Nationale Referenzzentrale für Polio (NRZP)
Für Anfragen bzw. Rückfragen steht Ihnen die Nationale Referenzzentrale für Polio in Wien zur Verfügung.
AGES Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene
Währinger Straße 25a
1096 Wien
Tel. +43 (0)50 555 37111
E-mail: humanmed.wien@ages.at
Globale Polio-Eradikationsinitiative der WHO
Eine weltweite Eradikation von Polio gilt als möglich, da der Erreger als einziges Reservoir den Menschen hat und eine natürliche Infektion bzw. eine Impfung eine lebenslange Immunität bewirkt.
Dieses Bestreben der WHO im Rahmen der globalen Polio-Eradikationsinitiative mit Beginn 1988 führte zu beträchtlichen Erfolgen bei der Bekämpfung von Polio:Die Zahl der weltweit registrierten Fälle konnte bis 2010 um 99,5% gesenkt werden. 3 von 6 WHO- Regionen erhielten das Zertifikat „poliofrei“ (Amerika 1994, Westpazifik 2000, Europa 2002). Ein weiterer Erfolg der WHO liegt in der beträchtlichen Reduzierung der Zahl der endemischen Länder. Waren es 1988 noch 125 Länder, so zählen 2008 nur mehr Nord-Nigeria, Nordindien, sowie Teile von Afghanistan und Pakistan zu den Gebieten, in denen die endemische Übertragung von Polioviren noch nicht gestoppt werden konnte. Jedoch werden in diesen Gebieten immer wieder Ausbrüche von Poliofällen gemeldet, von denen eine große Gefahr der Streuung in benachbarte Gebiete ausgeht.Die europäische Region wurde von der WHO im Jahre 2002 als „ poliofrei“ zertifiziert, trotzdem kann durch Auftreten von Poliofällen in Ländern außerhalb Europas eine Einschleppung von Einzelfällen in die europäische Region nicht ausgeschlossen werden. Dies zeigt auch der Polioausbruch im Jahre 2010 mit 476 gemeldeten Krankheitsfällen und 26 Todesfällen in Tadschikistan und den Nachbarländern, der durch ein aus Indien eingeschlepptes Polio-Wildvirus Typ 1 verursacht wurde. Seit der Zertifizierung der EU im Jahre 2002 als „poliofrei“ stellt dieser Ausbruch die erstmalige Wieder-Einschleppung von Wildpoliovirus in die europäische Region dar.
Aufgaben der NRZP
Um eine Ausbreitung von importierten Polioviren zu verhindern, werden von den nationalen Gesundheitsbehörden der WHO folgende Maßnahmen gefordert:
- Aufrechterhaltung und Dokumentation hoher Impfbeteilung der Bevölkerung,
- Durchführung der AFP (acute flaccid paralysis) -Surveillance (=Meldepflicht von schlaffen Lähmungen) bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren,
- Enterovirusüberwachung,
- Qualitätskontrollen von Enterovirus-diagnostizierenden Laboratorien,
- Erhebung und Inspektionen von Laboratorien, in denen Wildtyp-Polioviren bzw. potentiell Wildvirus enthaltenes Material gelagert wird. Diese dürfen nur mehr in Sicherheitslaboratorien (BSL-3-Labors) gezüchtet und gelagert werden.
AFP-Surveillance
Eine wichtige Forderung der WHO ist die Durchführung der AFP-Surveillance (AFP = akute schlaffe Lähmung, acute flaccid paralysis), welche in Österreich seit 1998 flächendeckend durchgeführt wird. Bei dieser Form der Überwachung sollen alle AFP-Fälle bei Kindern und Jugendlichen bis zum 15. Lebensjahr zentral im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Abteilung für Infektionen, Seuchenbekämpfung und Krisenmanagement erfasst werden. Über 40 pädiatrische und neurologische Abteilungen in Österreich sind in dieses Surveillance-System eingebunden. An die Nationale Referenzzentrale für Polio sollen 2 Stuhlproben (Mindestabstand der Probengewinnung 24-48 Stunden) innerhalb von 14 Tagen nach Beginn der Erkrankung zur Virusisolierung gesandt werden.
Enterovirus-Überwachung
Es besteht auch ein epidemiologisches Labornetzwerk zur österreichweiten Enterovirus-Überwachung. Daran beteiligen sich sieben Laboratorien in Österreich, die Enterovirus-Nachweise mittels Virusisolierung oder molekularbiologischen Methoden durchführen und Proben von PatientInnen mit Diagnosen wie Diarrhoe, Meningitis oder Lähmungserscheinungen untersuchen. Die teilnehmenden Laboratorien melden quartalsweise die Zahl der auf Enteroviren untersuchten und die Zahl der positiven Proben an das BMG und an die Nationale Referenzzentrale für Polio. Alle PCR-positiven Stuhlproben werden zur Virusisolierung und Typisierung an die Nationale Referenzzentrale für Polio weitergeleitet.
Weiters sind österreichweit diverse Kinderabteilungen und Pathologien an diesem Surveillancesystem beteiligt, die Stuhlproben von Fällen mit neurologischer Symptomatik oder mit unklarer Todesursache an die NRZP senden. Durch die Untersuchung von Proben auf Enteroviren im Rahmen dieses Überwachungsystems können Aussagen zu zirkulierenden Enteroviren und damit auch zum eventuellen Auftreten von Polio in Österreich getroffen werden.
Die im Rahmen des Enterovirus-Überwachungsprogramms eingesandten Proben werden an der NRZP kostenlos untersucht.
Institut für med. Mikrobiologie und Hygiene, Wien
Institut: Institut für med. Mikrobiologie und Hygiene, Wien
Ort: 1096, Waehringerstrasse 25a
Dienstort: Wien
Autor/Autorin kontaktieren
Weitere Artikel des Autors / der Autorin
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit