Alljährliche Fragebogenaktion läuft wieder an
Maikäfer galten früher als große Plage für die Landwirtschaft, derer man sich mit allen Mitteln zu erwehren suchte. Vor fast 100 Jahren, im Jahr 1913, wurden in Österreich großräumige Untersuchungen zum Flug des Maikäfers gestartet. Dies hatte seinen Grund darin, dass man danach trachtete, dessen Massenflug vorherzusagen, um rechtzeitig Gegenmaßnahmen setzen zu können.
Vor 60 Jahren wurde eine Befragungsaktion über den Maikäferflug an 3000 österreichischen Volksschulen eingeführt, die heute immer noch verwendet wird. Diese Befragungen werden seit 2005 elektronisch per E-Mail durchgeführt. Heutzutage steht allerdings der Zusammenhang mit geänderten Klimabedingungen im Zentrum des Interesses: Auf Grund des regelmäßigen Entwicklungszyklus der Maikäfer kann man recht gut vorhersagen, in welchen Regionen Österreichs mit einem Auftreten von Maikäfern zu rechnen ist. Denn je nach Durchschnittstemperatur brauchen die Maikäfer drei oder vier Jahre, um sich vom Ei zum fertigen Käfer zu entwickeln. Im Gefolge von besonders warmen oder kühlen Jahren kann es aber vorkommen, dass die Käfer gebietsweise ein Jahr früher oder später als vorgesehen schlüpfen. Diese neue Flugperiodik wird dann auch in Zukunft solange beibehalten, bis sich die Klimaverhältnisse erneut ändern. Auf diese Weise bilden Maikäfer einen guten Indikator für Änderungen im Klimageschehen.
Die Mitarbeit der Schulen ist dabei ein wesentlicher Faktor in dieser langfristigen Forschungsaufgabe, lässt die Auswertung der Befragung doch direkte Vergleiche über einen jahrzehntelangen Zeitraum zu. Die Maikäfer-Experten/-innen der AGES, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, ersuchen daher Schulen, sich wieder an dieser Aktion zu beteiligen.
Maikäferjahre wieder im Kommen?
Die Entwicklung der Käfer läuft gebietsweise synchron ab, das bedeutet, sämtliche Käfer einer Population werden im selben Jahr erwachsen. Die als Engerlinge bekannten Maikäferlarven leben vollständig im Boden und ernähren sich hier von Pflanzenwurzeln. Bei massenhaftem Auftreten können sie starke Schäden im Grünland sowie an holzigen Gewächsen, hauptsächlich an Obst- und Waldbäumen, aber auch Wein, anrichten. Massenhaftes Auftreten von Maikäfern ist heutzutage selten geworden. Ab dem Ende der 60-er Jahre des vorigen Jahrhunderts ging die Flugstärke bis auf wenige Ausnahmen überall stark zurück. Beobachtungen der AGES zeigen aber, dass innerhalb der letzten zwei bis drei Maikäfer-Generationen gebietsweise wieder ein Anstieg der Flugstärke feststellbar ist, der auf einen beginnenden Populationsanstieg hinweisen könnte. Parallel dazu werden aus mehreren Bundesländern wieder stärkere Engerlingsschäden gemeldet.
Problematische Bekämpfung
Die Bekämpfung der Maikäfer hat sich immer schon als schwierig gestaltet. Im Mittelalter wurden die Käfer sogar vor Gericht gestellt, das Einsammeln der erwachsenen Käfer war die längste Zeit die einzige Bekämpfungsmethode. Das Problem dabei: Die hauptsächlichen Schäden werden von den Engerlingen, also den Larven der Käfer, verursacht. Es gibt zwar chemische Mittel, um die Engerlinge zu bekämpfen, allerdings sind diese Mittel nicht gerade umweltfreundlich. Besser geeignet ist ein Pilzpräparat: Dabei wird der in der Natur vorkommende, für Insekten tödliche Pilz Beauveria brongniartii auf Getreidekörnern vermehrt. Die Körner werden in den Boden eingebracht, wo der Pilz wächst, schließlich auch in den Engerling eindringt und ihn zum Absterben bringt. Eine weitere umweltfreundliche Bekämpfungsmöglichkeit besteht in der Behandlung der gesamten Kulturen mit Präparaten, die den Wirkstoff Azadirachtin enthalten. Dieser wird aus dem tropischen Niembaum gewonnen und verhindert, dass überlebensfähige Eier abgelegt werden. Aus den Eiern schlüpfen nur wenige Larven, die schließlich an Häutungsproblemen zugrunde gehen. Der erwachsene Käfer stirbt jedoch nicht ab.
Anmerkung für Hobbygärtner: Auch in Komposthaufen findet man häufig Engerlinge. Dabei handelt es sich allerdings um die Larven von Rosenkäfern. Diese sind nicht schädlich, da sie sich nur von bereits zersetztem Pflanzenmaterial ernähren.
Rückfragehinweis:
AGES – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Unternehmenskommunikation:
Univ.-Doz. Dr. Ingrid Kiefer
Tel: 050 555-25000
E-Mail: ingrid.kiefer@ages.at
Fachlich:
Dr. Andreas Kahrer
Tel: 050 555-33321
E-Mail: andreas.kahrer@ages.at
Institut für Pflanzengesundheit:
Tel: 050 555-33326
E-Mail: pflanzengesundheit@ages.at
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit