angegeben. Stärkere Vergiftungserscheinungen sind motorische Unruhe, Weinkrämpfe und Rededrang, Bewusstlosigkeit und narkoseähnlicher Schlaf. Der Tod tritt durch Atemlähmung ein. Scopolamin dämpft das Zentralnervensystem. 15 - 20 Samen sind teilweise in der Literatur für Kinder als tödliche Dosis angegeben. Erste Vergiftungserscheinungen sollen schon mit wenigen Samen auftreten. Untersuchungen aus jüngerer Vergangenheit bei sodann vom Markt eliminierten Produkten ergaben 15 - 50 Stechapfelsamen pro kg Hirse, eine Menge bei der zumindest toxische Auswirkungen nicht auszuschließen sind. Da jedoch 1 kg Hirse normalerweise nicht mit einer Mahlzeit verzehrt wird, ist nach Abschätzungen mit typischen Alkaloidgehalten in Samen und deren Gesamtgewicht mit tödlichen Komplikationen eher nicht zu rechnen. Nichtsdestotrotz sind gesundheitliche Auswirkungen durch darin enthaltenen Samen aufgrund der hohen Toxizität der Alkaloide Scopolamin und Hyoscyamin nicht auszuschließen.
So traten bei 7 von 8 Personen nach dem Verzehr einer vegetarischen Mahlzeit aus Hirse und Karotten in einer Betriebskantine Vergiftungserscheinungen auf, wobei eine dieser Personen wegen Halluzinationen stationär versorgt werden musste. Die konsumierte Hirse enthielt ca. 50 Stechapfelsamen/kg. Andere Symptome waren Übelkeit (bei Mundtrockenheit), Bauchkrämpfe, Schwindel, Angst, Mydriasis (Weitstellung der Pupille).
 Ein Verzehr einer derart kontaminierten Hirse sollte auf keinen Fall erfolgen.
Ebenso ist vor der missbräuchlichen Anwendung als Rauschdroge eindringlichst zu warnen, da die Konzentrationen der Wirkstoffe von Pflanze zu Pflanze und von Pflanzenteil zu Pflanzenteil sehr stark schwanken. Ein einmal schwach wirkendes Blütenteil oder Samenkorn kann beim nächsten Mal ein Vielfaches des Wirkstoffes enthalten und dann mitunter lebensgefährliche Folgen haben.


Ersteller und Ansprechpartner:
AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Bereich Daten, Statistik und Risikobewertung
Dipl.-Ing. Dr. Roland Grossgut
Tel.: 050555-25700
E-Mail: roland.grossgut@ages.at
www.ages.at

Fallstudie
Fretz R,  Schmid D, Brueller W, Girsch L, Pichler AM, Riediger K.  Safer M, Allerberger F. Food poisoning due to Jimson weed mimicking Bacillus cereus food intoxication in Austria, 2006. Int J Infect Diseases (2007), May 17

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