AGES: Feuerbrandsituation in Österreich

Nach dem verheerenden Ausmaß des Feuerbrandauftretens 2007 ist es in der Vegetationsperiode 2008 bisher in den meisten Regionen eher ruhig

(Wien, 08.07.2008, AGES) Als Koordinationsstelle nimmt die AGES, die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, seit 2003 eine entscheidende Rolle bei allen Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Feuerbrand ein. Am AGES-Institut für Pflanzengesundheit laufen die Meldungen der zuständigen Landesstellen über das Auftreten des Feuerbrands zusammen. Derzeit kann das volle Ausmaß des Feuerbrandauftretens 2008 in Österreich noch nicht abgeschätzt werden, zur kritischen Blütezeit war das Infektionsrisiko beim Kernobst aber nicht so hoch wie im vergangenen Jahr. Besichtigungen und Untersuchungen laufen noch.

Überblick über die Situation in den Ländern

In Oberösterreich wurden die ersten Feuerbrandsymptome am 10. und 11. Juni beobachtet. Bisher ist die Krankheit vor allem im westlichen Innviertel und im südlichen Bergland im Streuobstbereich zu finden. Die hochanfällige Speckbirne ist auch heuer wieder betroffen, die Krankheitssymptome gingen mit einer starken Ausbildung von Bakterienschleim einher. Auch bei zwei Erwerbsobstbetrieben musste Feuerbrand festgestellt werden. Es handelt sich um eine Jungpflanzung und eine Anlage mit Feuerbrandbefall im Vorjahr.

In Niederösterreich wurden heuer bereits ca. 100 Feuerbrandfälle gemeldet, die meisten erst Ende Juni. Regionale Schwerpunkte sind die Gebiete um die Bezirke Scheibbs und Neunkirchen. Hier trat Feuerbrand im Streuobst- und Hausgartenbereich auf. In den Gebieten mit Intensivobstbau wurden die Infektionstermine für Mitte Mai berechnet, die Apfelblüte war bereits im Abklingen und somit die kritische Zeit vorüber.

In Kärnten zeigt die Nachkontrolle der 2007 befallenen Standorte bisher keine neuen Symptome. Im Rosental und St. Andrä wurden einzelne Befallsherde festgestellt. Infektionsbedingungen für Feuerbrand traten nur in Höhenlagen zur Kernobstblüte ein. Dort herrschte (durch höhere Temperaturen als in den Tallagen) bereits Vollblüte.

In Tirol hat die warme Witterung zu Pfingsten nahezu landesweit eine hohe Feuerbrand-Infektionsgefahr verursacht. Die Feuerbrandwarndienste in allen Obstbaugebieten haben Infektionsbedingungen gemeldet. Dennoch waren die Bedingungen für Blüteninfektionen im heurigen Frühjahr etwas weniger ausgeprägt als 2007, da es weniger potenzielle Infektionstage gab. Regionaler Schwerpunkt des Krankheitsauftretens war der Raum um Imst, insgesamt sind Äpfel heuer stärker betroffen als Birnen.

In Vorarlberg verlief die Witterung zur Kernobstblüte ähnlich wie 2007, es herrschten je nach Region bis zu zwölf Tage lang Infektionsbedingungen für den Krankheitserreger. Glücklicherweise war zu diesem Zeitpunkt die Birnenblüte großteils bereits vorüber, die Apfelblüte aber je nach Lage zum Teil noch im Gange. In Gebieten mit später Apfelblüte ist der Feuerbrandbefall zum Teil stärker ausgefallen als 2007. Temperaturen bis zu 28° C haben die Infektionen begünstigt. Im Walgau und um Feldkirch sind der Streuobst- und Hausgartenbereich stark betroffen.

Salzburg meldet bisher nur wenig Feuerbrand. Die ersten verdächtigen Symptome wurden Ende Mai beobachtet, Äpfel dürften stärker betroffen sein als Birnen. Ein starkes Auftreten der Monilia-Krankheit (eine durch Pilze verursachte Pflanzenkrankheit, deren Symptome dem Feuerband ähneln) wurde festgestellt.

Auch die Steiermark verzeichnet 2008 weniger Feuerbrandfälle als im Vorjahr. Als Folge des starken Befalles 2007 mussten in sieben Betrieben Obstflächen von insgesamt 3,2 ha bereits vor der Blüte gerodet werden, da die Symptome an den Pflanzen erst im Winter sichtbar wurden (Unterlagenbefall). 2008 wurden Wetterstationen an 28 Standorten für die Berechnung von Infektionsterminen herangezogen. Im Gegensatz zum Vorjahr herrschten Infektionsbedingungen in den Regionen mit Intensivobstbau erst nach der Hauptblüte, teilweise wurden Apfelbäume befallen. Lediglich in 14 Obstbaubetrieben wurde Feuerbrand festgestellt und durch Rückschnittsmaßnahmen saniert. 31 Fälle wurden aus dem Streuobstbau und dem öffentlichen Grün gemeldet, überwiegend aus den inneralpinen Tal- und Beckenlagen.

In Wien gab es bisher keinen einzigen Feuerbrandfall außer einem isoliert stehenden Cotoneaster mit Altbefall. Dieser wurde bereits saniert.

Im Burgenland gab es bisher 31 Feuerbrand-Verdachtsfälle, nur bei drei Proben wurde der Erreger nachgewiesen. In den Intensivobstanlagen sind bis jetzt keine Symptome aufgetreten.

Symptome: Plötzliches Welken und Verfärben

Der Feuerbrand wird durch Bakterien (Erwinia amylovora) verursacht. Die Erreger sind für den Menschen völlig ungefährlich, können aber zahlreiche Pflanzen wie z.B. Apfel, Birne, Quitte, Eberesche, Cotoneaster, Weiß- und Rotdorn, Feuerdorn und Mispel befallen.

Die Intensität und das räumliche Auftreten der Krankheit sind im Wesentlichen von zwei Faktoren abhängig: Einerseits müssen Feuerbrand-Bakterien in der Nähe vorhanden sein, andererseits begünstigen bzw. hemmen verschieden Witterungseinflüsse die Befallsstärke. Das erklärt die regionalen und jährlichen Unterschiede der Befallsstärke. Eine erste kritische Phase für Infektionen ist die Blütezeit. Über geöffnete Blüten können die Bakterien in die Pflanze eindringen. Herrschen gleichzeitig günstige Witterungsbedingungen (entsprechende Temperaturen plus Feuchtigkeit), kann es zu einer raschen Vermehrung der Krankheitserreger und zu entsprechend starkem Befall kommen. Bis zum Auftreten der ersten Symptome dauert es einige Wochen. Typisch sind das plötzliche Welken und Verfärben (braun oder schwarz) von Blättern und Blüten befallener Pflanzen. In weiterer Folge können auch Pflanzentriebe infiziert werden. Sie erscheinen zunächst fahlgrün, beim Vertrocknen werden sie braun bzw. schwarz. Dabei krümmen sich die Triebspitzen infolge des Wasserverlustes oft hakenförmig nach unten. Bei feuchtem Wetter treten an den Befallsstellen weißliche, später braun werdende Tropfen klebrigen Bakterienschleims aus. Kleinräumig kann Feuerbrand neben Regen, Hagel, Wind und Insekten auch über Werkzeuge, Schuhe, Hände, Kleidung oder Reifen von Maschinen verbreitet werden.

Wenn bei Pflanzen eine Feuerbrand-Infektion vermutet wird, ist umgehend der Feuerbrandbeauftragte der Gemeinde, der Feuerbrandsachverständige des Bezirkes oder der Landespflanzenschutzdienst zu verständigen.

Am Institut für Pflanzengesundheit wurden in den vergangenen Jahren mehrere tausend entsprechende Laboruntersuchungen durchgeführt, unter anderem für das vorgeschriebene EU-Monitoring, mit dem der Ausbreitung des Feuerbrands Einhalt geboten werden soll. Des weiteren werden Forschungsprojekte durchgeführt, die kurz- und mittelfristig alternative Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Feuerbrand bieten können. Eine wesentliche Aufgabe ist auch die Information der Bevölkerung mittels Folder und einer eigenen Feuerbrand-Homepage unter www.ages.at.

AGES: Schutz für Mensch, Tier und Pflanze

Die AGES nimmt im Auftrag der Republik Österreich vielfältige Aufgaben auf dem Gebiet der Gesundheit und Ernährungssicherheit wahr. Ihr Ziel: weniger Menschen, Tiere und Pflanzen werden krank. Dazu arbeiten sieben strategische Bereiche – Landwirtschaft, Lebensmitteluntersuchung, Veterinärmedizin, Humanmedizin, PharmMed, Kompetenzzentren und Risikobewertung – interdisziplinär zusammen. In 42 Instituten und Kompetenzzentren untersuchen, begutachten und kontrollieren 1400 ExpertInnen u. a. Saatgut, Lebensmittel, Futtermittel, Arzneimittel, Tierseuchen und Infektionskrankheiten.

Rückfragehinweis:

AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH

Unternehmenskommunikation:
DI Oskar Wawschinek
Spargelfeldstraße 191
A-1226 Wien
Tel: 050 555-25000
e-Mail: oskar.wawschinek@ages.at

Fachlich:
DI Ulrike Persen
Tel: 050 555-33342
e-Mail: ulrike.persen@ages.at

Institut für Pflanzengesundheit
Tel: 050 555-33326
e-Mail: pflanzengesundheit@ages.at





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