AGES: Feuerbrandsituation in Österreich
Besonders betroffen sind die Steiermark, Vorarlberg, Salzburg und Tirol
(Wien, 13.6.2007, AGES) Als Koordinationsstelle nimmt die AGES, die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, seit 2003 eine entscheidende Rolle bei allen Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Feuerbrand ein. Am AGES-Institut für Pflanzengesundheit laufen die Meldungen der zuständigen Landesstellen über das Auftreten des Feuerbrands zusammen. Derzeit kann das volle Ausmaß des Feuerbrandauftretens 2007 in Österreich noch nicht abgeschätzt werden. Erste Symptome wurden vor ca. drei Wochen beobachtet, Besichtigungen und Untersuchungen laufen noch.
Überblick über die Situation in den Ländern
In Oberösterreich dürfte es im Salzkammergut zu starken Blüteninfektionen im Streuobstbereich gekommen sein, auch das Innviertel ist wieder betroffen. In drei Erwerbsobstbetrieben (betroffen sind ca. fünf bis sieben Hektar) wurde Feuerbrand bereits festgestellt.
Niederösterreich ist bis jetzt noch wenig betroffen, vermutlich waren zur Blütezeit keine für den Feuerbrand günstigen Infektionsbedingungen gegeben. Allerdings wurde in drei Apfelanlagen Feuerbrand gefunden.
In Kärnten wurde im Vorjahr das bisher stärkste Feuerbrandauftreten registriert. Auch heuer haben Blüteninfektionen, v.a. in den beiden bereits im Jahr 2006 am stärksten betroffenen Gemeinden, wieder zu Schäden geführt. Insgesamt kann man jedoch noch von keiner starken Ausbreitung der Krankheit in Kärnten sprechen.
In Tirol wurde in den vergangenen Wochen in mehreren Erwerbsobstbetrieben Feuerbrand festgestellt. Besonders betroffen sind die Bezirke Lienz, Innsbruck und Landeck. Es mussten bereits ca. 6000 Bäume gerodet werden. Aus dem Streuobstbereich gibt es bisher weniger Meldungen, da das Augenmerk verstärkt auf die Obstbaubetriebe und deren Umgebung gelenkt wird.
Im Vorarlberger Rheintal ist in allen Obstanlagen (selbst in höheren Lagen) Feuerbrand zu finden. Hier ist praktisch jeder Baum in unterschiedlichem Ausmaß erkrankt. Auch aus dem Rheindelta und dem Walgau sind zahlreiche Feuerbrandmeldungen zu verzeichnen, Schätzungen zufolge werden auch im Bregenzer Wald zahlreiche Rodungen bevorstehen. Für etwa zehn bis 20 Prozent der Erwerbsobstbauern ist die Lage ernst, auch der Rest kämpft mit starkem Feuerbrandbefall. 10.000 Hochstammbäume (v.a. Birnen und Äpfel) sind akut gefährdet. Wie viele Rodungen tatsächlich durchgeführt werden müssen, ist noch unklar.
Salzburg verzeichnet das schlimmste Feuerbrandauftreten der letzten fünf Jahre. Im heurigen Jahr sind besonders viele Apfelbäume betroffen, daneben auch Birne und Vogelbeere. Es gibt noch keine Meldungen über Befall aus dem Zierpflanzenbereich. Im Flachgau und Tennengau zeigt fast jeder zweite Baum die typischen Krankheitssymptome, auch aus dem Pinzgau und Pongau gibt es schon bestätigte Fälle.
Auch die Steiermark als wichtiges Obstanbaugebiet durchlebt heuer ein starkes Feuerbrandjahr. In weiten Teilen des Landes sind neben Streuobstbäumen und Pflanzen im öffentlichen Grün bisher etwa 200 Erwerbsobstbaubetriebe betroffen. Späte und starke Blüteninfektionen haben je nach Sorte und Lage zu unterschiedlich schweren Krankheitsausbrüchen geführt. Insgesamt ist die Situation als besorgniserregend bis katastrophal zu beurteilen.
In Wien gab es bisher keinen einzigen Feuerbrandfall, im Burgenland bisher nur Befall im öffentlichen Grün (Cotoneaster) in einer Gemeinde.
Symptome: Plötzliches Welken und Verfärben
Der Feuerbrand wird durch Bakterien (Erwinia amylovora) verursacht. Die Erreger sind für den Menschen völlig ungefährlich, können aber zahlreiche Pflanzen wie z.B. Apfel, Birne, Quitte, Eberesche, Cotoneaster, Weiß- und Rotdorn, Feuerdorn und Mispel befallen.
Die Intensität und das räumliche Auftreten der Krankheit sind im Wesentlichen von zwei Faktoren abhängig: Einerseits müssen Feuerbrand-Bakterien in der Nähe vorhanden sein, andererseits begünstigen bzw. hemmen verschiedene Witterungseinflüsse die Befallsstärke. Das erklärt deren regionale und jährliche Unterschiede. Eine erste kritische Phase für Infektionen ist die Blütezeit. Über geöffnete Blüten können die Bakterien in die Pflanze eindringen. Herrschen gleichzeitig günstige Witterungsbedingungen (entsprechende Temperaturen plus Feuchtigkeit), kann es zu einer raschen Vermehrung der Krankheitserreger und zu entsprechend starkem Befall kommen. Bis zum Auftreten der ersten Symptome dauert es einige Wochen. Typisch sind das plötzliche Welken und Verfärben (braun oder schwarz) von Blättern und Blüten befallener Pflanzen. In weiterer Folge können auch Pflanzentriebe infiziert werden. Sie erscheinen zunächst fahlgrün, beim Vertrocknen werden sie braun bzw. schwarz. Dabei krümmen sich die Triebspitzen infolge des Wasserverlustes oft hakenförmig nach unten. Bei feuchtem Wetter treten an den Befallsstellen weißliche, später braun werdende Tropfen klebrigen Bakterienschleims aus. Kleinräumig kann Feuerbrand neben Regen, Hagel, Wind und Insekten auch über Werkzeuge, Schuhe, Hände, Kleidung oder Reifen von Maschinen verbreitet werden.
Wenn bei Pflanzen eine Feuerbrand-Infektion vermutet wird, ist umgehend der Feuerbrandbeauftragte der Gemeinde, der Feuerbrandsachverständige des Bezirkes oder der Landespflanzenschutzdienst zu verständigen.
Am Institut für Pflanzengesundheit wurden in den vergangenen Jahren mehrere tausend entsprechende Laboruntersuchungen durchgeführt, unter anderem für das vorgeschriebene EU-Monitoring, mit dem der Ausbreitung des Feuerbrands Einhalt geboten werden soll. Des weiteren werden Forschungsprojekte durchgeführt, die kurz- und mittelfristig alternative Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Feuerbrand bieten können. Eine wesentliche Aufgabe ist auch die Information der Bevölkerung mittels Folder und einer eigenen Feuerbrand-Homepage unter www.ages.at
Rückfragehinweis:
AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
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A-1226 Wien
Tel: 050 555-25000
e-Mail: oskar.wawschinek@ages.at
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Fachlich:
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Tel: 050 555-33342
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Institut für Pflanzengesundheit
Tel: 050 555-33326
E-Mail: pflanzengesundheit@ages.at
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