(Wien, 4.3.2008, BAES) Feuerbrand ist eine hochinfektiöse, schwer zu bekämpfende Krankheit verschiedener Obst- und Ziergehölze (Rosaceae). Erreger ist das Bakterium Erwinia amylovora. Befallene Pflanzen können innerhalb kurzer Zeit absterben. Im Jahr 2007 hat die Bakterienkrankheit Feuerbrand große Schäden in Obstanlagen in Österreich, der Schweiz und in Deutschland verursacht.
Nachhaltige effiziente Methoden zur Bekämpfung dieser gefährlichen Krankheit gibt es derzeit nicht. Besonders wichtig ist daher, seine Verbreitung einzudämmen. Dazu gehören der Verzicht, feuerbrandanfällige Wirtspflanzen auszupflanzen und die genaue Beobachtung von Wirtspflanzen auf Befallssymptome, damit infizierte Pflanzenteile oder Pflanzen frühzeitig entfernt werden können. Stark geschädigte Pflanzen müssen sofort gerodet und am besten an Ort und Stelle verbrannt werden. Denn der Erreger kann auch an gerodetem Holz monatelang am Leben bleiben. Bei weniger geschädigten Pflanzen genügt unter Umständen das Ausschneiden erkrankter Äste. Allerdings muss der Schnitt mindestens einen halben Meter im optisch gesunden Holz geführt werden. Das geschnittene Holz muss ebenfalls sofort vernichtet werden. Schnittwerkzeuge, Hände und Schuhwerk müssen desinfiziert werden.
Die wirksamste und derzeit einzige verfügbare Substanz mit einem beständigen hohen Wirkungsgrad gegen den Feuerbranderreger ist das Antibiotikum Streptomycin. Um den massiven Feuerbrandbefall in den Obstanlagen zu stoppen, hat z. B. die Schweiz Ende Januar 2008 die Bekämpfung mit Streptomycin befristet zugelassen.
In Österreich hat das Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) nach einer umfangreichen Risikobewertung die Bedingungen ausgearbeitet, unter denen eine Gefahr-im-Verzug-Zulassung möglich wäre. Der Streptomycin-Einsatz als Ergänzung zur bestehenden Bekämpfungsstrategie ist dabei an strengste Auflagen geknüpft, sodass daraus keine Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Tier sowie die Umwelt resultiert. Der etwaige Einsatz von Streptomycin kommt demnach nur bei akuter Gefahr in von den zuständigen Landesbehörden festgelegten, geografisch abgegrenzten Gebieten in der Kernobst-Intensivproduktion in Frage und ist auch dort nur als ergänzende Maßnahme im Rahmen einer gesamtheitlichen Bekämpfungsstrategie vorgesehen. Die Anzahl der möglichen Behandlungen ist auf maximal drei während der Blüte beschränkt. Sie dürfen außerdem nur nach einem Warnhinweis der zuständigen Landesbehörde vorgenommen werden. Im Rahmen der Anwendung müssen Mindestabstände zu Gewässern und Wohngebäuden eingehalten werden. Die Obstbauern erhalten das Antibiotikum nur gegen Vorlage eines Berechtigungsscheines, der auch die maximal zu beziehende Produktmenge festlegt.
Ziel ist es, unter Wahrung des Gesundheits- und Umweltschutzes, die Ausbreitung des Erregers bestmöglich zu verhindern.
Symptome: Plötzliches Welken und Verfärben
Der Feuerbrand wird durch Bakterien (Erwinia amylovora) verursacht. Die Erreger sind für den Menschen völlig ungefährlich, können aber zahlreiche Pflanzen wie z.B. Apfel, Birne, Quitte, Eberesche, Cotoneaster, Weiß- und Rotdorn, Feuerdorn und Mispel befallen.
Die Intensität und das räumliche Auftreten der Krankheit sind im Wesentlichen von zwei Faktoren abhängig: Einerseits müssen Feuerbrand-Bakterien in der Nähe vorhanden sein, andererseits begünstigen bzw. hemmen verschiedene Witterungseinflüsse das Ausmaß des Auftretens. Das erklärt deren regionale und jährliche Unterschiede. Eine erste kritische Phase für Infektionen ist die Blütezeit. Über geöffnete Blüten können die Bakterien in die Pflanze eindringen. Herrschen gleichzeitig günstige Witterungsbedingungen (entsprechende Temperaturen plus Feuchtigkeit), kann es zu einer raschen Vermehrung der Krankheitserreger und zu entsprechend starkem Befall kommen. Bis zum Auftreten der ersten Symptome dauert es in der Regel einige Wochen, bei besonders hohen Temperaturen zeigt sich das Schadbild schon nach etwa einer Woche. Typisch sind das plötzliche Welken und Verfärben (braun oder schwarz) von Blättern und Blüten befallener Pflanzen. In weiterer Folge können auch Pflanzentriebe infiziert werden. Sie erscheinen zunächst fahlgrün, beim Vertrocknen werden sie braun bzw. schwarz. Dabei krümmen sich die Triebspitzen infolge des Wasserverlustes oft hakenförmig nach unten. Bei feuchtem Wetter treten an den Befallsstellen weißliche, später braun werdende Tropfen klebrigen Bakterienschleims aus. Kleinräumig kann Feuerbrand neben Regen, Hagel, Wind und Insekten auch über Werkzeuge, Schuhe, Hände, Kleidung oder Reifen von Maschinen verbreitet werden.
Wenn bei Pflanzen eine Feuerbrand-Infektion vermutet wird, ist umgehend der Feuerbrandbeauftragte der Gemeinde, der Feuerbrandsachverständige des Bezirkes oder der Landespflanzenschutzdienst zu verständigen.
Am Institut für Pflanzengesundheit der AGES, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, wurden in den vergangenen Jahren mehrere tausend entsprechende Laboruntersuchungen durchgeführt, unter anderem für das vorgeschriebene EU-Monitoring, mit dem der Ausbreitung des Feuerbrands Einhalt geboten werden soll. Des weiteren werden Forschungsprojekte durchgeführt, die kurz- und mittelfristig alternative Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Feuerbrand bieten können. Eine wesentliche Aufgabe ist auch die Information der Bevölkerung mittels Folder und einer eigenen Feuerbrand-Homepage unter www.ages.at.
Rückfragehinweis:
AGES – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Unternehmenskommunikation:
DI Oskar Wawschinek
Tel: 050 555-25000
E-Mail: oskar.wawschinek@ages.at
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Fachlich:
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Tel: 050 555-34000
E-Mail: leopold.girsch@ages.at
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Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit