Nationale Referenzzentrale für Noroviren

Noroviren sind weltweit verbreitet. Sie sind für einen Großteil der nicht bakteriell bedingten Gastroenteritiden bei Kindern und Erwachsenen verantwortlich. Die Viren verursachen sowohl sporadische Infektionen als auch Gastroenteritis-Ausbrüche, welche durch die explosionsartige Verbreitung des Erregers charakterisiert sind. NV-Infektionen können das ganze Jahr über auftreten, wobei ein saisonaler Gipfel in den Monaten Oktober bis März zu beobachten ist. Die in diesem Zeitraum beobachtete hohe Anzahl an institutionellen Ausbrüchen reflektiert die erhöhte Inzidenz an NV-Infektionen in der Population während dieser Jahreszeit. Krankenhäuser und Altenheime sind die am häufigsten betroffenen Einrichtungen.

Leistungsangebot

Beschreibung Erreger

Noroviren werden der Familie der Caliciviridae zugeordnet. Humanpathogen sind die Genera Norovirus und Sapovirus (früher Sapporo-like viruses). Noroviren sind Einzelstrang-RNA Viren. Da sie keine Hüllmembran besitzen sind sie sehr umweltresistentist. Die hohe Genomvariabilität dieser Viren bedingt eine Vielfalt genetischer Varianten. Derzeit wird das Genus Norovirus in fünf Genogruppen (GG) unterteilt. GGIII (Jena Virus) und V (Maus Virus) sind nicht humanpathogen. Innerhalb der humanmedizinisch bedeutsamen GGI, GGII und GGIV erfolgt durch Sequenzanalyse eine Einteilung in Genotypen. Innerhalb der Genotypen lassen sich noch genetische Varianten unterscheiden.

Wie erfolgt die Ansteckung?

Noroviren werden über den Stuhl und über Erbrochenes ausgeschieden. Bereits geringe Virustiter (10-100 Virionen) reichen für eine Infektion des Menschen aus, daher ist das Risiko eine Infektion zu akquirieren sehr hoch.

Folgende Übertragungswege sind bekannt:

Bei Norovirus-Ausbrüchen ist meistens mehr als eine Übertragungsart involviert. Das Ausmaß der oft explosionsartigen Ausbreitung der Erkrankung in Gemeinschaftseinrichtungen wie Altenheimen, Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern kann durch eine frühzeitige Diagnostik und die Durchführung geeigneter Hygienemaßnahmen eingedämmt werden.

Die akute Ansteckungsfähigkeit besteht während der Erkrankung und zumindest für weitere 48 Stunden nach Abklingen der Symptome. Untersuchungen ergaben, dass das Virus in der Regel noch 7-14 Tage über den Stuhl ausgeschieden werden kann. Weiters konnte gezeigt werden, dass in Ausnahmefällen auch noch über Wochen nach einer akuten Erkrankung ein NV Nachweis möglich ist. Es ist daher auch nach der akuten Phase eine sorgfältige Sanitär- und Händehygiene von großer Bedeutung.

Krankheitsbild

Noroviren erkennen humane Blutgruppenantigene als Rezeptoren und infizieren im Dünndarm die resorbierenden Darmepithelzellen. Die Erkrankung beginnt meist mit heftigem Erbrechen und Durchfall; weitere Symptome, die auftreten können, sind abdominale Schmerzen, Kopfschmerzen, Myalgien und Mattigkeit. Die klinischen Symptome dauern etwa 12-60 Stunden. Obwohl die Krankheit meist selbstlimitierend verläuft, können Dehydrierungen bei Kindern und älteren Personen zu schweren, selten auch zu tödlichen, Verläufen führen.

Diagnostik

Für die Diagnostik von NV im Stuhl gibt es derzeit drei unterschiedliche Nachweismethoden:

Aufgrund der hohen Sensitivität und Spezifität der RT-PCR gilt sie als Goldstandard (Nachweisgrenze: ≥102 RNA Kopien / ml).

Therapie

Eine kausale antivirale Therapie und ein Impfstoff stehen derzeit nicht zur Verfügung. Die Behandlung ist symptomatisch und beschränkt sich vornehmlich auf adäquaten Flüssigkeitsersatz.

Prophylaxe / Kontrollmaßnahmen

Es gibt keinen Impfstoff, der gegen Noroviren schützt. Die Beachtung allgemeiner Hygieneregeln (z. B. Händewaschen vor dem Essen und nach jedem Toilettenbesuch) stellt den Grundpfeiler der Infektionsverhütung dar. Details über Kontrollmaßnahmen bei Norovirusinfektionen sind im Informationsfolder „Noroviren“  und der Norovirus-Leitlinie der AGES beschrieben (siehe LINKS).

Besondere Hinweise

Zur Untersuchung auf Noroviren eignen sich Stuhl oder Erbrochenes der erkrankten Person. Für gewöhnlich werden zur Diagnose von Noroviren Stuhlproben analysiert. Idealerweise sollten die Stuhlproben während der Symptomphase entnommen werden, da die Viruslast in dieser Infektionsphase am höchsten ist. Die Stuhlgefäße sollten zumindest bis zu einem Drittel befüllt werden. Das befüllte Gefäß muß für einen sicheren Transport in einem Übergefäß aufbewahrt werden. Wenn eine kurzzeitige Lagerung der Stühle notwendig ist (z. B. während dem Sammeln der Proben bei einem Ausbruch), sollten die Gefäße gekühlt gelagert werden. Während des kurzzeitigen Transportes ist eine Kühlung nicht erforderlich. Prinzipiell gelten für Erbrochenes dieselben Anweisungen bezüglich Transport und Lagerung wie für die Stuhlproben. Im Falle eines Ausbruchs ist es sinnvoll, nicht mehr als 5 Stühle von akut Erkrankten zu untersuchen. Sobald die Diagnose das Vorliegen einer Norovirus-Infektion bestätigt hat, sind keine weiteren Untersuchungen erforderlich

Unterlagen zum Downloaden

Leitung

Dr. Ingeborg Lederer

Bereich: Öffentliche Gesundheit
Institut: Institut für med. Mikrobiologie und Hygiene, Graz
Telefon: +43(0)5 055561276
Ort: 8010, Beethovenstrasse 6
ingeborg.lederer@ages.at

Leitung-Stv.

PD Dr. Burkhard Springer

Bereich: Öffentliche Gesundheit
Institut: Institut für med. Mikrobiologie und Hygiene, Graz
Ort: 8010, Beethovenstrasse 6
burkhard.springer@ages.at

Institut für med. Mikrobiologie und Hygiene, Graz

Institut: Institut für med. Mikrobiologie und Hygiene, Graz
Ort: 8010, Beethovenstrasse 6
Dienstort: Graz

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