AGES zu Auswuchs bei Getreide

Starke Niederschläge im Juli verantwortlich für Qualitätsminderung bei Getreide

(Wien, 6.8.2008, AGES) Zahlreiche Niederschlagstage im Juli und Anfang August führten heuer zu Auswuchsschäden bei Weizen, Sommerdurum, Dinkel, Roggen und Triticale. Betroffen waren Ostösterreich, v. a. das Weinviertel, das Tullnerfeld und in geringerem Ausmaß das Wiener Becken, das Mühl- und Waldviertel, v. a. bei Roggen und Triticale und das Alpenvorland. Hier ist der Großteil der Winterweizen-, Roggen- und Triticalefelder betroffen, so Experten der AGES, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH.

Was versteht man unter Auswuchs?

Unter Auswuchs (oder „dem Auswachsen") versteht man das Keimen der Körner am Halm noch vor der Ernte. In diesem Fall spricht man von offenem oder sichtbarem Auswuchs: Die Fruchtschale über dem Keimling ist durchbrochen, Wurzel- oder Blattkeime sind mit bloßem Auge deutlich zu erkennen. Im Gegensatz dazu sind beim verborgenen, verdeckten oder latenten Auswuchs keine äußerlichen Symptome sichtbar; allerdings sind bereits physiologische Änderungen im Korn eingetreten. Von Auswuchs können sämtliche Getreidearten und Anbauregionen betroffen sein, aber auch Erbse, Raps, Ackerbohne usw.

Entscheidend ist eine in der Teig- bis Totreife länger anhaltende Regenphase in Verbindung mit erhöhter Keimbereitschaft des Getreides. Diese wird wesentlich von den Temperatur- und Strahlungsverhältnissen der vorangegangenen Periode geprägt. Einzelne Getreidearten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber Auswuchs: Triticale, Roggen und Durumweizen neigen stärker zum Auswachsen als (Weich-)Weizen, Dinkel und Hafer. Gerste ist normalerweise am wenigsten von Auswuchs betroffen. Die unterschiedliche Schlechtwettertoleranz beruht hauptsächlich auf Unterschieden in der Dauer und Tiefe der Keimruhe. Diese beruht auf dem Zusammenwirken korneigener Hormone.

Wie wird der Auswuchs bestimmt?

Der Grad des Auswuchses kann auf zwei Arten bestimmt werden: Bei der direkten Bestimmung werden 20 bis 30 Gramm Erntegut mit der Lupe beurteilt und der prozentuelle Anteil gekeimter Körner ermittelt. Bei Roggen und Weizen genügen ca. drei Prozent ausgewachsene Körner, damit das Erntegut nicht mehr zu Mehl verarbeitet werden kann. Im Extremfall können über 40 Prozent der Körner auswachsen (bei Triticale über 80 Prozent).

Eine zweite Methode ist die indirekte Bestimmung: Beim Auswuchs wird durch die Aktivität von Enzymen (z.B. Amylasen) die Stärke im Getreidekorn geschädigt. Die Stärkequalität kann mittels der sog. Fallzahl (in Sekunden) festgestellt werden. Die Fallzahl ist jene Zeit in Sekunden (inkl. 60 Sekunden Rührzeit), die ein Rührstab benötigt, um eine bestimmte Wegstrecke durch eine erhitzte Mehlsuspension zurückzulegen. Je mehr die Stärke geschädigt ist, umso geringer ist die Viskosität und damit die Fallzahl.

Auswuchs in Österreich

In den vergangenen Jahren gab es größere Schäden durch Auswuchs:

Im Jahr 2005 waren insbesondere die anfangs Juli auf geringeren und mittleren Böden des Pannonikums gelbreifen Bestände von Roggen, Triticale und (Weich-)Weizen betroffen. 2006 litten vor allem Bestände im Voralpengebiet, im westlichen Alpenvorland sowie im Mühl- und Waldviertel darunter. In den Spätdruschgebieten wurden mit Ausnahme von Wintergerste sämtliche Getreidearten geschädigt. 2007 gab es hingegen so gut wie keine Probleme. Heuer gab es im Ackerbaugebiet Ober- und Niederösterreichs zwischen 6. und 31. Juli an 13 bis 19 Tagen Regen. Landwirte, die ihren Weizen bis 22. Juli ernten konnten, brachten meist noch eine gute Qualität ein. Der ab 27. Juli geerntete Weizen zeigte geringfügigen bis massiven Auswuchs.

Auswuchs bedeutet Qualitätseinbußen und Mindererlöse

Auswuchs kann zu vermehrtem Kornausfall und Druschverlusten führen. Gravierender sind jedoch die Einbußen, wenn bei Mahlgetreide oder Saatgutvermehrungen die nötige Qualität unterschritten und nur mehr der Futtergetreidepreis erzielt wird. In Anbauverträgen von Backweizen und -roggen ist zumeist ein Auswuchs von höchstens einem Prozent fixiert, bei Ethanolweizen liegt die Grenze bei 2,5 Prozent, Braugerste muss gänzlich frei davon sein. Die bei Auswuchsgetreide mitunter erhöhte Keimbelastung sowie Toxine sind in der Fütterung nachteilig. Bei der Berechnung der Futterrationen ist auch der gesteigerte Zuckergehalt zu berücksichtigen. Partien mit über 30 Prozent Auswuchs werden vom Agrarhandel oft nicht übernommen und enden in Biogas- oder Getreideheizanlagen.

AGES: Schutz für Mensch, Tier und Pflanze

Die AGES nimmt im Auftrag der Republik Österreich vielfältige Aufgaben auf dem Gebiet der Gesundheit und Ernährungssicherheit wahr. Ihr Ziel: weniger Menschen, Tiere und Pflanzen werden krank. Dazu arbeiten sieben strategische Bereiche - Landwirtschaft, Lebensmitteluntersuchung, Veterinärmedizin, Humanmedizin, PharmMed, Kompetenzzentren und Risikobewertung - interdisziplinär zusammen. In 42 Instituten und Kompetenzzentren untersuchen, begutachten und kontrollieren 1400 ExpertInnen u. a. Saatgut, Lebensmittel, Futtermittel, Arzneimittel, Tierseuchen und Infektionskrankheiten.

Rückfragehinweise:
AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH

Unternehmenskommunikation:
DI Oskar Wawschinek
Spargelfeldstraße 191, A-1226 Wien
Tel: 050 555-250 00
E-Mail: oskar.wawschinek@ages.at

Fachlich:
DI Michael Oberforster
Tel: 050 555-349 20
E-Mail: michael.oberforster@ages.at

Institut für Saatgut:
Tel: 050 555-311 21
E-Mail: saatgut@ages.at

 

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