ERA-NET EMIDA

= Emerging and Major Infectious Diseases in Livestock Animals


Wie die Vergangenheit gezeigt hat, sind Tierseuchen und andere infektiöse Tierkrankheiten in der Lage, an Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt immensen Schaden anzurichten. Die von Infektionserregern ausgehenden Bedrohungen der Nutztierpopulationen, die weithin die gleichen für alle Tierbestände Europas sind, wachsen, verursacht durch die Effekte der Globalisierung, des Klimawandels oder       neu auftretender Pathogene, beständig weiter an.


Diese zukünftigen Herausforderungen lassen sich erfolgreich nur auf Grundlage erstklassiger wissenschaftlicher Erkenntnisse beantworten. Die Gesetzgebung der europäischen Union unterstreicht die Notwendigkeit einer gemeinsamen innergemeinschaftlichen Kontrolle der verschiedenen infektiösen Bedrohungen der Tiergesundheit und bestimmt ihre Formulierung und Ausführung. Jedoch ist jene Wissenschaft und Forschung, die diesen gemeinschaftlichen Strategien eigentlich zu Grunde liegen soll, in der Regel nach wie vor Sache der einzelnen Mitgliedstaaten und auf dem Sektor der bedeutenden infektiösen Nutztierkrankheiten bisher hauptsächlich isoliert und unkoordiniert vorangetrieben worden. Mängel, Überschneidungen und Duplikationen oder auch nicht wahrgenommene Synergiemöglichkeiten behindern einen effizienten und durchschlagenden Erkenntnisgewinn.


Das ERA-NET-System wendet sich nun an nationale und regionale Programmförderer und -manager und zielt darauf ab, die Entstehung intensiver, dauerhafter Verbindungen zwischen nationalen Forschungsprogrammen mit gemeinsamen Zielen zu begünstigen. Durch die Förderung praktischer Initiativen zur Koordinierung regionaler, nationaler und europäischer Forschungsprogramme in spezifischen Bereichen und die Bündelung der fragmentierten personellen und finanziellen Ressourcen verbessert es sowohl die Effizienz als auch die Effektivität der europäischen Forschungsanstrengungen.


Im ERA-NET EMIDA haben sich nun 27 Partner aus 19 Mitgliedsländern der EU zusammengefunden, mit dem erklärten Ziel die transnationale Kooperation und Koordination der Forschungsprogramme bzw. Forschungsförderung der Mitgliedstaaten auf dem Gebiet der Nutztiergesundheit zu verbessern und voranzutreiben. Dabei repräsentieren die EMIDA-Partner ein geschätztes kumulatives Forschungsbudget von ca. 250 Mio EUR.

Der Scope von EMIDA sind die

“emerging and major infectious diseases of production animals, including fish and bees and including those conditions which pose a threat to human health but excluding food safety issues relating to the handling of livestock products and diseases of wildlife except where they act as reservoirs of infection for humans or production animals”.


EMIDA hat mit 7. Mai 2008 offiziell seine Arbeit aufgenommen und wird für die ersten drei Jahre von der EU finanziell unterstützt werden. Die EU fördert dabei lediglich die notwendigen Koordinierungsmaßnahmen bzw. Vernetzungsaktivitäten, die Finanzierung der beabsichtigen Forschungsprogramme und –projekte selbst bleibt nach wie vor Sache der einzelnen EMIDA-Partner.


Österreichischer Partner im ERA-NET EMIDA ist die AGES im Auftrag des BMG.

Die konkreten EMIDA-Aktivitäten umfassen zurzeit:

  • die Analyse der nationalen Programme, Förderungen und Schwerpunktbildungen in den einzelnen Partnerländern,

  • die Identifikation und Formulierung gemeinsamer Ziele, Strategien und Schwerpunkte, und daraus folgend möglicher transnationaler Förderinstrumente, sowie

  • die Bildung einer „Strategic Foresight Group“ für eine strategische Voraussicht der möglichen tiergesundheitlichen Herausforderungen der nächsten 15 Jahre.


Mit der strategischen Planung und Gestaltung gemeinsamer Forschungsprogramme, der gegenseitigen Öffnung nationaler Forschungsprogramme für Forscher aus anderen Mitgliedstaaten und der Einleitung vollständig transnationaler Programme, die von mehr als einem Land finanziert werden, soll sich nun eine äußerst umfangreiche transnationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der bedeutenden infektiösen Erkrankungen der Nutztiere inklusive der Fische und Bienen entwickeln.

 

Hermann Schobesberger

Ort: 1220, Spargelfeldstrasse 191
Dienstort: Wien

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