AGES: Die Maikäfer sind wieder unterwegs

Maikäfersammlerin Maria, Volksschule Schiltern
Maikäfersammlerin Maria, Volksschule Schiltern

Beobachtungen zeigen heuer in einigen Gegenden starken Flug von Maikäfern

(Wien, 20.5.2008, AGES) Es gab sie als "Müller" - mehlig weißlich behaart - oder "Schornsteinfeger" - dunkel mit wenig Haaren. Besonderen Sammelwert unter Kindern, weil seltener und mit rötlichem Kopf und Brustschild am eindrucksvollsten, genossen die "Kaiser": Alles Bezeichnungen für Maikäfer-Variationen, die innerhalb einer Population und auf einem Baum vorkommen können.

In Österreich wurden großräumige Untersuchungen zu den Maikäferflügen bereits 1913 gestartet. Eine 1950 eingeführte Befragungsaktion über die Maikäferflüge wird heute noch immer verwendet und lässt direkte Vergleiche in einem über fünfzigjährigen Zeitraum zu. Mitte April werden alljährlich Fragekarten an österreichische Volksschulen versandt, worin die Intensität des Maikäferfluges nach der Einteilung "stark", "schwach", "vereinzelt" oder "fehlend" erfragt wird. Bei Aussendungen an etwa 3000 Volksschulen liegt die Rückmeldequote um durchschnittlich 60 Prozent. Die Befragungen werden seit 2005 elektronisch per Email durchgeführt.

Massenauftreten dieses Vertreters der Blatthornkäfer sind heutzutage seltener geworden. Ab dem Ende der 60-er, Anfang der 70-er Jahre des vorigen Jahrhunderts ging die Flugstärke bis auf wenige Ausnahmen überall stark zurück. Beobachtungen der AGES, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, zeigen aber, dass innerhalb der letzten zwei bis drei Maikäfer-Generationen gebietsweise wieder ein Anstieg der Flugstärke feststellbar ist, der auf einen beginnenden Populationsanstieg hinweisen könnte. Parallel dazu werden aus mehreren Bundesländern wieder stärkere Engerlingsschäden gemeldet. Starke Maikäferflüge werden aus Kärnten (Ebenthal, Eberndorf, Ferlach, Hermagor, St. Jakob), Tirol (Telfs), Vorarlberg (Nüziders, Sulz), OÖ (Haigermoos), Niederösterreich (Krems Land, Klosterneuburg, Tulln, Grafenwörth, Enzesfeld Lindabrunn, Achau, Schrattenthal) gemeldet. Sollte sich der Trend der letzen Jahre mit erhöhten Temperaturwerten fortsetzen, so könnte unter Umständen gebietsweise auch ein Übergang vom vierjährigen zu einem dreijährigen Entwicklungszyklus eintreten, da die Käferlarven dann in der Lage wären, ihre Entwicklung rascher zu durchlaufen. Die Flugbeobachtungen sind zwar noch nicht abgeschlossen, es lässt sich aber bereits jetzt feststellen, dass der Maikäferflug fast ausschließlich dort stattfindet, wo es nach langjährigen Erfahrungen zu erwarten ist. In Österreich kommen vor allem dreijährige, in höher gelegenen Alpentälern jedoch auch vierjährige Flugfolgen vor.

Regelmäßiger Entwicklungszyklus

Auf Grund des regelmäßigen Entwicklungszyklus der Maikäfer kann man recht gut vorhersagen, in welchen Regionen Österreichs mit einem Auftreten der Maikäfer zu rechnen ist. Denn je nach Höhenlage brauchen die drei hierzulande vorkommenden Maikäferarten drei oder vier Jahre, um sich vom Ei zum fertigen Käfer zu entwickeln. Die als Engerlinge bekannten Maikäferlarven leben vollständig im Boden und ernähren sich hier von Pflanzenwurzeln. Die Entwicklung der Käfer läuft synchron ab. Das bedeutet, sämtliche Käfer einer Population werden im selben Jahr erwachsen. Bei massenhaftem Auftreten können die Engerlinge starke Schäden im Grünland sowie an holzigen Gewächsen, hauptsächlich an Obst- und Waldbäumen, aber auch Wein, anrichten.

Problematische Bekämpfung

Die Bekämpfung der Maikäfer hat sich immer schon als schwierig gestaltet. Im Mittelalter wurden die Käfer sogar vor Gericht gestellt, das Einsammeln der erwachsenen Käfer war die längste Zeit die einzige Bekämpfungsmethode. Das Problem dabei: Die hauptsächlichen Schäden werden von den Engerlingen, also den Larven der Käfer, verursacht. Es gibt zwar chemische Mittel, um die Engerlinge zu bekämpfen, allerdings sind diese Mittel nicht gerade umweltfreundlich. Besser geeignet ist ein Pilzpräparat: Dabei wird der in der Natur vorkommende, für Insekten tödliche Pilz Beauveria brongniartii auf Getreidekörnern vermehrt. Die Körner werden in den Boden eingebracht, wo der Pilz wächst, schließlich auch in den Engerling eindringt und ihn zum Absterben bringt. Eine weitere umweltfreundliche Bekämpfungsmöglichkeit besteht in der Behandlung der gesamten Kulturen mit Präparaten, die den Wirkstoff Azadirachtin enthalten. Dieser wird aus dem tropischen Niembaum gewonnen und verhindert, dass überlebensfähige Eier abgelegt werden. Aus den Eiern schlüpfen nur wenige Larven, die schließlich an Häutungsproblemen zugrunde gehen. Der erwachsene Käfer stirbt jedoch nicht ab.

Zum Abschluss noch ein Anmerkung für Hobbygärtner: Auch in Komposthaufen findet man häufig Engerlinge. Dabei handelt es sich allerdings um die Larven von Rosenkäfern. Diese sind nicht schädlich, da sie sich nur von bereits zersetztem Pflanzenmaterial ernähren.

Rückfragehinweis:

AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH

Unternehmenskommunikation:
DI Oskar Wawschinek
Spargelfeldstraße 191, A-1226 Wien
Tel: +43 (0)50 555-25000
E-Mail: oskar.wawschinek@ages.at
www.ages.at

Fachlich:
Mag. Dr. Giselher Grabenweger
Tel: 050 555-333 20
E-Mail: giselher.grabenweger@ages.at

Institut für Pflanzengesundheit:
Tel: 050 555-333 26
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