(Wien, 19.6.2008, AGES) Der Falsche Mehltau der Sonnenblumen kann Ertragsminderungen bis zu 50 Prozent verursachen, in Ausnahmefällen sind sogar bis zu 95 Prozent möglich. Er wird durch den Pilz Plasmopara halstedii verursacht. Bei weiterhin anhaltender hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 18 und 20 °C ist noch im Juni mit einem vermehrten Auftreten dieser Krankheit an Sonnenblumen zu rechnen.
An Jungpflanzen entstehen blattoberseits zunächst hellgrüne bis gelbe mosaikartige Flecken. Blattunterseits ist ein weißer Sporenrasen zu sehen. Befallene Jungpflanzen bleiben im Wachstum zurück und sterben ab. Befällt der Pilz im Blütenstadium die Pflanzen, bildet er an den höchstgelegenen Blättern meist an beiden Blattseiten den weißen Sporenrasen aus. Der Stängel wächst langsamer, ist dadurch verkürzt und die Blätter stehen in der Folge dichter beisammen. Die Mehrzahl systemisch infizierter Pflanzen – die Pflanze ist erkrankt, es sind aber noch keine äußerlichen Symptome der Pilzerkrankung sichtbar – stirbt ab, bevor sie zur Samenreife gelangen bzw. sie produzieren nur vereinzelt lebensfähige Samen. Ertragsminderungen entstehen auch durch das Absterben infizierter Sämlinge.
Durch die Bildung von physiologischen Rassen, d. h. Unterschiede sind lediglich in der genetischen Struktur bestimmbar, kann der Pilz vorhandene Resistenzen der Wirtspflanzen überwinden und gegebenenfalls auch aggressivere Rassen ausbilden. Derzeit sind 14 physiologische Rassen bekannt.
Hauptwirtspflanzen sind Helianthus annuus, Helianthus tuberosus (Sonnenblumen), Xanthium strumarium (Spitzklette), Artemisia dracunculus (Beifuß) und Ambrosia artemisiifolia (Ambrosie, Traubenkraut). Darüber hinaus sind mehr als 100 Spezies aus der Familie der Asteraceae (Korbblütler) weitere Wirtspflanzen, unter anderem z. B. Aster (Aster), Bidens (Zweizahn) Erigeron (Berufkraut), Eupatorium (Wasserdost), Rudbeckia (Sonnenhut), Silphium (Kompasspflanze), Solidago (Goldrute).
Zur Verhütung und Bekämpfung sollte eine Fruchtfolge von fünf bis sechs Jahren eingehalten werden. Felder mit Bodenfeuchtigkeit sollten nicht mit Sonnenblumen bebaut sowie gesundes Saatgut verwendet und eine unterschiedliche Sortenanfälligkeit ausgenützt werden. Gemäß Pflanzenschutzgesetz (PSG 1995, Anhang II A II) ist Plasmopara halstedii ein Quarantäneschaderreger und daher meldepflichtig. Weiters sind im Anhang IV A II Maßnahmen angeführt, wie innerhalb der EU Saatgut, das möglicherweise durch diesen Erreger befallen sein kann, verbracht werden darf.
AGES: Schutz für Mensch, Tier und Pflanze
Die AGES nimmt im Auftrag der Republik Österreich vielfältige Aufgaben auf dem Gebiet der Gesundheit und Ernährungssicherheit wahr. Ihr Ziel: weniger Menschen, Tiere und Pflanzen werden krank. Dazu arbeiten sieben strategische Bereiche – Landwirtschaft, Lebensmitteluntersuchung, Veterinärmedizin, Humanmedizin, PharmMed, Kompetenzzentren und Risikobewertung − interdisziplinär zusammen. In 42 Instituten und Kompetenzzentren untersuchen, begutachten und kontrollieren 1400 ExpertInnen u. a. Saatgut, Lebensmittel, Arzneimittel, Tierseuchen und Infektionskrankheiten.
Rückfragehinweis:
AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Unternehmenskommunikation:
DI Oskar Wawschinek
Spargelfeldstraße 191, A-1226 Wien
Tel: +43 (0)50 555-25000
E-Mail: oskar.wawschinek@ages.at
Fachlich:
Dr. Gerhard Bedlan
Tel.: 050 555-33330
E-Mail: gerhard.bedlan@ages.at
Oskar Wawschinek
Ort: 1220, Spargelfeldstrasse 191
Dienstort: Wien
Autor/Autorin kontaktieren
Weitere Artikel des Autors / der Autorin
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit