AGES-Newsletter 12/11 - 23.11.2011
- Fachsymposium Risikokommunikation
- Antibiotika in der Nutztierhaltung und mögliche Konsequenzen
- HIV-Surveillance in Österreich
- Aktuelle Veranstaltungen
- Aktuelle Broschüren & Folder
- Weitere Informationen
Fachsymposium Risikokommunikation

- Alois Stöger

- Bernhard Url

- Ragnar Löfstedt

- Andreas Hensel

- Pamela Rendi-Wagner

- Marcus Müllner

- Sabrina Oswald
Von Dioxin über EHEC bis Fukushima, von BSE über Acrylamid bis Vogelgrippe - beim Fachsymposium "Verbraucherschutz, Öffentliche Gesundheit & Arzneimittelsicherheit im Spannungsfeld – Risiko, Krise und Panikmache“ am 21.11.2011 in der AGES Wien diskutierten rund 100 VertreterInnen aus Politik und Wirtschaft, Behörden und Medien den Umgang mit gefühlten und tatsächlichen Risiken und dem Management im Krisenfall.
Gesundheitsminister Alois Stöger betonte in seinen Eröffnungsworten, dass auch in Zeiten des Sparens nicht an der Sicherheit von Lebens- oder Arzneimitteln gespart werde: „Informationen zu riskanten Lebensmitteln verbreiten sich rasend schnell auf der ganzen Welt, das hat das Beispiel EHEC gezeigt. Die richtige Risikokommunikation ist daher wichtig, um Verunsicherung zu vermeiden. Mein Appell richtet sich an die Unternehmen im Lebensmittelbereich, rechtzeitig zu informieren, sobald sie etwas als riskant erachten. Weiters sollten die nächsten Schritte kommuniziert und das Know-how der Behörden genutzt werden. Gemeinsames Handeln ist das beste Mittel, um Krisen in der Lebensmittelsicherheit zu bewältigen. Gerade bei lebensmittelbedingten Krankheiten sind viele Menschen verunsichert. Wir brauchen Einrichtungen wie die AGES, welche die Risiken im Lebensmittel- oder Arzneimittelbereich managen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten hier tolle Arbeit.“
AGES Geschäftsführer Dr. Bernhard Url: "Gesundheit ist unser Ziel. Mit dem Begriff 'Sicherheit' beschreiben wir, wie gut es uns gelingt, Gefahren für die Gesundheit zu vermeiden. Was dann noch als Schadenspotential übrig bleibt und was wir so gering wie möglich halten wollen, nennen wir Risiko. Die AGES nimmt diese Verantwortung mit ihren in Form eines ‚Lebenskreises’ aufgestellten Geschäftsfeldern von der Bodengesundheit bis zur Arzneimittelsicherheit wahr. Die Vision der AGES lautet 'Gesundheit für Mensch, Tier und Pflanze' oder, anders ausgedrückt, 'Minimieren der Erkrankungsrisiken für Mensch, Tier und Pflanze.'"
Neben Gesundheitsminister Alois Stöger standen mit Risikoforscher Prof. Dr. Ragnar Löfstedt (Direktor des King's Centre for Risk Management am King‘s College, London) und Prof. DDr. Andreas Hensel (Präsident des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung, BfR) zwei internationale Experten aus dem Bereich Risikoforschung und Risikomanagment für einen Dialog bereit. Priv.-Doz. Dr. Pamela Rendi-Wagner (Generaldirektorin für Öffentliche Gesundheit im Bundesministerium für Gesundheit, BMG) und Univ.-Prof. Dr. Marcus Müllner (Bereichsleiter der Arzneimittelagentur AGES PharmMed) erläuterten die Risikokommunikation in der öffentlichen Gesundheit anhand der Beispiele Fukushima bzw. Risiken und Nutzen von Arzneimitteln. Die PR-Expertinnen Sabrina Oswald und Martina Tuma beleuchteten die Anforderungen der Risikokommunikation von Wirtschaftsunternehmen in Zeiten des „Web 2.0“.
Gemäß dem Spruch „Nach der Krise ist vor der Krise“ sehen die ExpertInnen vor allem Bedarf an organisatorischer Vorbereitung (Krisenhandbuch, Ansprechpartnern, etc), inhaltlicher Aufbereitung der eigenen Krisen-PR-Themen sowie professionellem Management im akuten Krisenfall. Investiert werden sollte „in Friedenszeiten“ in den Aufbau von Vertrauen unter Einbindung von Meinungsbildnern sowie in Bereitstellung transparenter Informationen unter Verwendung unabhängiger wissenschaftlicher Expertise. Denn eine jede Krise ist über die wirtschaftlichen Folgen des betroffenen Produzenten hinaus immer mit enormen volkswirtschaftlichen Kosten verbunden. Schlussendlich gebe es nur eine Antwort für eine Öffentlichkeit, die regelmäßig und latent mit Angst machenden Krisen konfrontiert wird: schnelle, adäquate und transparente Information.
Details zu Programm, Inhalten und Vortragenden
Antibiotika in der Nutztierhaltung und mögliche Konsequenzen
Zwischen dem Einsatz von Antibiotika und der Prävalenz antimikrobieller Resistenzen lässt sich ein Zusammenhang belegen. Je häufiger Antibiotika einer bestimmten Stoffgruppe bei Mensch oder Tier eingesetzt werden, desto häufiger finden sich später bakterielle Krankheitserreger, die gegen diese Substanz unempfindlich sind. Die Resistenz gegen antimikrobielle Mittel stellt eine Gefährdung der Gesundheit der Bevölkerung dar, kann eine längere Erkrankungsdauer für die Patienten zur Folge haben, führt zu höheren Gesundheitskosten und hat wirtschaftliche Auswirkungen für die Gesellschaft.
Durch die regelmäßige Überwachung der Resistenzsituation bei ausgewählten Erregern im Veterinärsektor werden Hinweise zur Dynamik und zu Trends von Antibiotika-Resistenzen gewonnen. Diese Ergebnisse werden jedes Jahr gemeinsam mit den im Humanbereich erhobenen Daten im österreichischen Resistenzbericht (AURES) veröffentlicht.
In Ergänzung dazu wurde 2009 / 2010 das Projekt „Methodenvergleich zur Erfassung von Antibiotikamengenströmen im Veterinärbereich in Österreich“ durchgeführt.
HIV-Surveillance in Österreich
Vor zehn Jahren haben Vertreter von fünf HIV-Behandlungszentren die „Austrian HIV Cohort Study (AHIVCOS)“ gegründet. Langfristiges Ziel dieser HIV-Kohortenstudie ist eine umfassende, freiwillige und anonyme Erfassung von HIV infizierten Patienten in Österreich und damit eine Optimierung des Patientenmanagements. 2008 traten zwei weitere Zentren der AHIVCOS bei.
Weitere Ziele betreffen das Qualitätsmanagement und die Verbesserung des Wissens über die Epidemiologie (= Ursachen, Verbreitung und Folgen in der Bevölkerung) dieser Krankheit. Mit diesem Wissen können Mittel des öffentlichen Gesundheitswesens gezielter eingesetzt werden.
Situation in Österreich
In den vergangenen zehn Jahren wurden über AHIVCOS 7031 HIV-Infektionen dokumentiert. Von diesen Fällen sind 1945 Patienten mittlerweile verstorben. Trotz rund 400 Neuinfektionen pro Jahr erkranken derzeit lediglich ca. 80 Personen in Österreich an AIDS – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Behandlung der Betroffenen gut funktioniert.
Allerdings werden nach wie vor viele HIV-Infektionen zu spät diagnostiziert: Nur 20 Prozent der Diagnosen werden binnen weniger Monate nach erfolgter Infektion gestellt; in 60 Prozent der Fälle dauert es mehrere Jahre; bei 20 Prozent erfolgt die Diagnose nach über zehn Jahren.
In Österreich liegt das Durchschnittsalter bei HIV-Diagnosen bei 34 Jahren. 70 Prozent der HIV-Infizierten sind männlich. Die meisten Infektionen werden in Österreich erworben.
Am 29.11.2011 findet in der AGES die Tagung "HIV-Surveillance" statt. Neben der Situation in Österreich wird auch die Lage in Deutschland und Slowenien beleuchtet.
Aktuelle Veranstaltungen
25.11.2011 - Wien
Ragweed - eine invasive Pflanze mit allergenem Potenzial > Die Forschungsergebnisse eines dreijährigen DaFNE-Projekts zu den biologischen Grundlagen der Ausbreitung sollen die Entwicklung von praxistauglichen Bekämpfungs- und Verhinderungsmaßnahmen ermöglichen.
29.11.2011 - Wien
HIV-Surveillance > Bei dieser Veranstaltung beleuchten wir die HIV-Surveillance in Österreich und richten dabei auch den Blick auf die Situation in den Nachbarstaaten.
12.12.2011 - Wien
Tag der Biorichtlinien > Schwerpunkte bilden "Tierhaltung und Import" sowie "Erfahrungen mit Bio". Unter anderem werden Themen der Weidehaltung, Futtermittel, Bio-Produkte aus Drittländern und Stolpersteine zwischen Verordnung und Praxis präsentiert und diskutiert.
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit