AGES: "Blondes Gold" bedroht Österreichs Weinbau

Rebzikade - Scaphoideus titanus
Rebzikade - Scaphoideus titanus

Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH setzt Maßnahmen, um Einschleppung von Flavescence dorée, einer gefährlichen Rebkrankheit, zu verhindern


(Wien, 11.12.2006, AGES) Der Name klingt nach Parfüm, bezeichnet aber eine Krankheit: Flavescence dorée, das "blonde Gold", kann ganze Weingärten vernichten. In der EU ist diese von Bakterien, so genannten Phytoplasmen, verursachte Rebkrankheit als Quarantänekrankheit eingestuft. Das bedeutet, dass ihr Auftreten meldepflichtig ist und dass alle Maßnahmen ergriffen werden müssen, ihre Verbreitung einzudämmen. In Frankreich und Italien weit verbreitet, ist sie bereits bis an die Grenzen Österreichs vorgedrungen. Das Institut für Pflanzengesundheit der AGES, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, hat in einer Risikobewertung die Gefahr hoch eingestuft, dass sich diese Krankheit hierzulande etabliert. Es wurde daher ein umfangreiches Überwachungsprogramm gestartet.

Bakterien lassen Reben absterben


Verursacht wird die Krankheit durch zellwandlose Bakterien, so genannte Phytoplasmen. Diese Bakterien besiedeln die Siebzellen der Pflanze und stören damit den Stoffwechsel der Rebe. In der Folge vergilben die Blätter: Bei Weißweinsorten nehmen sie eine goldgelbe Farbe an (daher der deutsche Name "goldgelbe Vergilbungskrankheit"), die Blätter von Rotweinsorten werden leuchtend rot. Blüten und Beeren vertrocknen, der ganze Rebstock kann absterben. Die Beeren reifen schlecht, wodurch ihre Qualität stark beeinträchtigt wird. Einmal aufgetreten, helfen nur noch drastische Maßnahmen: Erkrankte Rebstöcke müssen gerodet werden, der Überträger, eine Zikade, muss bekämpft werden.

Zikaden als Transportmittel

Übertragen werden die Phytoplasmen von der Amerikanischen Rebzikade (Scaphoideus titanus). Diese rund fünf Millimeter große Zikadenart saugt ausschließlich an Weinreben. Dabei nehmen die Tiere die Phytoplasmen bereits infizierter Reben auf und übertragen sie auf die nächsten Reben, an denen sie saugen. Dadurch kann sich die Krankheit im Weingarten explosionsartig ausbreiten. Ursprünglich in Nordamerika beheimatet, wurde die Amerikanische Rebzikade in den 50-er Jahren des 20. Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt. Heute ist sie weit verbreitet (Frankreich, Italien, N-Spanien, N-Portugal, Schweiz, Kroatien, Ungarn und Slowenien). Ende September 2004 wurden die ersten, allerdings nicht infizierten Zikaden von Experten der AGES erstmals in den Weinbaugebieten um Klöch in der Südoststeiermark entdeckt. Auch heuer sind noch keine infizierten Zikaden bzw. Rebstöcke nachgewiesen worden. Da Flavescence dorée in Slowenien bereits festgestellt wurde, besteht die Gefahr, dass Zikaden bei ihren ausgedehnten Zügen am Ende des Sommers die Krankheit nach Österreich einschleppen. Daher werden sämtliche Überwachungs-Maßnahmen durch die AGES verstärkt und Notfallspläne ausgearbeitet.

Detailinfos zur Rebzikade

Rückfragehinweis:


AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH

Unternehmenskommunikation:
DI Oskar Wawschinek
Tel: 050 555-25000
E-Mail: oskar.wawschinek@ages.at
www.ages.at

Fachlich:
Phytoplasmen:
Mag. Helga Reisenzein
Tel: 050 555-33340
E-Mail: helga.reisenzein@ages.at

Amerikanische Rebzikade:
Dr. Norbert Zeisner
Tel: 050 555-33312
E-Mail: norbert.zeisner@ages.at

Institut für Pflanzengesundheit
Tel: 050 555-33326
E-Mail: pflanzengesundheit@ages.at

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