Brennendes Problem für heimische Äpfel und Birnen

Brennendes Problem für heimische Äpfel und Birnen


Der Feuerbrand ist nach wie vor die größte Bedrohung für den österreichischen Kernobstbau / Auch Ziergehölze betroffen
 

(Wien, 22.4.2005, AGES) Der österreichische Kernobstbau ist auch heuer wieder mit einem Existenz bedrohenden Gegner konfrontiert: dem Feuerbrand, einer hochinfektiösen, nur schwer zu bekämpfenden Quarantäne-Krankheit verschiedener Obst- und Ziergehölze, die Anfang der 90-er Jahre erstmals in Österreich aufgetreten ist. Besonders gefährdet sind Apfel-, Birnen- und Quittenbäume, aber auch verschiedene Ziergehölze wie Zwergmispel, Eberesche, Feuerdorn, Weißdorn, Mispel oder Zierquitte. Der Erreger, das Bakterium Erwinia amylovora, kann etwa einen jungen Birnbaum innerhalb von zwei bis drei Wochen zum Absterben bringen.

Schwerpunkt im Westen


Der Schwerpunkt des Feuerbrandauftretens lag auch 2004 wieder in Vorarlberg. In den vergangenen fünf Jahren ging hier ein Viertel der Kernobst-Erwerbsfläche verloren. Aber auch in Bundesländern mit Schutzgebietsstatus wie Wien, Niederösterreich und dem Burgenland, trat der Feuerbrand trotz intensiver Bekämpfungs- und Schutzmaßnahmen wieder vermehrt in Erscheinung. Nur in der Steiermark, Kärnten und Osttirol war geringes bzw. kein Auftreten nachweisbar.
In Vorarlberg waren Apfel und Birne im Streu- und Erwerbsobstbau besonders betroffen. Hier wurden mehr feuerbrandpositive Pflanzen gefunden als im Jahr 2003. Vier Hektar Intensivobstbau mussten gerodet werden, insgesamt gingen seit dem Jahr 2000 durch den Feuerbrand 9,2 Hektar verloren.

Schwierige Bekämpfung


Das große Problem beim Feuerbrand ist der Umstand, dass er nur sehr schwer zu bekämpfen ist. Besonders wichtig ist daher, seine Verbreitung einzudämmen. Dazu gehören der Verzicht, feuerbrandanfällige Wirtspflanzen auszupflanzen und die genaue Beobachtung von Wirtspflanzen auf Befallssymptome, damit infizierte Pflanzenteile oder Pflanzen frühzeitig entfernt werden können.
Für dauerhaften Erfolg sind rigorose Schnitt- und Rodungsmaßnahmen notwendig. Stark geschädigte Pflanzen müssen sofort gerodet und am besten an Ort und Stelle verbrannt werden. Denn der Erreger kann auch an gerodetem Holz monatelang am Leben bleiben. Bei weniger geschädigten Pflanzen genügt unter Umständen das Ausschneiden erkrankter Äste. Allerdings muss der Schnitt mindestens einen halben Meter im optisch gesunden Holz geführt werden. Das geschnittene Holz muss ebenfalls sofort vernichtet werden. Schnittwerkzeuge, Hände und Schuhwerk müssen desinfiziert werden. Mit den derzeit verfügbaren chemischen Bekämpfungsmitteln ist der Feuerbrand nur eingeschränkt zu kontrollieren. International und national wird daher intensiv an der Entwicklung alternativer Methoden gearbeitet

Eine wirksame Bekämpfung des Feuerbrands wäre auch mit dem Antibiotikum Streptomycinsulfat möglich, das in Österreich zurzeit aber nicht genehmigt ist. In Deutschland hingegen wurde der Einsatz dieses Mittels auch heuer wieder regional und befristet für den erwerbsmäßigen Kernobstbau und in Kernobst-Vermehrungsbeständen zugelassen.


Rascher Krankheitsverlauf


Feuerbrand breitet sich vor allem bei feucht-warmem Wetter rasch aus. Verbreitet wird er durch verseuchtes Pflanzenmaterial, Insekten oder kontaminierte Gegenstände. Bereits vier Tage nach erfolgter Infektion können erste Anzeichen des Absterbens sichtbar werden. Blätter und Blüten befallener Pflanzen welken plötzlich und verfärben sich braun oder schwarz, Triebe krümmen sich oft hakenförmig nach unten. Bei feuchtem Wetter tritt an den Befallsstellen weißlicher, später braun werdender klebriger Bakterienschleim aus. Unter der Rinde frisch befallener Bäume ist das Holz meist rotbraun verfärbt und mit Bakterienschleim durchsetzt.

Gegen Ende der Vegetationsperiode kommt die Ausbreitung der Bakterien zum Stillstand. Da die erkrankten Rindenpartien einsinken, entsteht zwischen krankem und gesundem Gewebe eine deutliche Grenzlinie. Diese Krebsherde bilden den Ausgangspunkt für neue Infektionen im Frühjahr.


AGES spielt entscheidende Rolle im Kampf gegen Feuerbrand


Als Koordinationsstelle nimmt die AGES, die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, seit 2003 eine entscheidende Rolle bei allen Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Feuerbrand ein. Am Institut für Pflanzengesundheit wurden in den vergangenen Jahren mehrere tausend entsprechende Laboruntersuchungen durchgeführt, unter anderem für das vorgeschriebene EU-Monitoring, mit dem der Ausbreitung des Feuerbrands Einhalt geboten werden soll. Des weiteren werden Forschungsprojekte durchgeführt, die kurz- und mittelfristig alternative Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Feuerbrand bieten können. Eine wesentliche Aufgabe ist auch die Information der Bevölkerung mittels Folder und einer eigenen Feuerbrand-Homepage unter www.ages.at

Rückfragehinweis:


AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH

Unternehmenskommunikation:
DI Oskar Wawschinek
Spargelfeldstraße 191, A-1226 Wien
Tel: +43 (0)50 555-25000
E-Mail: oskar.wawschinek@ages.at

Fachlich:
DI Ulrike Persen
Univ.-Doz. DI Dr. Sylvia Blümel
Tel: +43 (0)50 555-33326
E-Mail: Pflanzengesundheit@ages.at

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