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Tuberkulose

Nationale Referenzzentrale
Für Auskünfte bzw. Rückfragen steht die Nationale Referenzzentrale für Tuberkulose in Wien zur Verfügung.

AGES  Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene
Währingerstraße 25a
1096 Wien
Tel. +43 (0)50 555 37111
E-mail: humanmed.wien@ages.at

Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung ist nach Schätzungen der WHO mit Tuberkulose infiziert. Jährlich sterben 1,6 Millionen Menschen an der Infektion und rund 9 Millionen erkranken neu. Das macht die Tuberkulose zur häufigsten Infektionskrankheit der Welt.

Epidemiologie
Trotz des Rückgangs der Tuberkulose in Österreich die Inzidenz 2007 nur noch 10/100000 Einwohner, sind vor allem in Afrika und Teilen Asiens die Zahlen der Infektionen auch im Zusammenhang mit der Aids-Epidemie dramatisch angestiegen. In den letzten Jahren sind in der ehemaligen Sowjetunion und deren Nachfolgestaaten die Raten an schwer zu behandelnder multiresistenter Tuberkulose  (MDR-TB) dramatisch angestiegen.

Erreger der Tuberkulose
Die Tuberkulose wird durch die langsamwachsenden (ca. 1 Teilung alle 20 Stunden) Erreger des Mycobacterium tubercolosis-Komplex (=MTC) hervorgerufen. Der wichtigste Vertreter dieser Gruppe ist das Mycobacterium tuberculosis, im Tierreich ist in unseren Breiten vor allem Mycobacterium caprae von Bedeutung.
Andere Erreger des MTC sind M. bovis, M. africanum, M. microti, M. canetti, M. pinnipedi und der Impfstamm Bacillus Calmette-Guérin (BCG). Gemeinsam ist allen Mykobakterien eine wachsartige Zellwand, die sie relativ unempfindlich gegen äußere Einflüsse macht.
 
Übertragungswege
Am häufigsten wird die Tuberkulose aerogen übertragen, dabei werden Mykobakterien während des Hustens in kleinste Wassertröpfchen eingeschlossen und in der Luft verteilt. Obwohl nur geringste Mengen aufgenommener Mykobakterien genügen, um eine Infektion hervorzurufen, ist ein langer (>8 Stunden) und enger Kontakt mit einem an offener TB Erkrankten notwendig, um sich zu infizieren. Andere Formen der Übertragung sind sehr selten und von geringer Bedeutung. Früher war der zoonotische Übertragungsweg durch nicht pasteurisierte Kuhmilchprodukte in Europa auch von Bedeutung.

Symptome
Nach erfolgter Infektion mit Mycobacterium tuberculosis Komplex kommt es zu einer zumeist unbemerkt verlaufenden Primärtuberkulose, die in eine latente Tuberkuloseinfektion übergeht. In nur 10% der Fälle kommt es zu einer Aktivierung der latenten Tuberkulose. Die häufigste Form (<80%) der aktiven Tuberkulose ist die Lungentuberkulose. Die wichtigsten Symptome sind über Wochen anhaltender Husten mit gelblich-grünem Schleim, Nachtschweiß, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Fieber. Durch Zerstörung des Lungengewebes (Kavernenbildung) kommt es unbehandelt zu einem Einbruch in die Bronchien, das ermöglicht das Ausscheiden der Erreger über das Sputum – der Patient kann jetzt andere Menschen anstecken.
 
Therapie
Wegen des langsamen Wachstums des Erregers ist die antituberkulöse Therapie sehr langwierig und muss im Minimum für 6 Monate durchgeführt werden. Zur Verhinderung von Resistenzentwicklungen ist auch die Gabe von mehr als drei wirksamen Medikamenten, zumindest in den ersten 2 Monaten der Therapie, zwingend vorgeschrieben.
Besteht eine Resistenz gegen eines oder mehrere Antibiotika, so muss auf ältere und nebenwirkungsreichere zurückgegriffen werden.
Problematisch ist die Therapie einer multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB), bei der zumindest eine Resistenz gegen die wichtigsten zwei Medikamente, Isoniazid und Rifampicin, besteht. In diesen Fällen muss manchmal sogar eine chirurgische Therapie durch Entfernung des befallener Lungenabschnitts erfolgen. In den letzten Jahren ist mit der erweitert multiresistenten Tuberkulose (=XDR-TB) eine nur noch schwerer und über Jahre zu behandelnde Sonderform aufgetreten.

Diagnostik
Ziel jeder Tuberkulosediagnostik ist der kulturelle Nachweis des Erregers. Nur dadurch ist eine Erkennung des Resistenzmusters und eine Ausbruchsabklärung möglich. Aufgrund des Gefahrenpotentials des Mycobacterium tuberculosis-Komplex ist dafür ein Labor mit Sicherheitsstufe 3 (BSL-3) notwendig. Wegen des langsamen Wachstums des Erregers müssen die Proben bis zu 8 Wochen bebrütet werden. Jedoch können molekularbiologische Techniken wie die Polymerase-Kettenreaktion (=PCR) die Diagnosezeit verkürzen und auch Hinweise auf das Resistenzverhalten des Erregers geben.
Latente Tuberkulose-Infektionen können entweder mit dem seit Jahrzehnten im Verwendung stehenden Hauttest nach Mendel-Mantoux oder den neuen Bluttests, den Interferon gamma release Assays, durchgeführt werden. Die Bluttests zeigen im Gegensatz zum Hauttest keine Beeinflussung durch eine BCG-Impfung.

Prävention
Trotz jahrelanger Anwendung hat die Schutzimpfung mit dem Impfstamm BCG, zu keinem wirklichen Schutz vor einer Infektion geführt. Die beste Prävention stellt die Ausbruchsabklärung dar, dabei wird nach der Diagnose einer Tuberkulose das Umfeld der Erkrankten auf mögliche TB-Infektionen untersucht und gegebenenfalls eine Therapie eingeleitet. Wichtig bei der Abklärung von unklaren Tuberkuloseinfektionswegen sind Vergleiche des genetischen Fingerabdrucks der Erreger. Diese aufwendigen Techniken ermöglichen auch Jahre nach der Übertragung, den Indexfall zu identifizieren.

 

Stand Juni 2008

Institut für med. Mikrobiologie und Hygiene, Wien

Institut: Institut für med. Mikrobiologie und Hygiene, Wien
Adresse: 1096 Wien, Waehringerstrasse 25a

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