Neuer Schädling in Österreich eingeschleppt

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Schmetterlingszikade "Metcalfa pruinosa" bedroht Holzpflanzen in Ostösterreich
Wien, 21.08.2003: Im Juli 2003 wurde erstmals ein Massenauftreten eines bislang in Österreich kaum in Erscheinung getretenen schädlichen Insekts entdeckt: Metcalfa pruinosa, eine Zikade aus der Familie der Schmetterlingszikaden hat sich in einem Waldabschnitt im 21. Wiener Gemeindebezirk plötzlich stark vermehrt und tritt seit ihrer Entdeckung massenweise in Erscheinung. Die lokale Bekämpfung des Insekts durch punktuelle Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln ist aufgrund seiner fortgeschrittenen Ausbreitung nicht mehr möglich. Die Zikade sondert Honigtau ab, der - zu Rußtau entwickelt - die Blätter schwarz färbt und die Pflanze durch die beschränkte Photosynthese-Fähigkeit schwächt.
Pflanzenwachstum gehemmt, Früchte unverwertbar
Dr. Bernhard Url, Geschäftsführer der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit
(AGES) und Direktor des Bundesamtes für Ernährungssicherheit: "Zwar konnte bis heute nicht nachgewiesen werden, ob der Schädling zur Verbreitung von Viren und Phytoplasmen beiträgt, jedoch sind Schäden in der Landwirtschaft zu befürchten: Landwirtschaftlich genutzte Holzpflanzen (Bäume, Sträucher) werden durch den Zikaden-Befall in ihrer Wachstumsfähigkeit geschwächt, die Früchte (z.B. Obst) durch den Rußtau unverwertbar. Befallene Pflanzen von Baumschulen sind außerdem ästhetisch beeinträchtigt und unverkäuflich."
Erfahrung mit dem Schädling hat man, so Url, in südlichen Ländern Europas seit über 20 Jahren, wo sie in Obst- und Weinbaubetrieben bekämpft werden.
Ursprünglich stammt der Schädling aus Amerika, wo sich sein Verbreitungsareal vom Bundesstaat New York bis Brasilien erstreckt. 1979 wurde die Zikade erstmals in Europa entdeckt, und zwar in Norditalien (Veneto), von wo aus sie sich in der Folge in ganz Südeuropa, und zwar nach Frankreich, Slowenien, Kroatien, Spanien und zuletzt auch nach Tschechien und in die Schweiz verbreitete.
Schnelle Verbreitung
Wie die Schmetterlingszikade nach Wien kam, ist unklar, da das neue Befallsgebiet in Wien weit entfernt zu den bisherigen Verbreitungsgrenzen liegt. Vermutet wird, dass der jährliche Verbreitungsradius um fünf bis 15 Kilometer wachsen kann. Aufgrund der klimatischen Veränderungen hin zu höheren Durchschnittstemperaturen kann mit einer beschleunigten Entwicklung gerechnet werden.
Bekämpfungsmaßnahmen
Die Zikade kann derzeit in Österreich durch zwei Maßnahmen bekämpft werden: Einerseits durch das Zurückschneiden jüngerer Zweige in der kalten Jahreszeit, da sich daran viele überwinternde Eier befinden, andererseits durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegen saugende Insekten.
Bekämpfung mittels "natürlichen Feindes" in Südeuropa erfolgreich
Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit prüft derzeit eine alternative, biologische Methode mittels Einsatzes von natürlichen Gegenspielern des Schädlings: Dazu wird ein natürlicher Feind, der ursprünglich aus Nordamerika stammende parasitische Hautflügler "Neodryinus typhlocybe" im Befallsgebiet frei gesetzt. Diese biologische Bekämpfungsmethode würde den flächenmäßigen Einsatz von Pflanzenschutzmittel als Maßnahme gegen die Zikadenverbreitung minimieren.
Url: "Ob die Aussetzung des Parasiten für die österreichische Fauna verträglich ist, wird gegenwärtig von der AGES genau geprüft. Erfahrungen mit dieser Methode gibt es bereits in Italien und Frankreich: Dort wird die Zikade seit zehn Jahren mittels Freilassung des Parasiten erfolgreich bekämpft. Falls die Untersuchungen positiv abgeschlossen werden können, wäre der Einsatz dieses "natürlichen" Bekämpfers der Zikade bereits in Österreich im nächsten Jahr möglich, falls die dafür notwendigen Zulassungsbewilligungen erteilt werden."
Aussehen und Lebensweise
Die Zikade "Metcalfa pruinosa" saugt süße Pflanzensäfte, die sie mit Hilfe ihres Saugrüssels aus den Gefäßbündeln von Blättern und kleineren Zweigen ihrer Wirtspflanzen saugt. Es werden sehr viele Ziergehölze, Obstbäume und Weinstöcke befallen, selten aber auch krautige Pflanzen wie Brennnesseln. Dabei sondert das Tier reichlich Honigtau ab, der gerne von Bienen eingetragen wird. Das erwachsene Insekt erreicht samt Flügel eine Länge von etwa 8 mm. Seine Färbung ist grau, an einigen Stellen ist es von weißen Wachsflöckchen bedeckt. Das erwachsene Tier findet man von Juli bis in den Herbst. Es legt seine etwa 0,8 mm langen und 0,4 mm breiten abgerundeten Eier in Ritzen und kleine Unebenheiten jüngerer Zweige. Daraus schlüpfen im Frühjahr die Larven, welche ebenfalls Pflanzensäfte saugen. Die Larven sondern in überreichem Ausmaß Wachsfäden ab, so dass sie von Wachswolle nahezu bedeckt sind und sich dadurch auch leicht verraten. Die Larven tragen nur Flügelstummel und können ausgezeichnet springen. Nachdem insgesamt 5 Larvenstadien durchlaufen wurden, sind die Zikaden erwachsen und beginnen nach ihrer Paarung mit der Eiablage. Dieser Zyklus wird einmal pro Jahr durchlaufen, sodass sich lediglich eine Generation entwickeln kann.
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