AGES: Keine Gefahr durch giftige Osterluzei
Mit den Samen dieser Pflanze kontaminiertes Mehl gilt als Auslöser einer bestimmten Form des Nierenversagens
(Wien, 6.8.2007, AGES) Mit dem Gift der Osterluzei (Aristolochia clematitis) kontaminiertes Mehl gilt als der seit langem gesuchte Auslöser der so genannten Balkan-Endemischen Nephropathie, einer typischen Form des Nierenversagens. In Österreich ist eine derartige Kontamination so gut wie ausgeschlossen: Bei regelmäßigen Untersuchungen der AGES, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, wurden bisher keine Verunreinigungen im Saatgut festgestellt.
Seltenes Unkraut
Die Osterluzei ist eine wärmebedürftige Pflanze, die ursprünglich im Mittelmeergebiet wie auch in Westasien heimisch ist. Sie kommt in Österreich nur auf bestimmten Standorten vor, die sich klimatisch eignen, beispielsweise in und um Wien (Lobau), ebenso wie im Burgenland, Niederösterreich, der Steiermark und Kärnten. Die bevorzugten Fundorte sind Auwälder, Böschungen und Weingartenränder.
Die Pflanze ist mehrjährig, 30 bis 70 cm hoch, besitzt herz- bis nierenförmige Blätter und asymmetrische, gelbe, röhrenförmige Blüten, die zwischen Mai und Juni in den Blattachseln in Büscheln erscheinen. Die vielsamige Frucht ist eine Kapsel etwa in Walnussgröße. Darin befinden sich braune, bis fingernagelgroße Samen, die relativ leicht sind und korkig erscheinen.
Problematische Inhaltstoffe
Die Osterluzei enthält in den Wurzeln mehr, in den Blättern weniger Aristolochiasäuren. Diese können bei längerfristiger Aufnahme – über Lebensmittel oder pflanzliche Präparate – eine chronische Vergiftung auslösen. Es handelt sich dabei um eine Nierenschädigung, die sich als chronische Vergiftung relativ spät bemerkbar macht und zu Nierenversagen und Krebstumoren führt. Die Krankheit wird so genannt, weil sie ausschließlich in ländlichen Regionen des Balkans vorkommt, wo die Bevölkerung noch aus selbst angebautem und weiterverarbeitetem Getreide Nahrungsmittel herstellt. Wahrscheinlich werden dabei die ebenfalls giftigen Samen der Osterluzei mit dem Getreide zu Mehl vermahlen. Die gleichen Symptome wurden bei belgischen Frauen gefunden, die mit Hilfe von chinesischen Schlankheitspräparaten abnehmen wollten, die durch Osterluzei verunreinigt waren.
Keine Gefahr in heimischen Lebensmitteln
Beim Einsatz von hochwertigem Saatgut, insbesondere von durch die AGES zertifiziertem Saatgut, findet keine Verbreitung der Samen der Osterluzei statt. Im Zuge der Untersuchung im Zulassungsverfahren für Saatgut in Österreich wurde bisher kein Besatz mit Osterluzei vorgefunden. Eine im konventionellen Landbau effektive Unkrautbekämpfung verhindert in der Regel den Durchwuchs von derartigen Pflanzen. Nur in mangelhaft geführten Getreide- und Kulturpflanzenbeständen könnte die Osterluzei vorkommen und in der Folge ein Besatz im Erntegut auftreten.
Da überdies in Österreich die Selbstversorgung mit Getreide selten geworden ist und sich die Ernte-, Reinigungs- und Aufbereitungstechnologie in der heimischen Landwirtschaft auf hohem technischem Niveau befindet, ist eine Gefährdung durch Osterluzei aus der heimischen Getreide- und Pflanzenproduktion sehr unwahrscheinlich.
Fünf Jahre AGES: Schutz für Mensch, Tier und Pflanze
Die AGES nimmt im Auftrag der Republik Österreich vielfältige Aufgaben auf dem Gebiet der Gesundheit und Ernährungssicherheit wahr. Ihr Ziel: weniger Menschen, Tiere und Pflanzen werden krank. Dazu arbeiten sieben strategische Bereiche – Landwirtschaft, Lebensmitteluntersuchung, Veterinärmedizin, Humanmedizin, PharmMed, Kompetenzzentren und Risikobewertung − interdisziplinär zusammen. In 42 Instituten und Kompetenzzentren untersuchen, begutachten und kontrollieren 1400 ExpertInnen u. a. Saatgut, Lebensmittel, Arzneimittel, Tierseuchen und Infektionskrankheiten.
Rückfragehinweise:
AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
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