Doping-Skandal - Neue illegale Wirkstoffe entdeckt

AGES PharmMed arbeitet eng mit Sonderkommission Doping des Bundeskriminalamts zusammen

(Wien, 26. 5. 2009) Seit Anfang März 2009 unterstützen ExpertInnen der AGES PharmMed (Official Medicines Control Laboratory, OMCL) die „Sonderkommission Doping“ im österreichischen Bundeskriminalamt durch die Untersuchung von Arznei- und Dopingmitteln. Im Zuge dieser Zusammenarbeit werden die beschlagnahmten Proben vom OMCL analysiert, um mit Hilfe der Ergebnisse Strafverfolgungen zu ermöglichen und gegebenenfalls strafprozessuale Maßnahmen zu rechtfertigen. Im Zuge dieser Untersuchungen wurden zwei neue illegale Wirkstoffe entdeckt.

Unbekannte Gefahren für die Gesundheit

Die synthetische Substanz Melanotan-II wird als Bräunungsmittel und Aphrodisiakum eingesetzt. „Melanotan ist kein zugelassenes Arzneimittel, somit fehlt jeglicher Sicherheits- und Wirksamkeitsnachweis. Wie sehr dieses Produkt die Gesundheit der Konsumenten gefährden kann, ist daher völlig unbekannt“, sagt Dr. Andreas Mayrhofer vom OMCL der AGES PharmMed. Dieses illegale Arzneimittel wird nachweislich auch am österreichischen Schwarzmarkt vertrieben. Nachdem das Produkt mittels Spritze injiziert wird, um den Bräunungseffekt zu erhöhen, muss man davon ausgehen, dass zusätzlich auch mit Sicherheitsrisiken mit nicht sterilen Nadeln und den damit verbundenen Gefahren von Infektionskrankheiten gerechnet werden muss.

Der zweite im OMCL erstmals analysierte Wirkstoff ist eine in den sechziger Jahren in Russland entwickelte Substanz namens Silabolin. Diese in der Literatur auch als „the forgotten Russian Nandrolon“ benannte Verbindung wurde damals als schwer nachweisbares Anabolikum eingesetzt. „Erstmalig ist Silabolin nun auch in Österreich aufgetaucht. Auch hier können wir die Gesundheitsrisiken nur erahnen. Generell sind Anabolika jedoch sehr gefährlich“, so Mayrhofer.

Das OMCL seit Anfang März 2009 rund 230 Proben zur Untersuchung erhalten; davon wurden bisher 161 analysiert. 65 Prozent der untersuchten Proben sind Anabolika, 16 Prozent PDE-5 Inhibitoren (Erektionshilfen) sowie Aphrodisiaka und sechs Prozent Hormone (mit anabolikaähnlichen Eigenschaften). Die restlichen 13 Prozent enthalten diverse Inhaltsstoffe, unter anderem Antidepressiva, Entwässerungsmittel, Asthmamittel, Schlankheits- oder Schmerzmittel.

Kein Kauf von Arzneimitteln im Internet

Weltweit entfallen 15 Prozent des Pharmamarktes auf gefälschte oder illegale Arzneimittel. Verzeichnet man in den entwickelten Ländern weniger als ein Prozent, kann man in den Dritte-Welt-Ländern von einem Anteil von bis zu 80 Prozent ausgehen. Auf dem illegalen Markt sind 50 Prozent der Arzneimittel Fälschungen, bei den so genannten Erektionshilfen sogar mehr als 90 Prozent. Das OMCL der AGES PharmMed hat im Jahr 2008 220 Proben von verdächtigen Arzneimitteln gezogen und analysiert; davon barg mehr als die Hälfte ein ernstes Gesundheitsrisiko für Konsumenten. Die AGES PharmMed warnt daher vor einem Arzneimittelkauf im Internet. Aktuelle Warnhinweise finden Sie unter http://www.basg.at/omcl/arzneimittel-faelschungen/warnungen/.

AGES: Schutz für Mensch, Tier und Pflanze

Die AGES nimmt im Auftrag der Republik Österreich vielfältige Aufgaben auf dem Gebiet der Gesundheit und Ernährungssicherheit wahr. Ihr Ziel: weniger Menschen, Tiere und Pflanzen werden krank. Dazu arbeiten sieben strategische Bereiche – Landwirtschaft, Lebensmitteluntersuchung, Veterinärmedizin, Humanmedizin, PharmMed, Kompetenzzentren und Risikobewertung − interdisziplinär zusammen. In 42 Instituten und Kompetenzzentren untersuchen, begutachten und kontrollieren 1400 ExpertInnen u. a. Saatgut, Lebensmittel, Arzneimittel, Tierseuchen und Infektionskrankheiten.

Aktuelle Informationen können sie auch über den AGES-Newsticker beziehen.

Rückfragehinweis:

AGES – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH

Unternehmenskommunikation:
Univ.-Doz. Dr. Ingrid Kiefer
Tel: 050 555-25000
E-Mail: ingrid.kiefer@ages.at 

Fachlich:
Dr. Andreas Mayrhofer
Tel.: 050 555 36910
E-Mail: andreas.mayrhofer@ages.at

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