Die Sicherheit der Kernenergie – Bevölkerungsschutz in Österreich
Die Sicherheit der friedlichen Nutzung der Kernenergie ist seit Jahrzehnten ein vieldiskutiertes Thema. Gerade in den vergangenen Monaten war mit der immer wieder angekündigten Renaissance der Kernenergie in Zeiten des Klimawandels und des stark steigenden Energiebedarfs in Ländern wie China und Indien dieses Thema wieder sehr aktuell. Die Meinungen dazu gehen weit auseinander. Fest steht jedoch, dass – abhängig vom Reaktortyp – die Folgen eines Unfalles verheerend sein können, wie das der Kernkraftwerk-Unfall von Tschernobyl am 26.4.1986 gezeigt hat.
Deshalb ist eine gewissenhafte Notfallplanung unbedingt erforderlich, um bei radiologischen Notstandssituationen die Auswirkung auf die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten.
Die Überwachung auf Radioaktivität
Die Überwachung des österreichischen Bundesgebietes auf Radioaktivität liegt im Verantwortungsbereich des BMLFUW und wird mittels zweier sich ergänzenden Systemen durchgeführt:
1. Das österreichische Strahlenfrühwarnsystem
Zur raschen Erkennung und Beurteilung großräumiger radioaktiver Kontaminationen ist in Österreich seit nunmehr rund 30 Jahren ein automatisches flächendeckendes Messnetz für Gammadosisleistung mit Online-Übermittlung der Messergebnisse im 10-Minutentakt an die Zentralen bei Bund und Ländern in Betrieb. Es war europaweit das erste automatische Strahlenmesssystem und ist mit 336 Messstationen nach wie vor eines der weltweit dichtesten Messnetze. Die Daten von 96 Messstationen sind im ORF-Teletext (http://teletext.orf.at/; S. 623) abrufbar.
Als Ergänzung des Strahlenüberwachungssystems sind 10 Luftmonitorstationen installiert, die automatisch und kontinuierlich die Alpha-, Beta- und Gammastrahlung der Aerosole in der Luft messen. Auch diese Messwerte sind online in den Bundesstrahlenwarnzentralen verfügbar.
Zwecks möglichst hoher Ausfallsicherheit gibt es zwei weitgehend identisch ausgestattete Bundesstrahlenwarnzentralen, in denen die Rechner des österreichischen Strahlenfrühwarnsystems und die anderen Strahlenwarnsysteme untergebracht sind
2. Das laborgestützte Überwachungsnetz
Das laborgestützte Überwachungsnetz bildet neben dem Strahlenfrühwarnsystem die zweite Säule des Überwachungsnetzes für Radioaktivität in Österreich; die Überwachungsaufgaben werden von den Strahlenschutz-Labors der AGES in Wien, Linz, Graz und Innsbruck erfüllt. Die Hauptaufgaben des laborgestützten Überwachungsnetzes sind, bundesweit jederzeit auch geringfügige Erhöhungen der Radioaktivität in Lebensmitteln sowie in diversen Umweltmedien (Luft, Niederschlag, Boden, etc.) festzustellen und im Falle einer großräumigen Kontamination sofort Messungen durchführen zu können. Weiters sind die möglichen Auswirkungen solcher Kontaminationen zu beurteilen und deren zeitliche Entwicklung zu beobachten.
Die Strahlenalarmpläne von Bund, Ländern und AGES
Wichtige Instrumente für den Schutz der Bevölkerung bei radioaktiven Kontaminationen sind der Gesamtstaatliche Interventionsplan des Bundes und die Interventionspläne der Länder. Hier ist das Notfallmanagement umfassend mit Themen wie beteiligte Organisationen und ihre Zuständigkeiten, Ablaufplanung, Melde- und Alarmierungswege, Bewertung der radiologischen Notstandssituation, Interventionsmaßnahmen, Information der Bevölkerung, medizinische Hilfeleistung etc. festgelegt.
Gleichermaßen müssen auf Labor-Ebene in der AGES Regelungen getroffen sein, um im Notfall große Mengen möglicherweise hochkontaminierter Proben bearbeiten zu können. Die Organisation des Labors, die Probenlogistik, der Schutz der Mitarbeiter und Vermeidung von Querkontaminationen stehen dabei im Mittelpunkt.
Wolfgang Ringer
Institut: Radon und Radioökologie Linz
Ort: 4021, Wieningerstrasse 8
Dienstort: Linz
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Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit