Zuckerrüben – Krankheitstoleranzen der Sorten nutzen!
Hinsichtlich Blattkrankheiten Sorteneigenschaften in wirtschaftlichen Erfolg umsetzen
Blattkrankheiten können jährlich in den Zuckerrübenbeständen deutliche Schäden verursachen. Das gilt vor allem für die Cercospora-Blattfleckenkrankheit. Sie ist die bedeutenste Blattkrankheit in unseren Anbaulagen und kann den Zuckerertrag um über 20 % vermindern.

- Deutlicher Cercosporabefall
Die einzelnen Sorten sind unterschiedlich stark anfällig gegenüber Blattkrankheiten. Daher sollten die Sorteneigenschaften in die Bekämpfungsstrategie einbezogen werden. Die Empfindlichkeit der Sorten gegenüber Blattkrankheiten wird bei der Sortenwertprüfung festgestellt. Eine niedrige Note (1) bedeutet eine sehr geringe, eine hohe Note (9) eine sehr starke Anfälligkeit. Sorten mit entsprechender Verwendung in der Praxis werden weiter beobachtet und wenn nötig in ihrer Einstufung aktualisiert. Alle in Österreich verwendeten Zuckerrübensorten sind rizomaniatolerant. Als „doppeltolerant“ werden jene Sorten bezeichnet, die neben der Toleranz gegen den Rizomaniavirus in einer weiteren Krankheitsausprägung (z.B. Anfälligkeit für Cercospora) mit Note 2 oder 3 eingestuft sind. Die Berücksichtigung der Cercosporatoleranz kommt besonders im Bioanbau hoher Bedeutung zu (siehe Übersicht 1).
Echter Mehltau ist in den letzten Jahren kaum aufgetreten. Generell sind die Unterschiede der derzeitigen Praxissorten in der Toleranz gegenüber Echtem Mehltau weniger ausgeprägt. Sie zeigen sich hauptsächlich in einem unterschiedlichen Zeitpunkt im Krankheitsauftreten.

- Rhizoctoniafäule
Nachdem Rhizoctonia – eine Rübenfäule – gebietsweise immer stärker auftritt, konnten in den letzten Jahren gegen diesen Schaderreger tolerante Sorten, wie z.B. Ilias, Nauta, Solano und Taifun mit Ausprägungsstufe 3 bis 4 in die Österreichische Beschreibende Sortenliste aufgenommen werden. Die Sorte Taifun ist zusätzlich mit Ausprägungsstufe 2 auch gegenüber Cercospora gering anfällig, ist also „dreifachtolerant“. Diese Sorten bringen je nach Befallsdruck bis zu 50 % mehr Ertragssicherheit gegenüber anfälligen
Vergleichssorten. Ohne Befall sind sie diesen jedoch um 5 bis 10 % unterlegen, daher eignen sie sich besonders für Befalls- und Verdachtsflächen!
Im Dezember 2010 konnten mit Gladiator, SY Blixa und Xanadu erstmals gegen Nematoden tolerante Zuckerrübensorten in die BSL eingetragen werden. Die Sorten erhalten auch unter Befallsbedingungen ihre Ertragsleistung und sind damit anfälligen Praxissorten um bis zu 40 % überlegen. Auch unter Nichtbefall bringen diese Sorten eine ansprechende Leistung. Beachtet muss ihre Einstufung gegenüber Cercospora werden. Die Einstufung der derzeit aktuellen Zuckerrübensorten ist in Übersicht 1 zu sehen.
Im Internet können zwei Schadschwellenmodelle (www.betaexpert.at und www.cerco-watch.at) zur Bekämpfung von Blattkrankheiten bei Zuckerrüben genutzt werden. Bei diesen Modellen wird eine Behandlung nach Schadschwellen empfohlen. Diese werden in Abhängigkeit vom ermittelten Blattbefall in über das Rübenbaugebiet verteilten Beobachtungsschlägen dargestellt und laufend aktualisiert. Für jeden Schlag wird die angebaute Sorte angegeben. Bei Cerco-Watch kann zusätzlich die Schlagauswahl auf Anfälligkeitsgruppen der Sorten (niedrig, mittel und stark) eingeschränkt werden bzw. kann über einen Link direkt die Sortenbeschreibung der AGES aufgerufen werden. Beide Modelle bieten die Möglichkeit, den Zeitpunkt für die Kontrolle der eigenen Bestände je nach angebauter Sorte zu optimieren um bei Erreichen der Schadschwelle den optimalen Behandlungszeitpunkt zu setzen.

- Echter Mehltau - weniger anfällige neben sehr anfälliger Prüfsorte im Versuch
Abhängig von der jährlichen Befallsstärke, Witterung und Lage wird die Schadschwelle bei Sorten mit höherer Einstufung deutlich früher erreicht. Bei anfälligen Sorten ist es daher besonders wichtig, die erste Behandlung zeitgerecht (optimal vor Auftreten erster Befallsflecken) zu setzen! Sorten mit niedriger Einstufung erreichen die Schadschwelle zur ersten Behandlung in der Regel etwas später. Auch wenn der folgende Krankheitsverlauf deutlich schwächer ausgeprägt ist, ist auch hier eine begleitende Bestandeskontrolle notwendig. In der Regel lässt sich dadurch eine Behandlung einsparen. Zur optimalen Bekämpfung sollte eine Behandlung bei Sichtbarwerden der ersten Krankheitssymptome durchgeführt werden.
Unter Beachtung der Schadschwelle ist es mit toleranten Sorten möglich, in Jahren oder in Lagen mit geringem Auftreten von Cercospora auf eine Behandlung ganz zu verzichten. Zusätzlich vermindert sich auch die Gefahr, dass die Wirksamkeit der zurzeit vorhandenen Pflanzenschutzmitteln reduziert wird.
Übersicht 1 - Anfälligkeit aktueller und neuer Zuckerrübensorten für Cercospora
APS | Aktuelle und neue Praxissorten | Rhizoctoniatol. Sorten | Nematodentol. Sorten |
1 | |||
2 | Taifun | ||
3 | Baikal, Denisa KWS, Fabrizia KWS, Horta, Laguna KWS, Legenda KWS, Schubert |
| |
4 | Berenika, Begonia | SY Blixa | |
5 | Avia, Baracouda, Menuett, Mufflon, SY Badia | Ilias, Nauta | |
6 | Arnold, Eifel, Helita, Integral, Nancy, Sporta, Tinker, Wagner | Xanadu | |
7 | Aranka KWS, Bellini | ||
8 | Rossini | Solano | Gladiator |
9 |
APS = Ausprägungsstufe (1 = sehr gering, 5 = mittel, 9 = sehr stark anfällig)
Fazit
Um das Leistungspotential der Sorten auszuschöpfen und im Sinne einer integrierten Pflanzenproduktion sollten die Sorteneigenschaften von Zuckerrüben gegenüber Krankheiten beachtet und diese in die Bekämpfungsstrategie mit einbezogen werden. Mit weniger anfälligen Sorten gelingt es zusätzlich den Fungizideinsatz zu minimieren.
Josef Rieppl
Institut: Nachhaltige Pflanzenproduktion
Ort: 1220, Spargelfeldstrasse 191
Dienstort: Wien
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Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit