Österreich: Pestizidbelastung ist im Vergleich zu anderen EU-Staaten gering
AGES: Österreich gehört zu den Ländern mit den strengsten Kontrollen
"Es kann keine Rede davon sein, dass die Pestizidbelastung bei Obst und Gemüse in Österreich höher ist als in anderen Ländern der EU", betont Dr. Friedrich Sövegjarto, Leiter der analytischen Kompetenzzentren der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). "Im Gegenteil: In absoluten Zahlen stehen wir besser da als viele Mitgliedsstaaten."
Auch die EU-Kommission stellt Österreich ein gutes Zeugnis aus, was die Kontrolle der Pestizidbelastung bei Obst und Gemüse betrifft: Österreich gehöre wie die Niederlande und Deutschland zu jenen Ländern in Europa, die am meisten kontrollieren, so eine Sprecherin des für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständigen EU-Kommissars David Byrne. Die Pestizidbelastung sei niedriger als in anderen EU-Staaten. Damit wies auch die Kommission Vorwürfe der Umweltorganisation Global 2000 zurück, diese drei Länder gehörten zu den am stärksten betroffenen Staaten.
Global 2000 hatte am Wochenende behauptet, Österreich liege bei der Pestizidbelastung unter den drei schlechtesten Staaten. Die Umweltorganisation bezog sich dabei auf den EU-Bericht über das Pestizid-Rückstandsmonitoring des Jahres 2002. "Bei diesem Monitoring werden jedes Jahr in den Mitgliedsstaaten sowie Norwegen, Island und Liechtenstein Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs auf Pestizidrückstände untersucht", erklärt Sövegjarto. Insgesamt wurden über 46.000 Proben auf durchschnittlich 170 verschiedene Pestizide untersucht. In Österreich wurden 1628 Proben gezogen. 28,9 Prozent waren österreichischer Herkunft, der überwiegende Teil kommt aus dem europäischen Markt (59,4 Prozent) bzw. Drittländern (11,7 Prozent). 45,4 Prozent der Proben waren rückstandsfrei; bei 46, 2 Prozent lagen die Rückstände unter dem harmonisierten und /oder nationalem Höchstwert.
"Das bedeutet, dass 91,6 Prozent der untersuchten Proben den gesetzlichen Regelungen entsprochen haben", sagt Sövegjarto.
"Für den scheinbaren Anstieg an Höchstwertüberschreitungen gibt es mehrere Ursachen", erklärt Sövegjarto. Zum einen wurden die Daten nicht unter identischen Bedingungen erhoben. "So sind in den vergangenen Jahren Höchstwerte immer wieder niedriger angesetzt worden", sagt Sövegjarto. Zudem seien diese Grenzwerte in Österreich niedriger als in anderen EU-Staaten. "Und zum anderen sind auch die verwendeten analytischen Methoden immer empfindlicher geworden." Dazu komme auch, dass Österreich mit 217 Pestiziden auch eine größere Anzahl kontrolliere als andere Staaten wie zum Beispiel Belgien (141) oder Dänemark (135). Daraus erklärt sich, dass bei den in Österreich gezogenen Proben 8, 4 Prozent einen oder mehr Wirkstoffe über dem Höchstwert aufweisen.
In Österreich wird für das nationale Untersuchungsprogramm zudem jenes Obst und Gemüse gewählt, bei dem aufgrund der Ergebnisse vergangener Jahre eher mit Pestizidrückständen zu rechnen ist. "Wir suchen zielgerichtet nach Pestizidrückständen. Unser Konzept beruht auf Daten des täglichen Verzehrs, der Produktion, des Imports von Obst und Gemüse und eben auf den Ergebnissen früherer Messungen", sagt Sövegjarto. Wissenschaftlich ausgearbeitet wurde das Untersuchungsprogramm vom Institut für angewandte Statistik und Systemanalyse der Forschungsgesellschaft Joanneum Research in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit und Frauen.
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