Presseinformation AGES ist leistungsfähige Kontrollinstanz für Pestizide
Kontrollen greifen, AGES liegt bei der Analyse von Rückständen europaweit im Spitzenfeld / Obst und Gemüse sind gesund und sicher
(Wien, 27.10.2005, AGES) Landwirtschaftliche Erzeugnisse, Obst und Gemüse in Österreich sind gesund und sicher. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten die AGES, die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH und das Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES): Durch ihre Kontrolltätigkeit decken sie die illegale Inverkehrbringung von Pflanzenschutzmitteln über Netzwerke auf; die international anerkannte hohe Qualität der AGES-Labors ist Garant für bestmögliche Kontrolle von Pestizid-Rückständen bei Lebensmitteln.
Strenge Kontrolle von Pflanzenschutzmitteln
Die Kontrolle des Inverkehrbringens, der Kennzeichnung und der Zusammensetzung von Pflanzenschutzmitteln obliegt gemäß dem Pflanzenschutzmittelgesetz 1997 dem Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES). Nur in Österreich zugelassene Pflanzenschutzmittel dürfen in Verkehr gebracht werden. Die Zulassung erfolgt erst, nachdem durch umfangreiche Prüfungen sicher gestellt ist, dass ein Einsatz des Pflanzenschutzmittels weder unmittelbar noch mittelbar schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze bzw. auf die Umwelt hat.
Die Kontrollen des BAES werden zuverlässig auf der Grundlage eines risikobasierten Probenplanes durchgeführt, erläutert Leopold Girsch, Bereichsleiter Landwirtschaft der AGES: So wurden heuer bereits über 340 Betriebskontrollen im Groß- und im Detailhandel vorgenommen. Bei den Kontrollen im Jahr 2005 wurden insgesamt 78 Tonnen Pflanzenschutzmittel vorläufig beschlagnahmt und bisher rund 650 Anzeigen bei den zuständigen Bezirksverwaltungsbehörden gemacht. Bis Jahresende wird mit rund 1000 Anzeigen gerechnet. Der Großteil der Anzeigen betrifft grobe Kennzeichnungsmängel und das Inverkehrbringen nicht zugelassener Pflanzenschutzmittel.
Das BAES hat dafür Sorge getragen die Zahl der Betriebskontrollen in den vergangenen Jahren stark zu erhöhen: Wurde im Vorjahr bereits jeder vierte Inverkehrbringer kontrolliert, wird inzwischen das Ziel gesetzt, etwa jedes zweite Unternehmen pro Jahr zu kontrollieren, sodass innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren alle Betriebe kontrolliert werden. Im Kontrolljahr 2004 betrug die Zahl der Produktkontrollen 4725 und sie hat für 2005 inzwischen deutlich 5000 überschritten. Die Zahl der von den Anzeigen betroffenen Produkte lag 2004 noch bei 110 und liegt 2005 aktuell bei etwa 230 Produkten.
Durch diese verstärkte Kontrolltätigkeit wurde ein Netzwerk von Vertriebsschienen aufgedeckt, welche auch nicht zugelassene Pflanzenschutzmittel in Verkehr bringen, betont Girsch. Das verstärkte Auftreten dieser Vertriebsschienen wurde mit dem Beitritt neuer Mitgliedstaaten mit 1. Mai 2004 begünstigt: einerseits aufgrund der europaweit großen Preis- bzw. Mehrwertsteuer-Differenzen und andererseits aufgrund des Ausscheidens von mehr als 300 Wirkstoffen mit dem Jahr 2003 aus dem Anhang I der Richtlinie 91/414/EWG. Pflanzenschutzmittel mit diesen mehr als 300 Wirkstoffen sind seit Beginn des Jahres 2004 nicht mehr zugelassen. Teile des Handels haben bei der Inverkehrbringung auf diese Veränderungen bei der Zulassung nicht adäquat reagiert.
"Aktion scharf"
Auf diese Gegebenheiten hat das BAES mit einer Reihe von Maßnahmen reagiert: Neben der systematischen Verstärkung der Betriebskontrollen wurden die Produktkontrollen in den Betrieben massiv ausgeweitet. Eine Maßnahme davon ist die detaillierte Untersuchung von Pflanzenschutzmittelproben auf ihre Formulierung, d.h. chemische Zusammensetzung. Es wurden die Informationsnetzwerke innerhalb der AGES und zwischen den Behörden, einschließlich der Lebensmittelaufsicht intensiviert: So werden z. B. die für die Kontrolle der Pflanzenschutzmittelanwendung zuständigen Landesbehörden unverzüglich über die Ergebnisse der Pflanzenschutzmittelverkehrskontrollen informiert. Andere Behörden wie die Finanzbehörden, die Agrarmarkt Austria (AMA) und die Umweltkrimimalpolizei werden im Zuge von Amtshilfeverfahren über Verstöße gegen das Pflanzenschutzmittelgesetz unterrichtet. Bei Vorliegen des Verdachts strafbarer Handlungen wird Anzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft erstattet. Unter Federführung der AGES werden überdies ein Pflanzenschutzmittel-Kontrollhandbuch erstellt und eine Pflanzenschutzmittel-Kontrolldatenbank aufgebaut, die künftig von AGES, Lebensministerium, Ländern und AMA gemeinsam genutzt werden. Ein umfangreiches Informations- und Schulungsangebot der AGES und AGES-Akademie dienen der Vorsorge und ergänzen die Wirksamkeit der Maßnahmensetzungen der AGES.
Umfangreiche Kontrolle von Pestizid-Rückständen in Lebensmitteln
Österreich gehört zu den Staaten innerhalb der EU, die am meisten auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln hin kontrollieren, betont Friedrich Sövegjarto, Leiter des Bereichs Kompetenzzentren der AGES: Kommen hierzulande auf 100.000 Einwohner 19 untersuchte Proben, sind es im Vergleich dazu in Deutschland 13 Proben pro 100.000 Einwohner. Die Richtigkeit der initiativen Entscheidung von Lebensministerium und Gesundheitsministerium, die AGES mit diesen Aufgaben zu betrauen, bestätigte auch die Europäische Kommission im Vorjahr, als sie betonte, dass Österreich zielgerichtet eine große Anzahl von Wirkstoffen untersuche. Ein jährlich durchgeführter EU-weiter Leistungs-Test, an dem sich 126 Labors aus 25 Staaten, einschließlich Norwegen und Rumänien, beteiligten, zeigte die AGES-Labors im Spitzenfeld. Die beiden Labors in Innsbruck und Wien gehören zu jenen bloß 36 Untersuchungsstellen, die sowohl bei der Zahl der gefundenen Wirkstoffe als auch bei der Genauigkeit der Bestimmung als "gut" eingestuft wurden.
Die AGES ist auch Teil eines europaweiten wissenschaftlichen Netzwerks zur Pestizidbestimmung. Experten aus zahlreichen Staaten tauschen sich in dieser Plattform über aktuelle Untersuchungsergebnisse und -methoden aus. Dadurch wird gewährleistet, dass das Untersuchungsspektrum ständig an die am häufigsten gefundenen bzw. an neue Wirkstoffe angepasst werden kann. So werden auch die Untersuchungsmethoden der AGES-Labors kontinuierlich erweitert. "Durch interne Umstrukturierungen und das Ausnutzen von Synergien haben wir unsere Effizienz gesteigert. Das zeigt sich deutlich an der gesteigerten Zahl sowohl der Proben als auch der untersuchten Wirkstoffe seit Gründung der AGES", sagt Sövegjarto. Derzeit werden 260 Pestizid-Wirkstoffe routinemäßig untersucht. Zum Vergleich: Für das EU-Monitoring wird die Untersuchung von 69 Wirkstoffen gefordert.
Url: AGES erfüllt Aufgabe bestens
"Mit der Gründung der AGES haben Lebensministerium und Gesundheitsministerium eine richtungsweisende und richtige Entscheidung getroffen", betont Bernhard Url, Direktor des BAES. Durch die Vernetzung von BAES und AGES, die zu einem engen Zusammenwirken von Kontrollorganen, Rückstandsanalytik, Risikobewertung und Lebensmitteluntersuchung entlang der gesamten Lebensmittelkette geführt hat und die Schaffung von Netzwerken auf nationaler und internationaler Basis wurde die Effizienz der Pestizidkontrolle in Österreich auf ein bisher nicht vorhandenes Niveau gehoben. "Bei der Kontrolle von Pestizid-Rückständen können wir uns international sehen lassen, wie die Spitzenposition der AGES-Labors im europäischen Vergleich zeigt", sagt Url. Dass die AGES ihre Aufgabe als Kontrollinstanz bestens erfüllen kann, zeigt auch ein zeitlicher Vergleich über die vergangenen Jahre: "Seit der Gründung der AGES im Jahr 2002 wurden die Pflanzenschutzmittelverkehrskontrollen vervielfacht und die Zahl der untersuchten Proben wie auch die Zahl der untersuchten Pestizid-Wirkstoffe nahezu verdoppelt," schloss Url.
Rückfragehinweis:
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