Einfache Radon-Schutzmaßnahmen bei Neubauten empfohlen
Einfache und kostengünstige Vorsorgemaßnahmen sind der beste Schutz vor hohen Radonkonzentrationen bei Neubauten. Grundmaßnahmen werden grundsätzlich empfohlen. In den Gemeinden mit erhöhtem Radonrisiko sind weitere Maßnahmen ratsam.
Vorkommen und Wirkung von Radon
Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas. Es ist geruchs-, geschmacks- und farblos und entsteht durch radioaktiven Zerfall aus Uran. Da Uran als Spurenelement nahezu überall vorkommt (Gestein, Boden, Baumaterialen), wird auch überall Radon gebildet. Als Gas kann es leicht aus dem Material, in dem es gebildet wird, austreten und in die Atemluft gelangen. Radon und seine radioaktiven Folgeprodukte (Polonium, Wismut, Blei) gelangen durch die Atmung in die Lunge, können die oberen Zellschichten schädigen und so das Lungenkrebsrisiko erhöhen. In Österreich werden ca. 10 % der Lungenkrebsfälle durch Radon in Wohnhäusern verursacht.
Zur Ermittlung des Radonrisikos in Österreich wurde in den Jahren 1992 bis 2004 das Österreichische Nationale Radonprojekt (ÖNRAP) durchgeführt. Auf Basis von ca. 40.000 Radonmessungen in Wohnhäusern wurde die Österreichische Radonpotenzialkarte erstellt. In etwa 500 Gemeinden liegt ein erhöhtes Radonpotenzial vor.
Vorsorgemaßnahmen bei Neubauten
Vorsorgemaßnahmen sind wesentlich einfacher, effektiver und langfristig kostengünstiger als die nachträgliche Radonsanierung eines Wohngebäudes. Grundsätzlich gilt: Je dichter die Gebäudehülle gegen das Erdreich ausgeführt ist, desto geringer das Radonrisiko.
Um dieses Wissen effektiver umzusetzen, startet die WHO gerade eine Initiative, bei der ArchitektInnen, BauingenieurInnen und GebäudetechnikerInnen über dieses Thema informiert sowie Ausbildungsunterlagen erstellt werden sollen. Von österreichischer Seite werden bei diesem Projekt ExpertInnen der Österreichischen Fachstelle für Radon, welche bei der AGES eingerichtet ist, mitarbeiten.
In Österreich werden erst bei wenigen Neubauten Radonschutzmaßnahmen berücksichtigt. Dass die Notwendigkeit jedoch gegeben ist und dass in einzelnen Gemeinden der Vorsorgeaspekt schon ernst genommen wird, soll anhand zweier Beispiele gezeigt werden.
Radonvollerhebung in den Gemeinden Reichenau, Haibach und Ottenschlag i. M. (Oberösterreich)
Da die Radonbelastung eines einzelnen Wohnhauses nicht aus der Radonpotenzialkarte abgelesen werden kann, wurde – erstmalig in Österreich – in drei Gemeinden mit erhöhtem Radonpotenzial eine Pilotstudie zur flächendeckenden Bestimmung der Radonkonzentration in jedem Wohngebäude durchgeführt. Die Projektleitung erfolgte durch die Fachstelle für Radon.
Die ausgesprochen hohe Teilnahme von ca. 90 % aller Haushalte zeugt von einem ausgeprägten Bewusstsein betreffend des Gesundheitsrisikos durch Radon in diesen Gemeinden. Drei Viertel der 680 gemessenen Gebäude weisen eine mittlere Radonkonzentration auf, die unter dem österreichischen Richtwert von 400 Bq/m³ liegt – hier sind keine Maßnahmen erforderlich. In einem Viertel der Gebäude wird die Durchführung von Maßnahmen zur Senkung der Radonkonzentration empfohlen.
Die Auswertung der Ergebnisse zeigt aber auch, dass neuere Gebäude im Mittel zwar niedrigere Radonkonzentrationen aufweisen als ältere Gebäude, jedoch sogar die in den vergangenen 10 Jahren errichteten Wohnhäuser im Mittel über dem österreichischen Planungsrichtwert von 200 Bq/m³ liegen! Künftig werden deshalb die Bürger bei Neubauvorhaben durch den Bausachverständigen des Landes Oberösterreich über Radonschutzmaßnahmen beraten. Außerdem kann beim Land Oberösterreich eine Förderung in Anspruch genommen werden.
Weitere Informationen zu dieser Pilotstudie entnehmen Sie bitte der Broschüre „Radonvollerhebung in den Gemeinden Reichenau, Haibach und Ottenschlag i. M.“
Radonvorsorge in der Stadtgemeinde Schwaz (Tirol)
Bei der Widmung von Bauland wurden Bedenken hinsichtlich eines erhöhten Radonpotenzials des Baulandes geäußert. Auf Anfrage der Stadtgemeinde Schwaz hat Dr. Wolfgang Ringer von der Fachstelle für Radon die Bürger vor Ort über Radonschutzmaßnahmen bei Neubauten informiert. Da die Gemeinde Schwaz in der Radonpotenzialkarte als Gemeinde mit erhöhtem Radonpotenzial eingestuft ist, wird künftig von Seiten des Stadtbauamtes bei allen Neubauvorhaben auf geeignete Radonvorsorgemaßnahmen hingewiesen.
Was kann ich tun?
Einen ersten Anhaltspunkt, ob bei einem Neubauvorhaben Radonvorsorgemaßnahmen zu beachten sind, erhalten Sie über die Radonpotenzialkarte. Detaillierte Informationen über die Art der Maßnahmen entnehmen Sie bitte der Broschüre „Radon – Vorsorgemaßnahmen bei Neubauten“.
Wolfgang Ringer
Institut: Radon und Radioökologie Linz
Ort: 4021, Wieningerstrasse 8
Dienstort: Linz
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