Tollwut - Allgemeines

Tollwut ist eine akute Enzephalomyelitis, die fast immer innerhalb von 10 Tagen nach dem ersten Symptom zum Koma oder zum Tod führt. Die Prodromalphase ist charakterisiert durch einen "grippalen Infekt", sowie Schmerzen und Parästhesien im Bereich der Bisswunde, d. h. zum Zeitpunkt des Eintretens der neurogen (axonal) transportierten Viren in die Hinterwurzel bzw. das Hinterhorn des Myelons kommt es zu einer sensiblen Radikulitis. Rasch folgt darauf die Symptomatik einer Hirnstammenzephalitis, übergehend in eine limbische Enzephalitis sowie Enzephalitis des gesamten Gehirns. Diese "rasende Wut" (zu sehen bei 80%) ist durch Angst, Unruhe, Speichelfluss, vegetative Symptome, und vor allem Hydrophobie, und Aerophobie gekennzeichnet. Eine myelitische bzw. radikulomyelitische Verlaufsform (= stille Wut 20%) ist charakterisiert durch schlaffe Paresen, zunehmende vegetative Dysregulation, Ateminsuffizienz und letztlich Bewusstseinsstörung (Hypoxie des Gehirns). Fliessende Übergänge existieren.

Der Erreger der Wutkrankheit (Tollwut, Rabies, Lyssa), ein Einzelstrang-RNS-Virus, zeichnet sich durch hohe Empfindlichkeit gegen Seifenlösungen aus. Derzeit (Stand Juli 2005) werden 7 Genotypen unterschieden [englische Nomenklatur] : 1, rabies virus (RABV); 2, Lagos bat virus (LBV); Mokola virus (MOKV); 4, Duvenhage virus (DUVV); 5, European bat lyssavirus 1 (EBLV-1); 6, European bat lyssavirus 2 (EBLV-2); und 7, Australian bat lyssavirus (ABLV). Für Mokola Virus ist das Reservoir unbekannt. Für 5 Gentoypen stellen Fledermäuse den alleinigen Vektor dar. Beim RABV kommt neben Fledermäusen auch Carnivoren weltweite Bedeutung zu. Das klassische Rabiesvirus (RABV) bildet mit den Genotypen 4,5,6 und 7 die Phylogroup I; 2 und 3 bilden die Phylogroup II. Impfstämme zählen ausnahmslos zum Genotyp 1 und sollen gegenüber Erregern der Phylogroup II nicht schützen.

Das Virus wird hauptsächlich durch direkten Kontakt mit einem tollwütigem Tier übertragen. Als Eintrittspforten beim Menschen dienen Hautwunden; in Betracht kommen vornehmlich Bisswunden, aber auch oberflächliche Abschürfungen. Das Virus kann auch durch die unverletzte Schleimhaut (extrem selten) der Lippen, der Nase und der Augen eindringen. Als extreme Seltenheit werden Infektionen durch Aerosole beschrieben (Fledermaushöhlen). Das Virus kann unverletzte Haut nicht durchdringen.

Die Inkubationszeit beträgt meist 2 -3 Monate (von 2 Wochen bis zu 6 Jahren). Neben der Virusmenge beeinflusst die räumliche Entfernung der Bissstelle von ZNS die Dauer der Inkubationszeit.

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